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Festnahme
Familiendrama in Trier: Ein Mordversuch aus Mitleid? - Ermittlungen gegen 63-jährigen Vater

FOTO: Agentur Siko
Trier. Im Fall des blutigen Familiendramas in Trier-Süd gehen die Ermittler davon aus: Der 63-jährige Mann wollte erst seine schwerkranke Tochter und dann sich selbst töten. Beide sind inzwischen außer Lebensgefahr. Gegen den Vater wurde Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen. Geschah die Tat aus Mitleid? Von Rolf Seydewitz

Spektakuläre Entwicklung im Fall des blutigen Familiendramas in Trier-Süd, bei dem am Sonntag eine 35-jährige Frau und ihr Vater durch Messerstiche und Schnittverletzungen lebensgefährlich verletzt wurden. Ein Trierer Ermittlungsrichter hat am Dienstag Haftbefehl wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung gegen den 63-jährigen Mann erlassen.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Vater seine Tochter in deren Wohnung töten wollte – heimtückisch, also ohne dass die Frau Anhaltspunkte für den drohenden Angriff des Vaters gehabt haben dürfte. Das besonders Tragische an dem Fall: Die 35-Jährige leidet an einer unheilbaren Augenerkrankung mit fortschreitender Erblindung.

Der Vater hatte sich in der Vergangenheit nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts Peter Fritzen aufopferungsvoll um die allein lebende Tochter gekümmert und sie regelmäßig besucht, um ihr zu helfen oder bei ihr zu sein. In der Vergangenheit soll die Frau mehrfach Selbsttötungegedanken geäußert haben.

Vor diesem Hintergrund habe der Vater den Entschluss gefasst, das Leben seiner Tochter und sein eigenes zu beenden. Mit einem Teppichmesser soll der 63-Jährige seiner Tochter  lebensgefährliche Schnittverletzungen am Hals und eine Stichverletzung zugefügt haben. Sie wurde später von den Rettungskräften im Flur des Mehrfamilienhauses gefunden.

In der Annahme, dass er seine Tochter tödlich verletzt hat, soll sich der Vater nach der Tat das Messer  selbst in den Bauch gerammt haben. Der 63-Jährige brach in der Wohnung der Tochter zusammen.

Weil ein Nachbar Schreie gehört und die Polizei alarmiert hatte, wurden die beiden Schwerverletzten rechtzeitig gefunden und in ein Trierer Krankenhaus gebracht. Beide sind inzwischen außer Lebensgefahr.

Der unter Bewachung in einer Klinik liegende Vater soll in den nächsten Tagen ins Wittlicher Gefängniskrankenhaus verlegt werden. Der verheiratete Mann ist strafrechtlich bislang noch nicht in Erscheinung getreten.