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Mann des Tages
Genosse mit eigenem Kopf

Christoph Grimm.
Christoph Grimm. FOTO: Medienhaus Trierischer Volksfreund / Rolf Seydewitz
Wie wär`s mit einem kurzen Treffen bei einer Tasse Kaffee?“ Der Jubilar schüttelt virtuell per Facebook-Mitteilung den Kopf. Der bevorstehende Geburtstag sei bei einem Politpensionär nicht von öffentlichem Interesse, bügelt Christoph Grimm die Anfrage des Volksfreund-Redakteurs kurz und bündig ab. Von Rolf Seydewitz

Am Sonntag wird der ehemalige Vorsitzende der Trierer Sozialdemokraten und langjährige Landtagspräsident 75. Von einer offiziellen Feier ist nichts bekannt, sie würde auch nicht zum keinesfalls immer spannungsfreien Verhältnis Grimms zu seiner Partei passen. Als der studierte Jurist 2005 nach 30-jähriger Vorstandsarbeit den Trierer SPD-Vorsitz an die damalige Hoffnungsträgerin Malu Dreyer abgab, hielt sich die Trauer in Grenzen. Generationen von SPD´lern seien mit Grimms Rück­zug „endlich am Ziel“, jubilierten damals seine innerparteilichen Kritiker.

Dabei galt der gebürtige Frankfurter in der SPD lange als intellektuelles Aushängeschild und Shootingstar, der vor unbequemen Themen keine Angst hat. Mit dem Ergebnis, dass der ehemalige Richter häufiger mal aneckte. Christoph Grimms pointierte Kritik an der Trierer Justiz (Er zitierte Tucholsky: Die Staatsanwaltschaft sei „wie die Kavallerie, dumm aber schneidig“.) kostete den Landtagsabgeordneten Anfang der 90er Jahre die Chance, rheinland-pfälzischer Justizminister zu werden.

Grimm wurde Landtagspräsident, ein Amt, das er bis zu seinem Abschied aus dem Mainzer Parlament im Frühjahr 2006 innehatte. Eines seiner Hauptanliegen: Grimm wollte den Mainzer Landtag durch zusätzliche Besucherprogramme oder etwa das Verfassungsfest zu einem Haus der Bürger machen.

In die Schlagzeilen schaffte es der Präsident in seiner aktiven Zeit aber eher durch andere Dinge. 2001 ermittelte die Trierer Staatsanwaltschaft gegen Grimm wegen Fahrerflucht (Verfahren wurde gegen eine Geldauflage eingestellt). Und in der Eifel warf er nach einem Auftritt in einer Schule einen geschenkten Weckmann in den Mülleimer, wofür sich Grimm später bei den Schülern entschuldigte.

„Beide Ereignisse haben mir politisch geschadet“, meinte Grimm rückblickend bei seinem Ausscheiden, sah sich zugleich aber auch als Opfer einer „politisch-medialen Kampagne“.

Christoph Grimm hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass es für ihn ein Leben jenseits der Politik gibt. Familie, Freunde, Sport, Kultur, Reisen sowie gutes Essen und Trinken waren ihm mindestens genauso wichtig wie mancher Parteitag. Das unterscheidet den Genossen von vielen anderen Spitzenpolitikern.

Wer in Trier unterwegs ist, hat gute Chancen, Christoph Grimm zu sehen, wenn er im Cafe sitzt, Zeitung liest oder mit Freunden plaudert. Öffentlich zu Wort meldet er sich selten. Zuletzt rief er vor einem Jahr mit dem ehemaligen Trierer CDU-Bundestagsabgeordneten Franz Peter Basten dazu auf, angesichts der zunehmenden Europaverdrossenheit neue Initiativen für die Großregion zu ergreifen. In einem solchen Fall sucht dann auch der selbst ernannte Politpensionär noch einmal für kurze Zeit und freiwillig das Licht der Öffentlichkeit.

Rolf Seydewitz