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Hahn befindet sich weiter im Sinkflug

So voll ist es auf dem Hahn nur noch zu Stoßzeiten und während der Ferien. Die Zahl der Passagiere geht immer weiter zurück. TV-Archiv-Foto: Klaus Kimmling
So voll ist es auf dem Hahn nur noch zu Stoßzeiten und während der Ferien. Die Zahl der Passagiere geht immer weiter zurück. TV-Archiv-Foto: Klaus Kimmling
Lautzenhausen. Erneut ist die Zahl der Passagiere auf dem Flughafen Hahn zurückgegangen. Im ersten Halbjahr wurden rund sieben Prozent weniger Fluggäste gezählt. Das Frachtaufkommen ging um 28 Prozent zurück. Bernd Wientjes

Lautzenhausen. So wenig Passagiere wie im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden auf dem Flughafen Hahn seit Jahren nicht mehr abgefertigt. Mit knapp 1,1 Millionen Fluggästen von Januar bis Juni ging die Zahl im Vergleich zum ersten Halbjahr 2013 um 7,2 Prozent zurück. Im vergangenen Jahr flogen in den ersten sechs Monaten rund 1,6 Millionen Passagiere vom und zum Hahn. Mit ein Grund für den erneuten Rückgang dürfte sein, dass die irische Fluggesellschaft Ryanair, Hauptkunde des Hunsrückflughafens, die Zahl der dort stationierten Flugzeuge und damit auch die von der ehemaligen US Airbase angeflogenen Ziele für den Sommerflugplan deutlich reduziert hat. Zunächst hatte Ryanair Probleme bei der Flugzeugbeschaffung als Grund dafür genannt (der TV berichtete). Später hieß es dann, dass die seit 2011 in Deutschland verlangte Ticketabgabe von mindestens 7,50 Euro pro Passagier schuld sei. Im kommenden Winter soll die Zahl der Flugzeuge von derzeit sechs auf vier reduziert werden. Allerdings will Ryanair statt 31 Ziele wie im vergangenen Winter 32 vom Hahn aus anfliegen.
Es dürfte damit schwierig werden, das angepeilte Ziel von 2,4 Millionen Passagieren bis Ende des Jahres zu erreichen. Seit Jahren geht nämlich die Zahl der Fluggäste auf dem Hunsrückflughafen zurück. Im vergangenen Jahr büßte der Hahn über vier Prozent bei den Passagieren ein. In diesem Jahr könnte die Zahl noch weiter zurückgehen.
Die gerade erst begonnenen Sommerferien sorgen sicherlich für vergleichsweise gute Zahlen im August. Doch reichen die vermutlich nicht aus, das mögliche Minus bis Ende des Jahres auszugleichen. Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Roger Lewentz hatte kürzlich bei einem Besuch auf dem Hahn bereits die Zahl von zwei Millionen Passagieren im Jahr als "Hausnummer" angegeben. Auf dem Hahn übt man sich derzeit in Zweckoptimismus. "Der Flughafen ist auf einem guten Weg", sagt Sprecherin Maria Horbert. Derzeit würden "vielfältige Maßnahmen aus dem Sanierungskonzept umgesetzt, um den Flughafen zukunftsfähig zu machen". Dieses Sanierungskonzept hatte noch der im Mai wohl eher unfreiwillig aus dem Amt geschiedene Geschäftsführer Heinz Rethage auf die Schiene gesetzt. Dabei geht es darum, Kosten zu senken (etwa durch weniger Dienstwagen) und höhere Einnahmen zu erzielen (Parken wurde teurer). Erste Ergebnisse seien bereits zu verzeichnen, sagt Horber.
Aufgrund der rückläufigen Verkehrszahlen - auch im Frachtbereich verzeichnet der Hahn ein Minus von 28 Prozent im ersten Halbjahr - komme der Gewinnung von Neukunden "eine besondere Bedeutung zu", so die Flughafen-Sprecherin. Vergangene Woche wurde bekannt, dass von September an die chinesische Frachtlinie Air China Cargo den Hunsrück-Flughafen dreimal in der Woche anfliegen wird. Derzeit wird auch spekuliert, dass der Hahn eventuell von der Insolvenz des Zweibrücker Flughafens profitieren könnte, indem Ferienflüge von dort in den Hunsrück verlagert werden. Vorerst wird der Flugbetrieb in Zweibrücken aber in vollem Umfang weitergehen, wie der Insolvenzverwalter gestern mitteilte.Extra

Nicht nur der Hahn kämpft mit Passagierrückgang. Der ebenfalls fast ausschließlich von Ryanair angesteuerte Flughafen im nordrhein-westfälischen Weeze verzeichnet im ersten Halbjahr einen Rückgang von 26 Prozent, Saarbrücken von 7,7. Das geht aus Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen hervor. Köln/Bonn, wo Ryanair seit Frühjahr eine Basis errichtet hat, meldet ein Plus von knapp vier Prozent. wie