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Verfahren
Freispruch im Koblenzer Taliban-Prozess

Freispruch: Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Daniel Sprafke
Freispruch: Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Daniel Sprafke FOTO: Rolf Seydewitz / TV
Koblenz. Im Prozess gegen einen vermeintlichen Kämpfer der radikalislamischen Taliban ist der Angeklagte am Freitag freigesprochen worden. Das Oberlandesgericht (OLG) hob den Haftbefehl gegen ihn auf. Der junge Mann hatte in Untersuchungshaft gesessen. dpa

Das Oberlandesgericht hat am Freitagmorgen einen vermeintlichen ehemaligen Taliban freigesprochen. Der Asylbewerber war Anfang des Jahres in Prüm festgenommen worden, nachdem er sich zuvor selbst der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung bezichtigt hatte. Zur Zeit läuft die Urteilsbegründung des Staatsschutzsenats. Der abgelehnter Asylbewerber saß seit Januar in Wittlich in Untersuchungshaft. Der Haftbefehl wurde am Freitagmorgen aufgehoben.

Die Bundesanwaltschaft hatte ihm Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung, Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Der Angeklagte sei in Afghanistan als Leibwächter eines Taliban-Befehlshabers bei mindestens 50 Hinrichtungen dabei gewesen und habe auch den Henker beschützt.

Im September hatte der Mann aber vor dem Staatsschutzsenat des OLG sein früheres Geständnis bei der Polizei widerrufen. Dieses sei nur erfunden gewesen, um als angeblicher Taliban-Deserteur leichter Asyl in Deutschland zu erhalten. In den Plädoyers hatte die Bundesanwaltschaft eine Jugendhaftstrafe von vier Jahren und die Verteidigung einen Freispruch gefordert.

Ursprüngliche OLG-Pressemitteilung