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Jugendschutz
Alkohol, Glücksspiel, Tabak: Jugendliche Testkäufer unterwegs

FOTO: dpa / Florian Gaertner
Trier/Mainz/Longuich. Trierer Landesbehörde und Kommunen setzen minderjährige Lockvögel ein. Manchmal müssen Betriebe selbst dann zahlen, wenn sie nichts falsch gemacht haben. Von Florian Schlecht
Florian Schlecht

Anna-Maria Jakobs fühlt sich immer noch überrumpelt, wenn sie die Geschichte von dem jungen Mann erzählt, der in ihrem Gasthaus in Longuich (Kreis Trier-Saarburg) am Glücksspielautomaten zocken wollte. Die 61-Jährige fragte den Gast, den sie nie zuvor gesehen hatte, nach dem Ausweis. Weil der Mann die Papiere angeblich vergessen hatte, durfte er nicht am Automaten spielen. Monate später landete ein Brief der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier bei der Wirtin. Sie sollte 100 Euro für die Kontrolle zahlen, weil der junge Mann ein 17-jähriger Testkäufer war, und obwohl sie alles richtig gemacht hatte.

„Wir fühlen uns von der ADD hinter das Licht geführt“, sagt Gereon Haumann, Landeschef des rheinland-pfälzischen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, der es kritisiert, Kosten von Kontrollen auf Wirte abzuwälzen, wie in einem Gebührenverzeichnis des Landes steht. Ohnehin sperrt sich Haumann dagegen, wenn minderjährige Lockvögel testen sollen, ob Wirte die Jugendschutzregeln einhalten.

Doch das ist bereits Alltag. 128 200 Euro sieht der Landeshaushalt in diesem Jahr für Testkäufe vor, die die ADD bei Glücksspielkontrollen verantwortet – wie in Spielhallen, Lottostellen oder Gaststätten. Dabei beauftrage die Trier Behörde externe Firmen mit den Kontrollen, sagt Nadja Wierzejewski, Referentin für Glücksspiel bei der ADD, auf Anfrage des Trierischen Volksfreunds.

277 Testkäufe gab es im vergangenen Jahr alleine in rheinland-pfälzischen Gaststätten, Verstöße kosten oft mehrere Hundert Euro. In mehr als 30 Prozent der Kontrollen verstießen Gaststätten bei jüngsten Kontrollen gegen die Regel, wonach Glücksspiel für junge Menschen unter 18 Jahre tabu ist. Wierzejeweski sieht besonders Teenager gefährdet, vom Spielautomaten süchtig zu werden. Nach einer Studie der Ambulanz für Spielsucht in Mainz aus dem Jahr 2011 werden im Land mehr als 13 000 Kinder und Jugendliche als problematisch oder gefährdet eingestuft, wenn es um Spielsucht geht.

Jugendliche Lockvögel setzt auch manche Kommune in der Region ein, die Jugendschutz bei Alkohol- und Tabakverkauf kontrolliert. In Trier organisiert das Haus des Jugendrechts Testkäufe, bei denen minderjährige Azubis von Stadt und Polizei eingesetzt werden. Der Vulkaneifelkreis setzte bereits eigene Auszubildende ein, um Zigaretten zu kaufen. Bitburg-Prüm, Bernkastel-Wittlich und Trier-Saarburg verzichten auf Lockvögel. Darüber hinaus prüfen kommunale Ämter mit erfahrenen Mitarbeitern bei Großveranstaltungen oder in Gaststätten. Im Kreis Trier-Saarburg fanden Kontrolleure dabei mal eine 15-Jährige um 1.30 Uhr mit 1,1 Promille an. Eklatante Verstöße gegen den Jugendschutz liegen den Kommunen sonst bei den Kontrollen kaum vor.

Anders als bei den Kontrollen der ADD müssen besuchte Unternehmen nichts zahlen, wenn sie alles richtig machen. Der CDU-Landtagsabgeordnete Arnold Schmitt aus Riol kritisiert, dass Gaststättenbetreiber drangsaliert würden.