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Ein Richter im Zeugenstand

Im Sommer vergangenen Jahres wurde Günter B. wegen mehrfachen Betrugs zu 24 Monaten Haft auf Bewährung vor dem Amtsgericht Bitburg verurteilt. Das Berufungsverfahren wird fortgesetzt. Jetzt wird aufgezeigt, was während der Hauptverhandlung in der Eifel geschehen ist.

Trier. (kat) "Eine Einstellung kommt nicht in Betracht", sagte Staatsanwältin Frauke Straaten am zweiten Verhandlungstag vor der Zweiten Kleinen Strafkammer des Landgerichts Trier. Das heißt: Jetzt wird aufgerollt, was in der Hauptverhandlung in Bitburg geschehen ist. Der Vorsitzende Richter Peter Egnolff legte drei weitere Prozesstermine fest und verhörte zwei Zeugen, darunter Udo May, Vorsitzender Richter während der Hauptverhandlung in Bitburg im vergangenen Jahr. Gegenstand der Befragung war die Erklärung des Verteidigers des angeblichen BSE-Forschers. Aus dem Protokoll, das Egnolff vorlas, ging hervor, dass der Angeklagte alles voll umfänglich einräumte, es ihm leid tat und er Wert auf die Feststellung legte, dass er von seiner Forschung überzeugt sei. Udo May erklärte, sich an Einzelheiten nicht mehr erinnern zu können. "Wenn das so im Protokoll steht, ist das so gesagt worden", sagte der Zeuge. Auch eine von May vorgenommene Korrektur im Protokoll war Thema im Gerichtssaal. Er hatte 5500 Euro in DM korrigiert. In der Anklageschrift sei aber von Euro die Rede, wandte Guido Britz, Wahlverteidiger von Günter B., ein. Daraufhin räumte Udo May einen möglichen Fehler bei der Korrektur ein. Hierbei handelt es sich um einen Betrag, den der mittlerweile 77-jährige angebliche BSE-Forscher im Frühjahr 2001 von einem Landwirt aus Wolsfeld (Eifel) für Heilpflanzen erhielt, die Tiere seiner Meinung nach von BSE heilen können. Zuvor hatte Günther B. mit einem selbst entwickelten Testgerät bei sechs Tieren "veränderte elektrische Leitfähigkeit festgestellt", woraufhin er BSE diagnostizierte. Der Rentner, der nach eigenen Aussagen in zahlreichen Naturwissenschaften ausgebildet ist, kam mit dem Eifel-Landwirt ins "Geschäft". Beide planten einen BSE-Forschungshof zu errichten. Günter B. gaukelte vor, Forschungsgelder in Millionenhöhe zu erhalten. Der Bauer wollte sich beteiligen. Die versprochenen Gelder sah der Landwirt nie, und um die notwendigen Mittel aufbringen zu können, machte er betrügerische Kreditgeschäfte, die ihm unter anderem eine zweieinhalbjährige Haftstrafe einbrachten. Auch der Senior Günter B. wurde vom Amtsgericht Bitburg verurteilt, zu zwei Jahren auf Bewährung. Das Strafmaß wurde damals damit begründet, dass der Angeklagte nicht mehr der jüngste sei und die Taten bereits fünf Jahre zurücklägen.