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Früherer Ministerpräsident Carl-Ludwig Wagner beigesetzt

Ministerpräsident Kurt Beck spricht zu den Trauergästen. TV-Foto: Friedemann Vetter
Ministerpräsident Kurt Beck spricht zu den Trauergästen. TV-Foto: Friedemann Vetter FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Die Fahnen in Rheinland-Pfalz wehten gestern auf Halbmast, und das politische Mainz verlegte seine Tätigkeit für einen Tag nach Trier. Die Aufmerksamkeit galt dem Staatsbegräbnis für den früheren Ministerpräsidenten Carl-Ludwig Wagner. Dieter Lintz

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte für die Wertschätzung, die Carl-Ludwig Wagner genoss, die Gästeliste beim Staatstrauerakt hätte ihn geliefert. Da kamen, weit über die "Offiziellen" des Landes hinaus, zahlreiche Weggefährten - und nicht wenige frühere politische Gegner. Seine einstigen Kabinettskollegen Bernhard Vogel und Georg Gölter waren da, Staatssekretärin Maria Böhmer vertrat die Bundesregierung, aber auch Wagners unmittelbarer Nachfolger Rudolf Scharping kam zu der Gedenkfeier. CDU-Veteranen wie Horst Langes und Franz-Peter Basten trafen auf langjährige SPD-Prominenz wie Christoph Grimm, Karl Diller oder Josef-Peter Mertes.
Es war, als wollten sie durch ihre Präsenz bestätigen, was Ministerpräsident Kurt Beck in seiner Traueransprache sagte: Wagner sei "ein Mann des Ausgleichs" gewesen, "der mit leisen Tönen zu überzeugen wusste und deshalb Wertschätzung über Parteigrenzen hinaus genießen durfte". Seine "Fachlichkeit und Sachlichkeit" habe die politische Arbeit bestimmt.

Die zweistündige Veranstaltung, die ein kirchliches Requiem mit einem Staatsakt kombinierte, war trotz ihres offiziellen Charakters bemerkenswert persönlich gehalten. Nicht nur, weil Wagners kleine Enkel davon erzählten, wie "der Opa uns die Welt erklärt hat". Auch der Zelebrant, Pfarrer Hermann Josef Reckenthäler, verband in seiner Predigt das für die Messe ausgewählte Evangelium mit dem Menschen Carl-Ludwig Wagner: "Er war ein Mensch mit Standpunkt, und Menschen mit Standpunkten haben Jesus gefallen".
Ein Mensch mit Standpunkt


Wagners Tochter Christine Langenfeld erinnerte an die ruhige Zuversicht und hob auch den Humor ihres Vaters hervor, dem "jede Art von Dogmatismus und Borniertheit fremd" gewesen sei.

Persönlich auch die Erinnerungen der CDU-Landesvorsitzenden Julia Klöckner: Wagner sei für sie "ein Herr" gewesen, ein feinsinniger Mensch, der fest auf dem Boden der christlichen Soziallehre gestanden habe.
Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen schilderte seinen Amtsvorgänger als jemand, "dessen Sache es nicht war, sich zu verbiegen". Wagners politische Kultur sei "Beispiel und Vorbild zugleich" gewesen. Jensen erinnerte an das ehrenamtliche und kulturelle Engagement, das "der Bürger Carl-Ludwig Wagner" auch ohne öffentliche Ämter über Jahre praktiziert habe.

Die Hauptrede hielt auf Bitte der Familie der langjährige Wagner-Weggefährte und frühere Kultusminister Georg Gölter. Da kamen bei manchen Akteuren Erinnerungen an Landtagsdebatten längst vergangener Jahre auf, als die "Schöngeister" Wagner und Gölter Akzente setzten.

In seiner furiosen, mit zahlreichen literarischen und philosophischen Zitaten durchsetzten Rede zeichnete Gölter das Bild eines aufgeklärten Konservativen, der nie Urteile gefällt habe "ohne zu fragen, zu hinterfragen und abzuklopfen". Wagner, "ein Europäer und Patriot", habe sich auch durch einen besonders sorgsamen Umgang mit Sprache ausgezeichnet: "Je komplizierter die Fragestellung, desto sorgfältiger, desto vorsichtiger sein Ausdruck". Zu den von allen Rednern angesprochenen Eigenschaften wie Ehrlichkeit, Gradlinigkeit, Weltläufigkeit und wechselseitigem Respekt fügte Gölter Wagners "preußische Vorstellung von Pflichterfüllung" hinzu.
Der frühere Spitzenpolitiker der rheinland-pfälzischen Union sparte aber auch unangenehme Themen nicht aus, wie den Umgang der Christdemokraten mit ihrem Vormann gegen Ende dessen politischer Karriere: "Für die CDU Rheinland-Pfalz um 1990 war Carl-Ludwig Wagner zu anständig".Extra

Carl-Ludwig Wagner 1930 in Düsseldorf geboren, Abitur auf dem Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier. Jura-Studium in Mainz und Montpellier, Promotion zum Dr. jur. in Mainz, ab 1959 Arbeitstätigkeit beim Europäischen Parlament. 1969 CDU-Abgeordneter im Bundestag für den Wahlkreis Trier, 1976 Wahl zum Trierer Oberbürgermeister, 1979 Berufung zum Justiz-, später Finanzminister des Landes. Von 1988 bis 1991 Ministerpräsident. Von 1992 bis \\'97 Direktor der Aufbaubank des Landes Thüringen.