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Hass und Propaganda

Provokanter Spruch: Mit einer Plakatkampagne (hier gesehen in Trier) gegen die Kirche will eine "Initiative Mahnmal" auf sich aufmerksam machen.Foto: Michael Schmitz
Provokanter Spruch: Mit einer Plakatkampagne (hier gesehen in Trier) gegen die Kirche will eine "Initiative Mahnmal" auf sich aufmerksam machen.Foto: Michael Schmitz
TRIER. Großflächige Plakate einer Initiative "Kirche einsparen" sorgen derzeit in Trier und Umgebung für Aufsehen. Das Bistum warnt vor der Aktion. Sie stehe in Verbindung mit der umstrittenen Sekte "Universelles Leben". ARRAY(0x7f195700)

"Spart Euch die Kirche", heißt es provokativ auf Plakaten, die derzeit in Trier und Umgebung zu sehen sind. Auf den ersten Blick glaubt man, es gehe darum, dass Steuerzahler Geld sparen könnten, indem sie aus der Kirche austreten. Gibt man jedoch die auf dem Plakat angegebene Internet-Adresse "kirche-einsparen.de" ein, stößt man auf eine überfrachtete, mit Kirchenhass gefüllte Seite. Darauf heißt es unter anderem, dass zu den Opfern der Kirche auch die Steuerzahler wegen der "staatlichen Milliardensubventionen an die Kirchen" gehörten. Zudem sind jede Menge Links zu anderen Seiten aufgelistet, die jedoch alle zu den selben Initiatoren führen, allesamt in und um Würzburg beheimatet. Hinter den Internetseiten steckt die "Initiative Mahnmal für die Millionen Opfer der Kirche". Deren Vize-Vorsitzender Dieter Potzel erklärt: "Die Kirche hat die weitaus meisten Opfer in der Geschichte." Und dafür soll ein Mahnmal errichtet werden.Gegen den Reichtum der Kirche gewettert

Der "immense Reichtum der Kirchen in Deutschland" sei überwiegend auf kriminelle Weise zustande gekommen, wettert der ehemalige evangelische Pfarrer und fordert die Abschaffung der Kirchensteuer. Als Kirchenhasser will sich der 45-Jährige, der mittlerweile als Leichenbestatter tätig ist, jedoch nicht verstanden wissen, allenfalls als Kirchenkritiker. Auch wenn die Internetseiten nur so vor Hass-Propaganda strotzen. Ein "paar hundert" Mitglieder habe die Initiative, und die hätten auch die bundesweite Plakatkampagne, die derzeit für Aufsehen sorgt, finanziert, sagt Potzel. Auf 250 Plakaten in größeren Städten werden derzeit die Menschen aufgefordert, sich die Kirche zu sparen. Einige davon hängen in Trier. "Wir haben uns die Orte ausgesucht, in denen wir schon mal Veranstaltungen hatten", so Potzel, der angibt, auch Journalist zu sein. Zu den Mitgliedern von "Initiative Mahnmal" zählten sowohl Katholiken, Protestanten, Religionslose aber auch Anhänger der Sekte "Universelles Leben", gesteht Potzel. Ihm selbst wird vorgeworfen, Anhänger der umstrittenen, vor knapp 20 Jahren von der Würzburgerin Gabriele Wittek ("Sprachrohr Gottes") gegründeten Glaubensgemeinschaft zu sein. Bis zu 40 000 Mitglieder soll die Sekte mittlerweile in Deutschland haben, 100 000 sollen es weltweit sein. Allein im Raum Würzburg leben angeblich 3000 Mitglieder. Zu der Sekten-Gruppe gehören mehr als 100 Dienstleistungs- und Wirtschaftsbetriebe sowie Kapitalgesellschaften. Potzel ist jedenfalls kein ungeschriebenes Blatt. Er ist Herausgeber einer kirchenkritischen Zeitung. Im vergangenen Jahr wurde ihm gerichtlich untersagt, ein Flugblatt weiter zu verteilen, in dem er einen evangelischen Pfarrer beleidigt hatte, weil dieser sich öffentlich gegen "Universelles Leben" (UL) gewendet hatte. Mittlerweile warnen alle großen Kirchen vor der "Initiative Mahnmal" und ihrer Plakatkampagne, weil dahinter UL stehe. Laut dem Sektenbeauftragten des Bistums Trier, Matthias Neff, zeichnet sich "Universelles Leben" durch ein "Klima der Angst und des Terrors" gegenüber den Mitgliedern aus, die häufig wirtschaftlich ruiniert würden und schwere psychische Schäden davon trügen. Die Sekte sei eine in ihrer Konfliktträchtigkeit unterschätzte Gruppierung, so Neff. Der Zusammenhang zwischen der "Initiative Mahnmal" und UL sei zwar nicht so einfach nachzuweisen, doch gebe es eindeutige Belege dafür, so der Sektenbeauftragte. Die Initiative trete seit Jahren auch im Bistum Trier durch "hasserfüllte, antikirchliche Veranstaltungen und Publikationen" in Erscheinung. Genau wie "Universelles Leben", das sich als einzige wahre Religion versteht. Potzel weist die Vorwürfe als "billig" zurück. "Initiative Mahnmal" sei kein verlängerter Arm von UL, sie sei unabhängig. Neff empfiehlt, die Kampagne zu ignorieren und nicht auf die Forderungen einzugehen. In Düsseldorf sorgten die Plakate Mitte Juni bereits für einen Eklat. Nach Beschwerden von CDU-Ratsmitgliedern mussten sie aus einer U-Bahn-Haltestelle entfernt werden.