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"Gott schütze Rheinland-Pfalz" - Vor 25 Jahren kippte die CDU ihren Vorsitzenden Bernhard Vogel

Mainz/Koblenz. Es gibt Beben, die hinterlassen eine derartige Spur der Verwüstung, dass sich die betroffenen Landstriche nach Jahren noch nicht erholt haben. Eine solche Katastrophe erlebte die rheinland-pfälzische CDU am 11. November 1988 in Koblenz, also vor ziemlich genau 25 Jahren. Dietmar Brück

Mainz/Koblenz. Der langjährige Ministerpräsident Bernhard Vogel wurde als Parteichef gestürzt. Dieses Ereignis löste ein politisches Beben aus, das die christdemokratische Festung der Macht, die lange als uneinnehmbar galt, über Jahrzehnte in Trümmer legte.Leichtes Spiel für die SPD


Wie so oft, wenn große Reiche untergehen, wurde die CDU in der Folge von Diadochenkämpfen zerrissen. Zudem blieb Vogels Nachfolger Carl Ludwig Wagner (CDU) blass. Drei Jahre später hatte es die SPD leicht, die geschleiften Mauern der Mainzer Staatskanzlei zu überwinden und die einst so stolzen Christdemokraten in die Opposition zu verbannen. Dort zerfleischte sich das Führungspersonal über Jahre gegenseitig.
Die SPD, die unter Rudolf Scharping und Kurt Beck mal mit der FDP, mal alleine regierte, hatte es leicht mit einer Opposition, die mit der Lust an der Selbstzerstörung auf sich aufmerksam machte.
Bis 2010 Julia Klöckner kam. Nach ihrem Aufstieg an die Spitze der Partei und später auch der Fraktion begann sie, die Reihen zu schließen und alte Gräben zuzuschütten. Sie impfte der rheinland-pfälzischen CDU eine Kraft ein, die lange verloren gegangen war: Zuversicht und Siegeswillen. Klöckner verzichtete auf die Karriere als Verbraucherstaatssekretärin in Berlin und peitschte ihre Partei nach vorne. Ihr großes Ziel: 2016 will sie der SPD, die inzwischen mit den Grünen regiert, die Staatskanzlei wieder entreißen. Gelingt dieser Coup, würde sie ins Pantheon der großen Christdemokraten aufsteigen. Die Schmach der Landtagswahl von 1991, die den Machtverlust der CDU besiegelte, wäre endgültig getilgt.
An jenem 11. November 1988 schrieb sich ein Satz ins kollektive Gedächtnis der Rheinland-Pfälzer ein. "Gott schütze Rheinland-Pfalz", rief Bernhard Vogel nach seinem Sturz als Parteichef in jenen Saal, aus dem er gerade stürmte. Fassungslos. Getroffen. Verletzt.
Vogel zog einen gnadenlosen Schlussstrich: Er legte sein Amt als Ministerpräsident ebenso wie sein Landtagsmandat nieder. Das Tischtuch zwischen dem langjährigen Regierungschef und der Landes-CDU war zerschnitten. Anführer der parteiinternen Revolte war der Mainzer Umweltminister Hans-Otto Wilhelm. Er eroberte beim Koblenzer Parteitag das Amt des CDU-Parteichefs.Drohung wahr gemacht


Nachdem die Christdemokraten bei der Landtagswahl 1987 die absolute Mehrheit verloren hatten, gärte es in der erfolgsverwöhnten Partei. Eine Reihe jüngerer Christdemokraten forderte die Trennung von Amt und Mandat, gegen die sich der damals 55-jährige Vogel stemmte. Er wollte weiter Ministerpräsident und CDU-Landeschef bleiben. Und er unterschätzte die Anhängerschaft seiner Gegner, die ihm selbstherrliche Amtsführung vorwarfen.
Vogel, ein enger Vertrauter des damaligen CDU-Bundeschefs und Bundeskanzlers Helmut Kohl, fühlte sich unangreifbar. Ein Irrtum.
Nach seiner Niederlage in der Kampfkandidatur gegen Wilhelm blieb ihm nur noch, seine Drohung wahr zu machen. Er trat auch als Ministerpräsident zurück, was in der rheinland-pfälzischen CDU keiner gewollt hatte.