| 20:24 Uhr

Gesundheit
In der Region fehlt es an Intensivpflegern

Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz, will eine bessere Bezahlung von Pflegekräften in der häuslichen Intensivpflege erreichen.
Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz, will eine bessere Bezahlung von Pflegekräften in der häuslichen Intensivpflege erreichen. FOTO: Clemens Hess Fotografie / Landespflegekammer Rheinland-Pfalz
Trier/Bitburg/Mainz. Die Landespflegekammer fordert einen Mindestlohn für Kräfte, die Schwerstkranke häuslich 24 Stunden betreuen. Von Florian Schlecht
Florian Schlecht

Liegt ein Pflegebedürftiger daheim im Wachkoma oder braucht Unterstützung bei der Beatmung, müssen ausgebildete Kräfte rund um die Uhr parat stehen. Doch die häusliche Intensivpflege, wie sie genannt wird, steckt in der Krise. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer, nennt gerade die Versorgung im Raum Trier und der Eifel „kritisch“, weil es an Geld und an Personal fehle. Mai sucht nun die Offensive, indem er eine Landesrahmenvereinbarung fordert, die bessere Bezahlung in der ambulanten Intensivpflege schaffen soll: Eine solche soll nach seinem Wunsch einen Satz für Pflegekräfte festlegen, der 35 Euro pro Stunde nicht unterschreiten dürfe.

Mai will schlechter Bezahlung für Pfleger einen Riegel vorschieben. Alarmiert ist er von Medienrecherchen, die von betrügerischen Diensten in Bayern berichten. Der Bayerische Rundfunk fand vor wenigen Wochen heraus, dass mancher private Anbieter unqualifiziertes Personal in der häuslichen Intensivpflege eingesetzt haben soll, oft auf Kosten von Schwerkranken.

Eine ähnliche Entwicklung will Mai in Rheinland-Pfalz nicht ausschließen, auch wenn ihm keine konkreten Fälle bekannt seien. Er sagt aber: „Wir leben in keinem Bundesland, das geschützt ist von einer Mauer, an der alles Böse abprallt.“

Die rheinland-pfälzische Pflegegesellschaft hält den Einsatz nichtausgebildeter Kräfte in der 24-Stunden-Betreuung dagegen für ausgeschlossen. Den Vorstoß der Landespflegekammmer verwirft Geschäftsführer Sebastian Rutten dagegen nicht. Aushandeln müssten Vergütungen aber die Partner. Die Techniker Krankenkasse warnt dagegen vor, dass Mindeststundenlöhne „Intransparenz“ zur Folge hätten.

Elisabeth Schuh vom Trierer Verein Nestwärme befürwortet den Vorstoß, für Intensivpfleger im Land gemeinschaftlich eine bessere Bezahlung anzugehen. In der 24-Stunden-Intensivpflege kennt der gemeinnützige Verein sich aus, 20 Kinder betreut die Nestwärme derzeit in der ganzen Region. Die Vorsitzende Petra Moske warnt aber davor, dass „mafiöse Strukturen dazu führen, alle über einen Kamm zu scheren“. Der Verein hadert derzeit mit einer strengeren Richtlinie, die für Intensivpfleger die Weiterbildung in Atemtheraphie zur Pflicht macht (der TV berichtete). Das gefährde die Versorgung schwerstkranker Kinder in der Region, weil es ohnehin schon an nötigen Kräften fehle, sagt Moske. Die 24-Stunden-Betreuung eines Kindes brauche alleine 5,5 Vollzeitstellen, die beim Trierer Verein examinierte Pflegekräfte ausfüllten. Im vergangenen Jahr habe Nestwärme schon wegen des Fachkräftemangels nicht mal die Hälfte von gut 80 Familien-Anträgen bedienen können. Mai will sich bald selber ein Bild in Trier machen – und landesweit mit allen Partnern Licht ins Dunkel der häuslichen Intensivpflege bringen. Denn im Land fehle es an Zahlen, wie viele Schwerstkranke überhaupt von wie vielen ambulanten Pflegediensten 24 Stunden am Tag behandelt würden, stellt er fest. „Das darf nicht so bleiben.“