| 08:01 Uhr

Trauer
Immer mehr Bedürftigen fehlt das Geld fürs letzte Hemd

Ein kleiner Engel auf einem Grab, aufgenommen am 13.11.2017 auf dem Hauptfriedhof in Frankfurt (Oder) (Brandenburg).
Ein kleiner Engel auf einem Grab, aufgenommen am 13.11.2017 auf dem Hauptfriedhof in Frankfurt (Oder) (Brandenburg). FOTO: Patrick Pleul / dpa
Trier. Bundesweit steigt die Zahl der Armen- und Sozialbestattungen. Der Trend zu neuen Begräbnisformen je nach Geldbeutel zeigt sich auch in der Region. Von Sabine Schwadorf
Sabine Schwadorf

Die Ordnungs- und Sozialämter der Kommunen müssen immer häufiger für die Kosten von Bestattungen einspringen, weil Verstorbene zu arm oder Hinterbliebene finanziell überfordert sind. Laut dem Statistischen Bundesamt haben die Behörden im Jahr 2015 rund 23 400 Mal Kosten erstattet, in 10 000 Fällen mehr als noch zehn Jahre zuvor (Plus 64 Prozent). Die Ausgaben beliefen sich dabei auf gut 62 Millionen Euro, mehr als 20 Millionen mehr als noch 2006.

Besonders auffällig sind in der Region Trier die Zahlen fürs Oberzentrum Trier, wo sich die Armenbegräbnisse – kein Vermögen und keine Hinterbliebenen – in 15 Jahren bis ins Jahr 2016 nahezu verfünffacht haben. Im Fall der Sozialbestattungen und der finanziellen Unterstützung von Angehörigen ist die Zahl im selben Zeitraum von 40 auf 66 Fälle gestiegen. 

Insgesamt ist ein Vergleich der Zahlen in der Region Trier schwierig, wie eine Abfrage bei den Kommunen zeigt. In der Stadt Bitburg reicht die Bestattungsstatistik für solche Fälle nur bis ins Jahr 2009 zurück, im Kreis Bernkastel-Wittlich sind 19 von insgesamt 41 Fällen noch nicht verjährt und damit nicht abschließend bearbeitet. Hinzu kommt, dass jede Kommune ihre Regeln für Sozialbestattungen selbst beschließt und es keine bundeseinheitlichen Standards für Sozial- und Armenbestattungen gibt, wie die Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas bemängelt. Dennoch leugnet niemand die „steigende Zahl an Begräbnissen von Menschen am Rand der Gesellschaft“, wie Guido Eis aus Wittlich, Vorstandsmitglied im Bestatterverband Rheinland-Pfalz, festhält. „Es gibt sowohl mehr Sozialbestattungen als auch anonyme Armenbegräbnisse, die in der Hierarchie auch bei den Bestattungsunternehmen zwei Stufen tiefer liegen und schon in Richtung ‚Entsorgung` gehen“, sagt er. Die Gründe dafür bestehen einerseits im Wegfall des Sterbegeldes durch die Krankenkassen nach 2004. Andererseits steigt die Altersarmut. So stellt etwa der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Trier  für die Region fest, dass insgesamt gut 36 000 Menschen gefährdet sind, im Alter in die Grundsicherung und damit die Abhängigkeit vom Sozialamt zu fallen.

Hinzu kommt: „Viele Menschen in Seniorenheimen haben Angst, dass jemand auch nach ihrem Tod noch über sie bestimmt“, weiß Caroline Klasen vom Betreuungsverein Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) in Trier. Dabei hätten die Menschen mehr Mitbestimmungsrechte als sie oft meinten – und das beziehe sich auch auf die Bestattung. „So individuell wie das Leben ist, so individuell sind die Bestattungsformen.“

Mehr zum Thema:

  • Auf Friedhöfen hat sich viel verändert.
  • Trotz Trauer und Schmerz müssen Angehörige einen kühlen Kopf bewahren, wenn ein Mensch bestattet werden soll.