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Rheinland-Pfalz
Kultursommer 2018: Land leuchtet die Industrialisierung aus

Die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts ist Schwerpunktthema des Kultursommers. Das hängt auch mit Karl Marx’ 200. Geburtstag zusammen.
Die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts ist Schwerpunktthema des Kultursommers. Das hängt auch mit Karl Marx’ 200. Geburtstag zusammen. FOTO: Manuel Ocaña Mascaró
Trier/Bitburg/Mainz. Der Kultursommer 2018 widmet sich dem Zeitalter, als die Welt sich wandelte. Die Veranstaltungen führen auch in der Region in historische Stätten, in denen kräftig geschafft wurde. Von Florian Schlecht
Florian Schlecht

Wir schreiben das Jahr 1848. Karl Marx schreibt das Kommunistische Manifest, in Trier steht eine Färberei, Arbeiter fertigen Wolltücher in Moselorten. Die Industrialisierung ist im vollen Gang. Sie verändert, wie Menschen arbeiten, leben, denken, schreiben und singen. 2018 will Rheinland-Pfalz im Kultursommer der Frage auf den Grund gehen, wie die Industrialisierung das kreative Schaffen verändert hat. Das Land fördert 200 Veranstaltungen mit insgesamt 3,7 Millionen Euro.

Oft führen die Reisen in Monumente der alten Industrien, in die Tuchfabrik in Trier oder die alte Glockengießerei in Saarburg. Und natürlich führt kein Weg an Karl Marx vorbei, der mit seinem 200. Geburtstag ein Grund dafür ist, das Zeitalter der Industrialisierung zu beleuchten. Besonders in Trier stehen die großen Veranstaltungen, die der Kultursommer fördert, im Zeichen des Philosophen: von den großen Ausstellungen in den Museen bis zur Karl-Marx-Revue in der Tuchfabrik  vom 2. Juni bis 8. September.

Auch das Mosel-Musikfestival geht auf Marx ein. Aber nicht nur. Die Veranstaltungsreihe, die ab dem 13. Juli läuft, will auch zeigen, wie Komponisten sich in den vergangenen 200 Jahren antrieben ließen vom Streben nach Fortschritt. Einer der Veranstaltungsorte ist die alte Maschinenhalle des Dhronkraftwerks in Leiwen (Kreis Trier-Saarburg), in der Saarburger Glockengießerei tritt ein finnisches Quartett auf. Das ist Industrialisierung pur. Das Land fördert aber auch über das Zeitalter hinaus weitere kulturelle Zugpferde in der Region, wie in der Eifel die Kulturtage (7. April bis 21. Oktober) und das Literaturfestival (6. April bis Oktober), für das sich mit Swetlana Alexijewitsch die Nobelpreisträgerin von 2015 angekündigt hat. Im Hunsrück gibt es in Simmern erstmals ein Festival von Kulturschaffenden (16. Juni bis 28. Oktober), die ihre alte Heimat einst verließen, außerhalb reiften und nun eine neue Bühne erhalten. „Der Hunsrück kann kulturell noch was vertragen“, sagt Jürgen Hardeck, Geschäftsführer des Kultursommers. Auch sonst ist das Land den Veranstaltern in diesem Jahr entgegen gekommen. Wo der Kultursommer sonst oft schon Anfang Oktober endete, läuft er diesmal bis Ende des Monats, um die Sommermonate „zu entzerren“, wie Hardeck sagt. Geschuldet ist das auch der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland, die im Sommer viele Menschen an die Bildschirme binden dürfte. Und dem wachsenden Wunsch von Touristikern, außer­halb der gängigen Saison noch mit kulturellen Angeboten wuchern zu können.c

700 000 Besucher sollen zu den Veranstaltungen strömen. Kulturminister Konrad Wolf (SPD) zeigt sich zufrieden mit dem Programm. Er freut sich: „Wir haben viele Kulturschaffende, die Herzblut einbringen, Bewährtes fortführen, weiterentwickeln und neue Formate schaffen.“

Eröffnet wird der Kultursommer am letzten April-Wochenende in Neuwied mit einem dreitägigen Kulturfest. Zu den Höhepunkten zählen landesweit auch die Nibelungen-Festspiele in Worms (20. Juli bis 5. August) und die Burgfestspiele in Mayen (27. Mai bis 25. August)