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Freie Schulwahl - Lehrer in der Region: Viele Gymnasiasten sind überfordert

Trier. Gehen zu viele Schüler eines Jahrgangs aufs Gymnasium, obwohl sie auf anderen Schulen besser aufgehoben wären? Diskussion um freie Schulwahl flammt neu auf. Von Bernd Wientjes

Mehr als 13.000 Grundschüler im Land sind im vergangenen Schuljahr ans Gymnasium gewechselt. Das sind rund 41 Prozent eines Jahrgangs. Auch in der Region sind Gymnasien weiter gefragt. 2100 Schüler wurden dort im vergangenen Jahr in die fünfte Klasse eingeschult, 1700 waren es auf der Realschule plus. 418 wechselten auf Integrierte Gesamtschulen.

Nach Ansicht des Philologenverbandes, der Vertretung der Gymnasiallehrer, gehen noch immer zu viele Schüler eines Jahrgangs aufs Gymnasium, obwohl sie auf anderen Schulen besser aufgehoben wären. Daher müsse es wieder verbindliche Grundschulempfehlungen für den Übergang auf weiterführende Schulen geben, wie es sie bis vor 25 Jahren in Rheinland-Pfalz gegeben hat. Damit waren die Eltern bei der Schulwahl für Fünftklässler an die Empfehlung des Grundschullehrers gebunden.

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Zwar gibt es in der vierten Klasse weiterhin Empfehlungen für die weitere Schullaufbahn. An die müssen sich die Eltern in Rheinland-Pfalz aber nicht halten. Anders als in Bayern und Thüringen.

Mit einer verbindlichen Empfehlung könnten Schüler vor Überforderung bewahrt werden, wenn sie auf "für sie geeigneten Schulen unterrichtet und keine nachträglichen Korrekturen der Schullaufbahnwahl vorgenommen werden", sagt Jochen Ring, Sprecher des Philologenverbandes. Wie hoch die Zahl der Schüler ist, die in der Region nach der sechsten Klasse, also dem Ende der Orientierungsstufe, vom Gymnasien auf andere weiterführende Schulen wechseln, ist nicht bekannt. Vom TV befragte Gymnasien gaben entweder keine Antwort oder verwiesen an die Schulaufsicht bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier. Von dort gibt es allerdings auch nur die Zahlen für Rheinland-Pfalz. Demnach haben im vergangenen Schuljahr 731 Gymnasiasten nach dem sechsten Schuljahr die Schule verlassen und sind auf andere Schulen gegangen, die meisten auf Realschulen plus.

Der Verband der Realschullehrer beklagt "inflationäre Schülerströme" Richtung Gymnasien. "Um den Niveauverlust an den Schulen zu vermeiden, fordern wir verbindliche Regelungen, die dem Kindeswohl dienen", sagt Sprecher Bernd Karst. Realschulen plus seien eine "attraktive Alternative".

Eltern und Land sind dagegen. "Jede Schule hat den Auftrag zur individuellen Förderung", sagt der Vorsitzende des Regionalelternbeirats, Reiner Schladweiler. Gebe es eine verbindliche Empfehlung, drohten den Gymnasien massive Schülerrückgänge und damit der Abbau von Lehrerstellen.

Die unverbindliche Grundschulempfehlung trage "dem natürlichen Recht der Eltern, über die Erziehung ihrer Kinder zu bestimmen", Rechnung, heißt es aus dem Bildungsministerium.