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Fachkräftemangel gefährdet wichtige Bauprojekte in der Region

Bauherren müssen die Verkehrssicherungspflicht auch schon während der Bauarbeiten wahrnehmen. Foto: Armin Weigel
Bauherren müssen die Verkehrssicherungspflicht auch schon während der Bauarbeiten wahrnehmen. Foto: Armin Weigel
Trier. Ingenieure dringend gesucht. Weil der öffentliche Dienst an Attraktivität verliert, könnten bald wichtige Projekte nicht mehr oder nur verzögert realisiert werden. Es herrscht Alarmstimmung in Behörden und Gemeinden. Rainer Neubert

Die finanziellen Rahmenbedingungen für Städte und Kreise sind so gut wie lange nicht mehr: Hohe Steuereinnahmen verbessern die Möglichkeiten, in Straßen, Brücken und Städtebauprojekte zu investieren. Land und Bund haben angekündigt, ihre Zuschüsse deutlich zu erhöhen. Großprojekte wie der mit 25 Millionen Euro geförderte Stadtumbau Trier-West oder die Erneuerung der Hochbrücke in Gerolstein erfordern von den Kommunen und Behörden erfahrene und hoch qualifizierte Planungsexperten. Diese sind im öffentlichen Dienst allerdings zunehmend Mangelware, wie Edeltrud Bayer, Leiterin des Landesbetriebs Mobilität (LBM) Trier, bestätigt: "Der Fachkräftemangel betrifft nicht nur den Bereich der Ingenieure, sondern auch die Bautechniker und Straßenwärter."

Auch bei den Kreisverwaltungen der Region ist der Mangel an Fachkräften ein Thema. In der Stadt Trier wird die Suche nach Bauingenieuren für wichtige städtebauliche Projekte sogar zu einem nervenaufreibenden Geduldsspiel. So ist es ein offenes Geheimnis, dass sich dort das Bedauern über die Nichtberücksichtigung der Römerbrücke beim Bundesförderprogramm "Nationale Projekte des Städtebaus" in Grenzen hält. Denn die Stadtverwaltung verfügt derzeit nicht über genügend erfahrene Ingenieure und Planer, um ein solches Projekt innerhalb der Zeitvorgabe zusätzlich zu realisieren, in der die Millionenzuschüsse verplant und verbaut sein müssten.

Klaus Dauderstädt, Bundesvorsitzender des Deutschen Beamtenbundes (DBB), warnt gar vor einem Kollaps der öffentlichen Verwaltung. Nach einer Studie der Organisation fehlen bundesweit etwa 170 000 Fachkräfte in den Behörden. Dabei gehe es aber nicht nur um Ingenieure. Der Beamtenbund wirbt deshalb intensiv mit einer Nachwuchskampagne unter dem Titel "Die Unverzichtbaren" für den öffentlichen Dienst. Die Trierer LBM-Chefin Edeltrud Bayer ist mit Dauderstädt einer Meinung, wenn es um die Hauptursache für den Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst geht: "Es liegt vor allem an der schlechten Bezahlung im Vergleich zur privaten Wirtschaft. Baufirmen und Ingenieurbüros können höhere Gehälter bieten."Mehr zum Thema

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