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Lehrstück

So kann's gehen. Da werden die übelsten Folgen des Weinhandelsabkommens zwischen EU und USA in schillernden Farben ausgemalt, und am Ende wird alles nicht einmal halb so schlimm. Sollten sich Skeptiker in Zukunft also mit ihren Befürchtungen zurückhalten und die Folgen von Entscheidungen erst einmal abwarten? Auf keinen Fall! Allzu oft nämlich liegen die Dinge genau umgekehrt: Politische Entscheidungen finden im Vorfeld wenig Interesse, und erst nach ihrer Umsetzung werden die Auswirkungen allmählich klar. Man denke nur an die Ausgaben-Lawine, die die angeblich Kosten sparenden Hartz-IV-Gesetze losgetreten haben. Lehrreich ist der "Fall Weinhandelsabkommen" dennoch - als Erinnerung an die alte Volksweisheit, dass nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird. Als Mahnung, bei aller Kritik Maß zu halten und sich nicht in Negativ-Szenarien hineinzusteigern. Eine Haltung, das sei selbstkritisch angemerkt, die auch die Medien bisweilen allzu schnell verlieren.An dieser Stelle deshalb ein positiver Ausblick: Selbst, wenn in den kommenden Monaten doch noch verstärkt Kunstweine aus den Vereinigten Staaten eingeführt werden, dürften sie Deutschlands Winzer kaum treffen: US-Weine werden sich überwiegend im Niedrig-Preis-Sektor bewegen und den meist hochwertigen deutschen Weinen damit kaum Konkurrenz machen.

i.kreutz@volksfreund.de