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Gesundheit
Gutachter: Kliniken im Land haben 2600 Betten zu viel

Zu hohe Zahl an Betten in rheinland-pfälzsichen Kliniken? Ein Krankenpfleger schiebt ein Krankenbett durch eine Station.
Zu hohe Zahl an Betten in rheinland-pfälzsichen Kliniken? Ein Krankenpfleger schiebt ein Krankenbett durch eine Station. FOTO: Daniel Bockwoldt
Trier/Mainz . Von Florian Schlecht
Florian Schlecht

Haben rheinland-pfälzische Krankenhäuser Tausende Betten zu viel? Das Berliner Iges-Institut kommt in einem Gutachten für die Landesregierung zu diesem Ergebnis. 2600 überschüssige Betten zählen die Forscher in den Kliniken, für die das Land bis Ende des Jahres einen neuen Krankenhausplan erstellen will. Einen Überhang von 1800 Betten hatte schon der Rechnungshof errechnet. Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) widerspricht: „Wir kommen nicht auf diese Zahlen.“ Für den Krankenhausplan kündigte die SPD-Politikerin zwar einen Bettenabbau an. Dieser falle aber „leicht“ aus. Manche Abteilungen müssten sogar Betten aufstocken, wie die Altersmedizin oder die Psychiatrie. In Prüm, das sickerte durch, wünscht sich das Land Betten für eine Augenheilkunde. Wie viele Betten das Land wiederum streichen möchte, will Bätzing „im Gespräch mit den Krankenhausträgern erörtern“.

Die Berliner Gutachter stellten auch fest, dass bei den Betten die Mindestauslastung zu niedrig ist. Diese gibt an, wie stark einzelne Klinik-Fachbereiche in einzelnen Regionen ausgelastet sein sollen. In Rheinland-Pfalz liegt der Wert bei 70 bis 85 Prozent. Künftig soll er in einzelnen Feldern höher liegen, fordern die Gutachter. Bätzing-Lichtenthäler will die Vorgabe „patientenfreundlich“ umzusetzen. Eine Unterschreitung der Mindestauslastung werde nicht automatisch zu Schließungen von Abteilungen führen. Die Ministerin schloss dies aber auch nicht explizit aus.

Ein gutes Zeugnis stellten die Gutachter dem Land aus, wenn es um die Fahrten zu Kliniken geht. Nur drei Prozent der Menschen müssten mit dem Auto länger als 30 Minuten fahren. Spezialisierte Bereiche wie Onkologie oder Neurologie seien bis auf wenige Ausnahmen in 40 bis 60 Minuten erreichbar. Im Krankenhausplan will das Land genaue Minuten-Angaben machen, wie lange Patienten höchstens mit dem Auto fahren sollen, um versorgt zu werden. Bei der Grundversorgung in der Klinik denkt Bätzing-Lichtenthäler an 30 Minuten, bei der Geburtshilfe an 40 Minuten. Die Gutachter stellten auch eine Trendumkehr des Landes zu höheren Investitionen in die Kliniken fest. Nach dem Doppelhaushalt steigen die reinen Landesmittel von 133 Millionen Euro in diesem Jahr auf 142 Millionen Euro im Jahr 2020.

Kleinen Häusern, antwortete die Ministerin auf Nachfrage, drohe  mit dem künftigen Krankenhausplan nicht das Aus. „Ich setze mich für eine erreichbare, flächendeckende und hochwertige Versorgung ein“, sagte Bätzing-Lichtenthäler „Es wird keinen Schließungsplan geben.“