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Frauen
Frauen bleiben benachteiligt

Trier. Sie verdienen immer noch weniger, haben kleinere Renten und seltener Führungspositionen: Zum Internationalen Frauentag ziehen Gewerkschaften und Politikerinnen kritische Bilanz.

Beim Internationalen Frauentag wird heute gefeiert, dass Frauen seit 100 Jahren wählen dürfen. Für viele ist der Tag aber auch Anlass, kritisch Bilanz zu ziehen – und die fällt im Deutschland aktuell sehr durchwachsen aus. Zwar haben Frauen längst die gleichen Rechte wie Männer. Auch wurden allerlei Gesetze  erlassen, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, Altersarmut zu lindern oder Alleinerziehende zu unterstützen. Zudem wird Gewalt gegen Frauen dank der „MeToo“-Debatte öffentlich massiv verurteilt.

Dennoch gibt es nach Ansicht von Politikerinnen, Gewerkschaften, Sozialverbänden oder Arbeitsmarktexperten noch sehr viel zu tun.

Statistiken zeigen, wo die Balance fehlt: Nicht einmal ein Drittel der Bundestags- und nur knapp 36 Prozent der Landtagsabgeordneten sind Frauen. Zahlen des Statistischen Bundesamts belegen, dass Frauen in Deutschland 21 Prozent weniger verdienen als Männer. Das liegt laut Hanna Kunze, der Beauftragten für Chancengleichheit bei der Arbeitsagentur Trier, zum einen daran, dass Frauen öfter traditionell „weibliche Arbeit“ machen – Erziehung, Soziales, Verkauf, Reinigung –, die schlechter bezahlt sei als klassische Männerberufe. Der Gehaltsunterschied hat seine Ursache auch darin, dass es immer noch meist Frauen sind, die sich um Kinder oder Pflegebedürftige kümmern: Viele arbeiten in Teilzeit. Frauen werden aber auch schlicht deshalb schlechter bezahlt, weil sie Frauen sind. Der Lohnunterschied liege bei sechs Prozent, sagt Kunze. Ministerpräsidentin Malu Dreyer betont: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ sei noch nicht erreicht.

Das neue Entgelttransparenzgesetz hält Kunze zwar für einen wichtigen Vorstoß, um für mehr Gerechtigkeit zu sorgen, doch komme es nur wenigen zugute. Gilt es doch nur für Betriebe ab 200 Angestellten. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten fordert, da nachzubessern. Auch im Hinblick auf Altersarmut: Im Schnitt bekommen Frauen 42 Prozent weniger Rente.

Der DGB beklagt, die Gleichstellung der Geschlechter sei nicht vollzogen, und fordert die neue Regierung auf, Missstände wie die schlechtere Bezahlung, ungelöste Arbeitszeitprobleme, geringere Karrierechancen oder kleinere Renten zu lösen. Die IG Metall fordert ein Rückkehrrecht von Teil- in Vollzeit. Und der Sozialverband VdK mahnt Arbeitgeber, familienfreundlichere Arbeitszeitmodelle anzubieten.

„Haben Frauen auf dem Land wirklich ein Wahlrecht?“, fragen die Landfrauen – wenn ihnen Altersarmut drohe oder wenn es auf dem Land weder Geburtskliniken noch Hebammen oder Ärzte gebe.

Die künftige Agrarministerin Julia Klöckner mahnt, man solle sich nicht bei Debatten um Sternchenschreibweise oder eine gendergerechte Nationalhymne verkämpfen. In der Integrationspolitik gebe es angesichts fundamentalistischer Männer und patriarchalisch sozialisierter Jungs viel zu tun. Vielen Frauen mit Migrationshintergrund fehle die Gleichberechtigung.

Bundesfrauenministerin Katarina Barley kündigt im TV-Interview an, dass Führungspositionen im öffentlichen Dienst künftig per Gesetz zu gleichen Teilen mit Männern und Frauen zu besetzen sind.