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Verbände
Hotel- und Gaststättenverband: Misstöne vor dem großen Festakt

„Ich brenne für die Branche“, sagt Dehoga-Präsident Gereon Haumann.
„Ich brenne für die Branche“, sagt Dehoga-Präsident Gereon Haumann. FOTO: Medienhaus Trierischer Volksfreund / Roland Morgen
Trier/Bad Kreuznach. Die Amtszeit von Dehoga-Präsident Gereon Haumann soll vorzeitig um acht Jahre verlängert werden. Das finden nicht alle Kreisverbände gut. Von Rolf Seydewitz

Am Dienstag nächster Woche gibt sich die rheinland-pfälzische Politikprominenz in Bad Kreuznach die Klinke in die Hand. Nach 15-monatiger Bauzeit weiht der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga seine schmucke neue Geschäftsstelle ein. Zum Festakt und anschließenden Sommerfest werden viele Hundert Gäste erwartet, darunter auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Volker Wissing. „Erleben Sie in geselliger Runde die rheinland-pfälzische Gastlichkeit (...) bei bester Stimmung“, heißt es in der Einladung.

Nicht auszuschließen, dass die gute Stimmung an diesem Tag bei einigen etwas getrübt werden könnte. Denn vor dem Fest ist in der neuen Geschäftsstelle ein Delegiertentag angesetzt. Unter Punkt zehn der Tagesordnung geht es um die Verlängerung der Wahlperiode von Dehoga-Präsident Gereon Haumann um weitere acht Jahre. Was auf den ersten Blick harmlos klingt, sorgt verbandsintern seit Tagen für Zoff. Denn längst nicht alle 32 Kreisverbände sind mit dem Tagesordnungspunkt zufrieden. Bernkastel-Wittlich und Trier-Saarburg haben nach Informationen unserer Zeitung vor einiger Zeit beantragt, den Punkt zu streichen und ein anderes Mal zu behandeln.

Zeit dafür wäre genug, denn die Amtszeit von Dehoga-Präsident Gereon Haumann endet regulär ohnehin erst in drei Jahren. Der jetzt vorgelegte Beschlussvorschlag sieht vor, die Amtszeit Haumanns vorzeitig um weitere acht Jahre zu verlängern. Wird die Sache von den rund 100 Dehoga-Delegierten mehrheitlich so abgesegnet, wäre der jetzt 52-jährige Hotelier bis 2029 im Amt.

Doch noch liegt eben der Antrag vor, den Tagesordnungspunkt zu verschieben. Das ist einigen Mitgliedern im Dehoga-Präsidium angeblich ein Dorn im Auge. So sollen mehrere Mitglieder der Dehoga-Vorstände Bernkastel-Wittlich und Trier-Saarburg aufgefordert worden sein, den Vertagungsantrag zurückzuziehen, um das „Bild der Geschlossenheit“ an diesem Tag nur ja nicht zu stören. Das haben mehrere Dehoga-Funktionäre unserer Zeitung bestätigt. Namentlich dazu stehen will niemand.

Auch die beiden Kreisvorsitzenden Manfred Schmitz (Bernkastel-Wittlich) und Markus Schröder (Trier-Saarburg) wollten sich auf Anfrage unserer Zeitung nicht äußern. Dabei hat Trier-Saarburg inzwischen eine Rolle rückwärts hingelegt und seinen Antrag zurückgezogen. Man will am Dienstag in Bad Kreuznach nun doch nicht für eine Vertagung stimmen. Offiziell bestätigen will das niemand.

Der mitgliederstarke Kreisverband Bernkastel-Wittlich aber scheint an seinem Antrag festzuhalten. Bleibt es dabei, werden die Dehoga-Delegierten am Dienstag zunächst über eine mögliche Vertagung abstimmen müssen. Gibt es dafür keine Mehrheit, ist die Abstimmung über die vorzeitige Dienstzeitverlängerung für Dehoga-Präsident Haumann wohl reine Formsache.

Der gebürtige Kölner steht seit 2009 an der Spitze des rheinland-pfälzischen Gaststättenverbands. Selbst Kritiker bescheinigen dem Diplom-Kaufmann, dass er aus einem „einflusslosen, unstrukturierten Laden einen schlagkräftigen, gut organisierten Verband“ gemacht habe, wie es ein ehemaliger Funktionär formuliert. Haumann sei ein „Hans Dampf in allen Gassen“, „er verschafft der Dehoga Gehör und wird überall ernstgenommen“, sagt ein anderer. Dafür werde der 52-Jährige auch äußerst gut entlohnt, meinen Insider, die die Zahlen kennen. Gereon Haumann ist bundesweit der einzige Dehoga-Vollzeitpräsident; seine Kollegen aus anderen Landesverbänden machen den Präsidentenjob – wie Haumann bis vor fünf Jahren – nur nebenbei.

Er habe „kein Problem mit dem Vertagungsantrag“, kommentierte Haumann am Donnerstag im Gespräch mit unserer Zeitung die Diskussionen. Er wundere sich allerdings, dass der Kreisverband Bernkastel-Wittlich seit März alle Wünsche nach einer gemeinsamen Vorstandssitzung abgelehnt habe. Damals hätten das Präsidium und alle Kreisvorsitzenden einhellig den Wunsch geäußert, ihn, Haumann, langfristig an den Verband zu binden. Daraus sei der Vorschlag über eine vorzeitige Dienstzeitverlängerung entstanden, über den jetzt abgestimmt werde. Laut Haumann kann der Präsident gemäß Satzung zudem jederzeit seines Amtes enthoben werden – wenn zwei Drittel der Delegierten der Meinung seien, dass er abgesetzt gehöre. Dann stehe ihm auch kein Geld mehr zu.

Schon in der Vergangenheit ging es für den Gastro-Funktionär nicht immer nur bergauf. Vor drei Jahren scheiterte Gereo Haumann klar bei dem Versuch, Präsident des Dehoga-Bundesverbands zu werden. Drei Jahre zuvor wollte er Bundesvorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung werden, zog aber seine Bewerbung zurück, weil er gegen Mitbewerber Carsten Linnemann keine Chancen hatte.