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Eiskalte Finger, zuckersüßer Traubenmost - Winzer an Mosel, Saar und Ruwer ernten Eiswein (Fotos)

Eisweintrauben sind oft nicht mehr ansehnlich. Doch der Saft bringt hochkarätige Weine. TV-Foto: Archiv/Frank Göbel
Eisweintrauben sind oft nicht mehr ansehnlich. Doch der Saft bringt hochkarätige Weine. TV-Foto: Archiv/Frank Göbel FOTO: Frank Goebel (fgg) ("TV-Upload Goebel"
Trittenheim/Bernkastel-Kues. Endlich wieder Eiswein: Nach zwei schlechten Jahren für diese besondere Weinspezialität konnten Winzer von Mosel, Saar und Ruwer gestern am frühen Morgen bei Temperaturen um minus acht Grad die durchgefrorenen Trauben ernten. Winfried Simon

Als Nico Schmitt am Dienstagmittag nach einem mehrtägigen Auslandsaufenthalt in Belgien und den Niederlanden wieder in sein Trittenheimer Weingut Claes Schmitt Erben zurückkehrte, wunderte er sich: "Es ist ja frostig kalt, das könnte Eiswein geben." Am Abend eilte er zur Trittenheimer Wetterstation, das das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) betreibt.

Bis Mitternacht kontrollierte er stündlich die Temperatur. Und diese fielen in der sternenklaren Nacht stetig. Am späten Abend war klar: Am nächsten Morgen ist es kalt genug, um die Trauben reinzuholen. Schnell benachrichtigte er Freunde, Bekannte und Winzerkollegen. Um 7 Uhr standen die Lesehelfer, dick verpackt in warmen Jacken, Hosen und Handschuhen, bereit. Innerhalb einer Stunde ernteten sie bei klirrendem Frost die Trauben in der 800 Quadratmeter großen Parzelle in der Lage Trittenheimer Altärchen. Der Lohn: 100 Liter eiskalter und zuckersüßer Most mit 145 Grad Oechsle und ein ausgiebiges Frühstück mit frischen Brötchen, Kaffee und Sekt im Weingut. Ein 0,375-Liter-Fläschchen will Schmitt für 40 Euro anbieten.

In den vergangenen zwei Jahren waren die für Eiswein vorgesehenen Trauben in den meisten Fällen regelrecht vergammelt, weil erst Mitte Januar oder später die Temperaturen in den Frostkeller sanken.

Auch in Leiwen, Erden, Kröv und Reil sowie an Saar und Ruwer wurde Eiswein gelesen. In Reil zeigte das Thermometer minus neun Grad, als Winzer Thorsten Melsheimer mit seinem Team zur Eisweinernte ausrückte. Das Weingut Gebrüder Steffes aus Waldrach, VG Ruwer, meldete eine Erntemenge von 200 Liter Eiswein bei 143 Grad Öchsle. Auch das Spitzenweingut Egon Müller-Scharzhof in Wiltingen freut sich über eine gute Eiswein-Ernte. Um Eiswein lesen zu können, müssen die Trauben richtig durchgefroren sein. Und dafür muss es mindestens acht Grad minus sein. Erst dann tritt der Effekt ein, dass beim Keltern nur der hochkonzentrierte Traubensaft abläuft und das gefrorene Wasser in der Kelter übrig bleibt. Das ergibt Weine mit außergewöhnlich hohen Mostgewichten und Aromawerten.

Viel Eiswein in Rheinhessen

Bei der Landwirtschaftskammer lagen in den Anbaugebieten von Rheinland-Pfalz Eisweinanmeldungen von 203 Betrieben vor. Die meisten Flächen liegen in Rheinhessen mit 118 Hektar (2015: 77), gefolgt von der Pfalz mit 34 Hektar (2015: 16,5).

An der Nahe wurden vier Hektar angemeldet (2015: 26), an Mosel und Mittelrhein zusammen elf Hektar (2015: 74). Die Gesamtfläche, auf der Trauben zur Eisweinlese hängenblieben, beträgt 167 Hektar (2015: 110). Seit Einführung der Voranmeldung im Jahr 2013 sind dies die höchsten Zahlen. 2013 hatten 102 Betriebe 75 Hektar angemeldet, 2014 nur 36 Betriebe 20 Hektar.