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Heinz Rethage ist nicht mehr Geschäftsführer des Flughafens Hahn

Mainz/Hahn. Der Betriebsfrieden zerrüttet, kein Vertrauen mehr zwischen Chef am Hunsrück-Flughafen Hahn und dem Betriebsrat: Deswegen scheidet der bisherige Geschäftsführer Heinz Rethage sofort aus dem Unternehmen aus. Doch er hat schon einen neuen Job - für die rot-grüne Landesregierung. Und am Hahn hat jetzt ein Mann allein das Sagen. Frank Giarra

Heinz Rethage scheidet mit sofortiger Wirkung aus der Geschäftsleitung des Flughafens Hahn aus. Der Gesellschafter, vertreten durch Innenminister Roger Lewentz (SPD), bot dem Manager einen Wechsel in sein Ministerium an, wo er Sonderaufgaben wahrnehmen wird, vor allem im Zusammenhang mit dem Flughafen.

Der Geschäftsführer ließ durch Lewentz eine Erklärung verlesen, wonach der Betriebsfrieden aus Rethages Sicht nachhaltig gestört war - ebenso wie sein Vertrauensverhältnis zum Aufsichtsrat des Hunsrück-Airports. Rethage sieht demnach auch seinen Auftrag als erfüllt an, da er ohnehin nur einen "Auftrag auf Zeit" am Hahn angenommen habe. Der Auftrag habe gelautet ein Sanierungskonzept zu entwerfen. Eben dieses sei bereits im Dezember im Aufsichtsrat verabschiedet worden.

Neuer alleiniger Geschäftsführer wird Markus Bunk. Er will sich überlegen, ob er diese Aufgabe auch langfristig allein stemmen kann. Darüber will er dann den Aufsichtsrat in Kenntnis setzen.

Hansgünter Oberrecht, Präsident der rheinland-pfälzischen Wirtschaftsprüferkammer, zugleich stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Hahn GmbH, erhält erweiterte Zuständigkeiten für die Bereiche Compliance erhalten und wird als Ansprechpartner für Beschwerden und mögliche Misstände im Unternehmen fungieren. "Es ist dringend erforderlich, die Mitarbeiter wieder einzufangen", sagte Oberrecht. Er wolle versuchen, eine Mission zu starten und die verfeindeten Lager miteinander zu versöhnen.

Rethage war vor zwei Jahren an die Spitze des landeseigenen Flughafens gerückt. Er sollte den Flughafen sanieren und in die schwarzen Zahlen führen. Zuletzt hatte er den Aufsichtsrat immer wieder mit Alleingängen düpiert. Es galt als offenes Geheimnis, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Aufsichtsratschef Salvatore Barbaro (SPD) und ihm als gestört galt. Insgesamt standen zuletzt sechs Vorwürfe gegen Rethage im Raum.

Hier ein Überblick:

Vorwurf 1: Rethage soll sich unrechtmäßig Informationen beschafft und den Hahn-Betriebsrat bei dessen Arbeit behindert oder gestört haben. Die Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach ermittelt diesbezüglich, wie die Behörde auf Volksfreund-Anfrage mitteilt.

Vorwurf 2: Rethage soll dem Aufsichtsrat wichtige Unterlagen bewusst vorenthalten haben. So erfuhr das Gremium von einer E-Mail und einem Schreiben in Bezug auf die Firma SSD, die für die Passagierabfertigung zuständig ist, im April erst aus der Zeitung. Der Hahn-Chef hatte die Informationen schon seit Anfang Dezember. Der Anweisung der Kontrolleure, alle Dokumente im Zusammenhang mit der SSD den Wirtschaftsprüfern von Dornbach und Partner vorzulegen, wurde ebenfalls nicht gefolgt. Anfang April stellte sich dann heraus, dass ein Hahn-Mitarbeiter noch Unterlagen zu Hause aufbewahrt hatte.

Vorwurf 3: Heinz Rethage soll seine E-Mails nachträglich von Hahn-Mitarbeitern manipulieren und als ungelesen dargestellt haben lassen. Dafür gibt es angeblich Zeugen. Weder die Staatsanwaltschaft Koblenz noch die in Bad Kreuznach befassen sich allerdings bislang damit, heißt es auf Volksfreund-Anfrage.

Vorwurf 4: Das Verhältnis des Hahn-Geschäftsführers zu Teilen der Belegschaft ist belastet, vor allem das zum Betriebsrat, der Strafanzeige gestellt hatte. Es gibt allerdings auch Befürworter.

Vorwurf 5: Heinz Rethage soll zur Fahrt in den Urlaub in der Hahn-Werkstatt einen Fahrradträger auf seinem Dienstwagen montieren lassen haben.

Vorwurf 6: Rethages Vorgänger Jörg Schumacher, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue ermittelt, bezichtigt seinerseits Rethage der Untreue und hat Strafanzeige gestellt. Der Vorwurf: Wenn der Vertrag des Flughafens mit der Firma SSD über die Passagierabfertigung für den Hahn so nachteilhaft sei, wie Rethage behaupte, hätte er ihn kündigen müssen, um Schaden abzuwenden. Das sei jederzeit mit Sechs-Monats-Frist möglich gewesen. Im Übrigen habe Rethage verschwiegen, dass das komplexe Vertragswerk etliche Punkte enthalte und dem Flughafen unterm Strich bis zu 400 000 Euro Vorteil bringe.

Anerkannt werden allgemein Rethages Bemühungen um eine Neustrukturierung des Flughafens. Ein von ihm entworfener Sanierungsplan, der Kostensenkungen durch Stellenabbau und Steigerungen der Erlöse vorsieht, ist einmütig beschlossen worden.

Dass der Hahn-Chef Unregelmäßigkeiten nachspürt und damit die Staatsanwaltschaft Koblenz alarmiert hat, die wegen des Verdachts der Untreue oder der Beihilfe gegen sieben Beschuldigte ermittelt, wird ebenfalls wohlwollend registriert. "Er dreht jeden Stein um", lobt Grünen-Fraktionschef Daniel Köbler.

Sein Eifer und seine Rücksichtslosigkeit sind dem Geschäftsführer aber am Ende zum Verhängnis geworden. Alle Parteien im Landtag beklagten den zerstörten Betriebsfrieden und die ständige Unruhe am Flughafen, was maßgeblich Heinz Rethage angelastet wird. FDP-Chef Volker Wissing und CDU-Fraktionsvize Alexander Licht fragten, ob ein Manager, der E-Mails nicht lese, also seine Korrespondenz nicht beherrsche, der richtige Mann für die Geschäftsführung sei.