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Jeder Neunte in der Region verdient sich nebenbei etwas dazu

Trier. Die Zahl der Menschen, die neben ihrer normalen Arbeit noch einen Minijob hat, ist in der Region Trier binnen zehn Jahren drastisch gestiegen. Gewerkschaften sehen dies als deutliches Zeichen dafür, dass die Löhne zu niedrig sind. Katharina Hammermann

Nach der Arbeit ist für viele vor der Arbeit: Eine Auswertung von Daten der Arbeitsagenturen zeigt, dass immer mehr Berufstätige nicht nur ihrem Hauptberuf nachgehen, sondern daneben noch einen Minijob haben. Ihre Zahl ist in Rheinland-Pfalz in den vergangenen zehn Jahren von 57.000 auf 136.000 gestiegen - und damit um mehr als 130 Prozent. Diese Zahlen stammen aus einer Untersuchung zu "Veränderungen der Arbeitswelt", die die Gewerkschaften Verdi und Nahrung-Genuss-Gaststätten in Auftrag gegeben hatten. In der Region Trier arbeiten derzeit demnach etwa 17.600 "Multi-Jobber". Das ist jeder neunte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, von denen es in der Region 160.000 gibt. 2003 waren es noch 7400 Multi-Jobber gewesen.

Die Gewerkschaften gehen davon aus, dass die Betroffenen mit dem Geld, das sie in ihrem Hauptjob verdienen, nicht auskommen. Deshalb müssten sie auf einen oder mehrere Nebenjobs ausweichen, um überhaupt noch über die Runden zu kommen. "Aus der puren Lust an einer 55- oder 60-Stunden-Woche macht das jedenfalls keiner", sagt der Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Trier, Detlef Schieben, und fordert einen flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro.

Er macht für das "Multi-Jobben" vor allem Niedriglöhne verantwortlich. Das würde zu Zahlen des Deutschen Gewerkschaftsbunds passen, der die Region Ende 2012 als Niedriglohngebiet identifiziert hatte. Demnach verdient der Durchschnitts-Vollzeitbeschäftigte in der Region mit gut 2500 Euro etwa 180 Euro weniger als im Landesschnitt üblich und etwa 300 Euro weniger als im Durchschnitt in den alten Bundesländern.

Grundlegend anders stellt sich die Situation für Gereon Haumann dar, den Präsidenten des Hotel- und Gaststättenverbands. Diese Jobs seien kein Fluch, sondern ein Segen. "Wir haben hier einfach sehr fleißige Menschen, die den Minijob nutzen, um nebenbei Geld für einen Urlaub, ein Häuschen oder ein Auto zu verdienen", sagt er. Für das Gastgewerbe, das viele Minijobber beschäftigt, seien sie unverzichtbar, um auf saisonale Arbeitsspitzen reagieren zu können.

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