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Ein Mann der leisen Worte, der nicht gerne im Rampenlicht steht - Trierer Rechtsprofessor Gerhard Robbers soll neuer Justizminister

Bislang Rechtsprofessor, bald Minister: Gerhard Robbers. Foto: dpa
Bislang Rechtsprofessor, bald Minister: Gerhard Robbers. Foto: dpa
Trier. Seinen Namen hatte im politischen Mainz wohl keiner auf dem Schirm: Gerhard Robbers. Der 63-jährige Juraprofessor aus Trier soll neuer Justizminister werden. Mit Politik hat man ihn bislang nicht in Verbindung gebracht. Bernd Wientjes

Trier. Er ist eher ein Mann der leisen und mit Bedacht gewählten Worte, macht nicht viel Wind um sich selbst. Große Gesten und das Rampenlicht seien seine Sache nicht, schrieb ein Internetmagazin über Gerhard Robbers. Nun rückt der 63-Jährige aber überraschenderweise ins Rampenlicht. Der Trierer Rechtswissenschaftler und Verfassungsrichter soll neuer Justizminister werden. Und damit nicht nur ein Ministerium leiten, sondern auch Chef sein von 56 Gerichten, zehn Staatsanwaltschaften und elf Gefängnissen im Land.
Mit Politik und Verwaltung hat man den Juristen und vierfachen Vater bislang nicht in Verbindung gebracht. Auch eine Nähe zu einer politischen Partei lässt sich bei ihm und seinen Äußerungen nicht erkennen. Kenner bezeichnen ihn aber als dialogfähig.
Robbers, der von 2007 bis 2013 Vorstandsmitglied im Präsidium des Evangelischen Kirchentages und 2013 dessen Präsident war (nachdem er mit 17 aus der Kirche ausgetreten und erst mit 30 Jahren wieder Mitglied wurde), gilt unter Beobachtern eher als konservativ. Etwa was seine kritische Haltung zu Abtreibung und Präimplantationsdiagnostik angeht. Die Präimplantationsdiagnostik sei letztlich eine Entscheidung über Leben oder Nicht-Leben sagte er bei einem Vortrag 2011. Er hat sich für muslimischen Religionsunterricht in deutschen Schulen und für ein friedliches Zusammenleben mit den Muslimen in Deutschland ausgesprochen.
Robbers stammt aus Bonn. Er hat Rechtswissenschaft in Freiburg studiert. Von 1982 bis 1984 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bundesverfassungsgericht und Assistent des ehemaligen Präsidenten des obersten deutschen Gerichts, Ernst Benda. Bis zu dessen Tod im März 2009 verband Robbers eine enge Beziehung zu Benda. Er veranstaltete zu dessen 80. Geburtstag vor neun Jahren einen feierlichen Empfang in den Trierer Viehmarktthermen, zu dem viel politische und juristische Prominenz erschienen war.
Seit 1989 lehrt Robbers als Professor an der Trierer Uni Öffentliches Recht, Kirchenrecht, Staatsphilosophie und Verfassungsgeschichte. Von 1997 bis 2008 war er nebenamtlicher Richter am Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz, seit 2008 Richter am rheinland-pfälzischen Verfassungsgerichtshof. Er leitet darüber hin-aus die Institute für europäisches Verfassungsrecht und für Rechtspolitik in Trier.
Robbers wollte sich gestern nicht zu seiner möglichen Berufung als Justizminister äußern. Er dementierte sie allerdings auch nicht.