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Geld statt neuer Bäume: Grüne Ministerin will Waldgesetz ändern

Wald in der Eifel
Wald in der Eifel FOTO: Frank Göbel
Mainz. Das rheinland-pfälzische Umweltministerium bricht mit einer jahrhundertealten Tradition: Wenn aufgrund von Baumaßnahmen Wälder gerodet werden, müssen in Zukunft als Ausgleich keine neuen Bäume gepflanzt werden. Weniger Wald, mehr Grünland heißt die Devise. Frank Giarra

Rheinland-Pfalz ist mit einem Flächenanteil von 42 Prozent das waldreichste Bundesland. Wer Straßen oder Windräder im Wald bauen will, muss eins zu eins für Ersatzaufforstungen sorgen. Umweltministerin Ulrike Höfken gibt jetzt eine neue Maxime aus. Wie es in einem elektronischen Brief an alle Forstämter heißt, der dem Volksfreund vorliegt, soll "nur noch im Einzelfall" aufgeforstet werden.

Höfken erachtet den Verzicht auf Walderhalt "als politisch alternativlos", heißt es in dem Schreiben. Sie will Äcker, Felder und Wiesen stärker schützen und deren Anteil erhöhen. Das Naturschutz- und das Waldgesetz sollen geändert werden. Auf Grünland kämen mehr als 2000 Pflanzenarten vor, lautet die Begründung. Auch für viele Tierarten sei Grünland von großer Bedeutung. Man erfülle Forderungen der Bauern- und Umweltverbände.
Ein Hektar Wald umfasst laut Gundolf Bartmann, Leiter des Forstamtes Trier, 100 bis 200 Altbäume. Werden sie gefällt, werden etwa 6000 Bäume neu gepflanzt. Kosten: bis zu 20?000 Euro pro Hektar. Auf Ersatzforstungen soll verzichtet werden, auf Geld nicht. Wer im Wald baut, muss eine Abgabe zahlen.

Die Förster wundern sich. "Das Management von Ausgleichsflächen läuft problemlos", sagt Bartmann. Selbst bei einem so großen Bauprojekt wie dem geplanten Pumpspeicherwerk der Stadtwerke Trier bei Riol, für das 80 Hektar Wald weichen müssten, habe man Flächen gefunden. Der Waldbesitzerverband und der Landesverband des Bundes Deutscher Forstleute sind alarmiert. Sie kritisieren, der gesetzliche Auftrag, den Wald im Interesse des Gemeinwohls zu erhalten, werde konterkariert. Michael Billen, forstpolitischer Sprecher der CDU, moniert: "Die Grünen haben keine Liebe zur Natur. Sie verraten ihren Markenkern."

Heftige Diskussionen sind heute beim 2. Trierer Waldforum unter dem Motto "300 Jahre Nachhaltigkeit" programmiert.

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