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Ein Campus für alle Studierenden der Welt

Michael Jäckel will in seiner zweiten Amtszeit den Campus noch attraktiver machen. Den Kunstraum Generator im Geozentrum zählt er schon jetzt zu den Alleinstellungsmerkmalen der Universität Trier. Fotos (2): Universität Trier
Michael Jäckel will in seiner zweiten Amtszeit den Campus noch attraktiver machen. Den Kunstraum Generator im Geozentrum zählt er schon jetzt zu den Alleinstellungsmerkmalen der Universität Trier. Fotos (2): Universität Trier FOTO: Sheila Dolman (g_pol3 )
Trier. Universitätspräsident Michael Jäckel tritt heute die zweite Amtszeit an. Selten waren die Herausforderungen für seine Hochschule größer. Rainer Neubert

Trier Hunderte Namensschildchen hängen an der großen Pinnwand im Büro des Universitätspräsidenten. Alle tragen einen Namen. "Am Anfang habe ich die gesammelt", sagt Michael Jäckel und schmunzelt. "Da habe ich noch gedacht, ich muss jede Einladung annehmen." Für den 57-jährigen Soziologen beginnt heute die zweite Amtszeit als Chef der größten Bildungs- und Forschungseinrichtung in der Region. Angesichts von knapp 1000 wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Mitarbeitern ist die Universität Trier auch einer der größten Arbeitgeber.13 300 Studierende waren im vergangenen Semester eingeschrieben. Das sind zwar fast 2000 weniger als noch vor einigen Jahren. "Auf Studierendenzahlen und Absolventenquoten wird geschaut, das kann man nicht ignorieren", sagt Präsident Jäckel. Beunruhigt sei er dennoch nicht. "Bei den zulassungsbeschränkten Fächern ist die Nachfrage stabil. Und auch bei den anderen Studiengängen gibt es bereits relativ viele Anmeldungen für das Wintersemester." An der grundsätzlichen Linie, der Qualität des Studiums Vorrang zu geben, will er nichts ändern. Rückblick: Nichts ändern will Jäckel auch an seiner Amtsführung. "Ich habe meinen Rhythmus gefunden." Als er vor sechs Jahren, im September 2011, zum ersten Mal am großen Schreibtisch des Universitätspräsidenten Platz nahm, war daran noch nicht zu denken. "Es war damals nicht leicht", erinnert sich der Vater zweier Töchter. Er meint damit die Haushaltskürzungen durch das Land, aber ebenso die Flut an Papieren und auch weniger wichtigen Dokumenten, die täglich zur Unterzeichnung über jenen Schreibtisch gingen. Zumindest das war neu zu organisieren, um den Raum für die wichtigen Dinge zu schaffen. "Ich will ein Präsident aller Gruppen sein, den Dialog verbessern, auch mit der Region. Und natürlich war es schon damals mein Ziel, dass die Universität Trier auf nationaler Ebene in wichtigen Gremien präsent ist. Unser Campus soll für alle Studierenden der Welt interessant sein." Den internationalen Ferienkurs mit 100 Studierenden aus 32 Ländern nennt er als Beispiel für diese Internationalität. Immer mehr der 100 Studiengänge seien international ausgelegt und würden zum Teil ausschließlich in englischer Sprache vermittelt. Die Universität Trier profitiere aber auch von den engen Beziehungen zu Hochschulen in anderen Ländern. So nennt Jäckel zum Beispiel die Einladung zu einem Hochschulsymposium in Japan im kommenden Jahr eine "Steilvorlage, die man mitnehmen muss". Sternstunden: Den renommierten Leibniz-Preis, einen der wichtigsten Forschungsförderpreise in Deutschland, für den Trierer Historiker Lutz Raphael zählt Jäckel ohne Zögern zu den größten Erfolgen seiner ersten Amtszeit. "Da sind aber auch der City-Campus, die Gründung der Wissenschaftsallianz Trier, die Auszeichnung des Campus als einer von 100 besonderen Orten in Deutschland, das Jubiläumskonzert des Collegium Musicum im Amphitheater, der Kunstraum Generator und viele andere Dinge, die ich aufzählen könnte."Enttäuschungen: Die größte Enttäuschung war gleichzeitig Impuls für einen veränderten Blick in die Zukunft. "Als wir 2015 trotz jahrelanger Vorarbeit und bester Bewertungen nicht den Sonderforschungsbereich Resilienz erhalten haben, entstand der Gedanke für eine thematische Neuausrichtung der Universität", blickt Jäckel zurück. Angesichts des Sparzwangs durch die Schuldenbremse des Landes und der dadurch zunehmenden Bedeutung von Drittmitteln für die Beschäftigung von Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern will er die Hochschule mittelfristig breiter aufstellen.Perspektiven: Die konkreten Gedanken dafür hat Michael Jäckel in einem Positionspapier niedergeschrieben (siehe Artikel unten). Dieses ist auch die Basis für die Bewerbung für das Hochschulzukunftsprogramm des Landes. Unter Federführung von Wissenschaftsminister Konrad Wolf soll bis April 2018 feststehen, wie sich auch in Trier die Universität und die Hochschule in Zukunft entwickeln. "Die Einhaltung der Schuldenbremse bedeutet für uns Sparauflagen", so der Unipräsident. "Ich hoffe sehr, das wird auch Thema in der Diskussion."So oder so will Michael Jäckel frischen Wind für den Campus, für Forschung, Lehre und jeden einzelnen Studiengang. "Der fächerübergreifende Dialog unter den Wissenschaftlern muss noch mehr in Gang kommen." Jäckel setzt dabei auch auf den Generationenwechsel. "Die jungen Professoren bringen viel Schwung mit." Und wie werden die Studierendenzahlen sein, wenn Michael Jäckel am Ende seiner zweiten Amtszeit an dem großen Präsidentenschreibtisch sitzt? Der 57-Jährige überlegt länger als üblich. "Im Jahr 2023, da wird die Zahl fünfstellig sein." Extra: UNIVERSITÄTSPRÄSIDENT PROF. DR. MICHAEL JÄCKEL

Alter 57 Familienstand verheiratet Kinder zwei Töchter Beruflicher Werdegang Studium der Soziologie und Geschichte in Mainz, dort auch Promotion und Habilitation; 1996 Ruf auf eine C3-Professur für Soziologie an der Universität Trier; 2001 kurzes Intermezzo an der Universität Erfurt (Ruf auf die C4-Professur für Kommunikationswissenschaft); 2002 Ruf auf eine C4-Professur für Soziologie an der Uni Trier, 2003 bis 2011 Vizepräsident für Haushalt, Bibliothek und IT; seit September 2011 Präsident. Neben zahlreichen Forschungsprojekten Verfasser mehrerer soziologischer Standardwerke und -beiträge; regelmäßig Visiting Professor an der Hamline University (Saint Paul, Minnesota); aktiv in mehreren nationalen Wissenschaftsgremien. Hobbys Wandern, Sport, A-cappella-Gesang. Lieblingsmusik Genesis, Coldplay, klassische Musik. Bier oder Wein? Beides. Lieblingsspeisen Gegrilltes Hähnchenfleisch, Fisch und vieles mehr. Lebensmotto Sich selbst bei Laune halten.

Die Bronzeskulptur Laokoon von Waldemar Otto ist ein Wahrzeichen der Uni Trier. TV-Foto: Rainer Neubert
Die Bronzeskulptur Laokoon von Waldemar Otto ist ein Wahrzeichen der Uni Trier. TV-Foto: Rainer Neubert FOTO: (h_st )