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Katholische Kirche will Missbrauchsopfer entschädigen - Bis zu 5000 Euro möglich

Trier. Die deutschen Bischöfe schließen bei der Entschädigung von Missbrauchsopfern offenbar einen Alleingang nicht mehr aus. Als wahrscheinlich gilt, dass sich die katholischen Kirche am Angebot des Jesuitenordens orientiert. Dann bekäme jedes Opfer etwa 5000 Euro.

(sey) Ende April will der von der Bundesregierung eingerichtete Runde Tisch zum Thema Kindesmissbrauch seinen Abschlussbericht vorstellen. Darin sollen nach Angaben der Missbrauchsbeauftragten Christine Bergmann (SPD) auch Empfehlungen zu finanziellen Hilfen für die Opfer stehen. Den betroffenen Institutionen stehe es aber frei, "mit gutem Beispiel voranzugehen und eigene Regeln für die Entschädigung aufzustellen", so Bergmann.

Genau das ist offenbar der Plan der deutschen Bischöfe. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann (47) macht keinen Hehl daraus, dass er an einen gemeinsamen Vorschlag der am Runden Tisch beteiligten Organisationen nicht mehr glaubt. "Es wird schwieriger, eine Verbundlösung mit allen Partnern hinzubekommen", sagte er im Vorfeld eines Treffens der deutschen Bischöfe. Unklar ist allerdings noch, ob sich die 27 Bischöfe am Montag untereinander verständigt haben. Diskutiert wurde angeblich über ein Entschädigungsangebot ähnlich dem des Jesuitenordens. Dies soll sich auf insgesamt eine Million Euro für die 205 namentlich bekannten Opfer belaufen. Heißt: etwa 5000 Euro pro Missbrauchsopfer.

Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht. Bischofssprecher Stephan Kronenburg sagte dem TV, im aktuellen Haushalt des Bistums seien keine Gelder für Entschädigungszahlungen eingeplant. Es gelte aber die Ansage: "Kirchensteuereinnahmen sollen dafür nicht angefasst werden."

Unklar ist, wie viele Missbrauchsopfer Ansprüche geltend machen könnten. Laut Sprecher Stephan Kronenburg gab es im Bistum Trier seit Mitte der 50er Jahre 34 Priester und einen Laienmitarbeiter, die Kinder und Jugendliche missbraucht hätten.

Bei der Staatsanwaltschaft gingen insgesamt neun Anzeigen gegen Priester und andere Kirchenmitarbeiter ein. Aktuell werde in Trier nur noch gegen einen Obermessdiener aus der Eifel ermittelt, sagt Chef-Staatsanwalt Jürgen Brauer.