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Verkehr
Je früher hinterm Steuer, desto besser

FOTO: dpa / Swen Pförtner
Trier. Das begleitete Fahren mit 17 verhindert Unfälle, sagen Experten. Daher sollen auch 16-Jährige schon fahren dürfen.

8,4 Monate – länger fahren 17-Jährige nicht in Begleitung eines Erwachsenen. Das hat der Deutsche Verkehrssicherheitsrat herausgefunden. Nur ungefähr ein Viertel der Jugendlichen schaffe es überhaupt, die maximale Begleitzeit von zwölf Monaten auszunutzen. Im Schnitt erhielten sie die Fahrerlaubnis erst 4,6 Monate nach dem 17. Geburtstag. Viele Jugendliche würden sogar noch deutlich später fertig und wiesen damit noch deutlich kürzere Begleitzeiten auf, fand der Verein, der sich für die Sicherheit auf deutschen Straßen einsetzt, heraus. Einige fallen auch schlicht durch die Prüfung durch und machen erst mit 18 wieder einen Neuanlauf.

Der häufigste Grund, warum die Jugendlichen es nicht schaffen, rechtzeitig die Prüfung zu machen, seien Probleme mit dem Zeitmanagement – etwa wegen schulischen und beruflichen Veränderungen. Dabei trage ein möglichst langes begleitetes Fahren mit zur Sicherheit bei, heißt es in einem Positionspapier des Vereins, der sich wie auch die Verkehrsminister der Länder für ein Modellprojekt begleitetes Fahren mit 16 ausspricht. „Eine Verlängerung der Begleitphase durch einen früheren Erwerb der Fahrerlaubnis würde allen Jugendlichen ein längeres und wirkungsvolleres begleitetes Fahren ermöglichen.“ Experten sind sich einig: Wer zunächst in Begleitung eines Erwachsenen fahren darf, fährt besonnener und baut später, wenn er alleine fährt, weniger Unfälle.

Laut Studien verursachen junge Erwachsene, die ihre erste Fahrpraxis im Beisein eines Erwachsenen gesammelt haben, zwischen 20 und 30 Prozent weniger Unfälle als Führerscheinneulinge, die direkt selbstständig fahren. Und die, die begleitetes Fahren nutzen, sind sicherer unterwegs, machen weniger Fehler im Verkehr, heißt es in einer Studie. „Je länger die Teilnahme am begleiteten Fahren, desto größer auch der Erfolg“, sagt auch Joachim Einig, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Rheinland in Koblenz.

Mehr Verkehrssicherheit, weniger Unfälle von Fahranfängern, das war auch die Motivation, 2011 bundesweit das begleitete Fahren ab 17 einzuführen. Zuvor war es sieben Jahre in einem Modellprojekt in Niedersachsen getestet worden. Seitdem ist die Zahl der Teilnehmer kontinuierlich gestiegen. Das zeigt sich auch im Kreis Trier-Saarburg. Im vergangenen Jahr nahmen 1099 17-Jährige am begleiteten Fahren teil, ein Jahr zuvor waren es knapp über 1000. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm stieg die Zahl von 488 in 2016 auf 694 im vergangenen Jahr. In Trier machte immerhin ein Drittel der 17-Jährigen von dem Angebot Gebrauch. Laut Verkehrssicherheitsrat zeigten Umfragen, dass gut die Hälfte der Teilnehmer am begleiteten Fahren mit 17 auch Interesse hätte,  bereits früher das Angebot zu nutzen.

Das hat Schleswig-Holstein dazu bewogen, ein Modellprojekt zu beantragen. Auch der rheinland-pfälzische Verkehrsstaatssekretär Andy Becht (FDP) ist für einen solchen Versuch. „Dies erhöht die Verkehrssicherheit – und darum muss es uns gehen“, sagte Becht kürzlich. Die Verkehrsminister der Länder wollen nun prüfen, ob  ein solches Projekt auch in anderen Bundesländern möglich ist.