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Leidenschaftlich, einfühlsam, hoch geachtet: Der große Trierer Journalist Dieter Lintz ist tot – Ein Nachruf von Chefredakteurin Isabell Funk

Dieter Lintz (1959-2014)
Dieter Lintz (1959-2014) FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Er war das Gesicht des Trierischen Volksfreunds und ein journalistisches Ausnahmetalent. Am Samstagabend ist Dieter Lintz überraschend gestorben. Er wurde nur 55 Jahre alt. Isabell Funk

Wenn ein Bild auf ihn zutrifft, dann ist es das vom Hans Dampf in allen Gassen. Dieter Lintz war einfach an allem interessiert. Selbst scheinbar unbedeutenden Meldungen entlockte er überraschende Geschichten. Seine Serien, seine einfühlsamen Porträts, seine satirischen Kolumnen strotzten vor Leben und der Freude am Umgang mit Menschen: mit den gesunden, den kranken, den bedeutenden, den kreativen und denen, die keine Fürsprecher haben. Besonders für sie setzte er sich weit über seine journalistische Profession hinaus ein. So war er maßgeblich beteiligt an Aufbau, Umsetzung und Betreuung der Hilfsaktion des Trierischen Volksfreunds, ,,Meine Hilfe zählt". Diese Leser-Spenden-Aktion hat mittlerweile bereits weit über eine Million Euro für soziale Zwecke eingespielt. Einen von vielen Journalistenpreisen erhielt er beispielsweise auch von der Bezirksärztekammer Trier für sein vorausgegangenes Engagement für den Hospizverein.

Journalisten sind gewöhnlich nicht beliebt. Sie sind die Überbringer der schlechten Nachricht, sie müssen den Finger in die Wunde legen. Dieter Lintz war ein herausragender Journalist - und beliebt. Wenn er kritisierte, dann tat er es, ohne zu verletzen. Er war ehrlich, ohne zu brüskieren. Er war ein Nachdenklicher, der niemals aus der Hüfte schoss. Und immer waren seine Artikel von profunder Sachkenntnis geprägt, von der Leidenschaft, den Dingen auf den Grund zu gehen, sie einzuordnen, sie so zu erzählen, dass die Leser merkten: Das betrifft mich, das geht mich, das rührt mich an.

Dieter Lintz schaffte es in seinen Artikeln, seinen Reportagen und Kommentaren, das Komplizierte zu entflechten, Empörung mit Gelassenheit zu begegnen, den alltäglichen Nickeligkeiten einen Humor entgegenzusetzen, der so typisch war für ihn, der von sich sagte, ,,den Job würde ich notfalls auch ohne Bezahlung machen. Dass mir das aber keiner unserem Geschäftsführer verrät."

Vollblutjournalist trifft nur unzureichend das, was Dieter Lintz ausmachte. Er verschrieb sich mit Haut und Haaren dem Leben und dem, was er als seine Verantwortlichkeit begriff. Ob als Schülersprecher am Hindenburg-Gymnasium, als Asta-Vorsitzender an der Trierer Universität, als Gründungsmitglied der Tuchfabrik, als jüngstes Ratsmitglied in Konz, er selber bezeichnete sich als einen, bei dem sich das Interesse am Gemeinwesen mit einem ausgeprägten Mitteilungsbedürfnis paart.

Seine journalistische Laufbahn begann mit der Mitarbeit an Schülerzeitungen wie ,,Pons" und ,,Rotstift", an Studentenblättern wie ,,Universal" oder dem Stadtmagazin ,,tabula rasa". Seine professionelle Karriere startete er beim damals brandneuen privaten Radiosender ,,Linksrheinischer Rundfunk" (LR). Von Trier ging es für den LR nach Mainz. Von dort aus zog es ihn zwei Jahre später zu Radio RPR nach Ludwigshafen. Als 1991 die Stelle des Studioleiters Trier frei wurde, stand der Rückkehr in die Heimat nichts mehr im Wege. Nach zwölf Jahren Radio engagierte ihn 1998 der Trierische Volksfreund als Lokalchef. 2003 wurde er zum Leitenden Redakteur berufen, der unmittelbar der Chefredaktion zugeordnet wurde. Als Reporter und vielseitiger Moderator hatte er seine berufliche Erfüllung gefunden.

Im Leben wie im Beruf bewegte Lintz sich leichtfüßig zwischen Themen und Ressorts. In seiner Jugend Handballspieler und Hammerwerfer, begeisterte er sich für Sport ebenso wie für die Trierer Kommunalpolitik. Mit seinen beiden Töchtern besuchte er gerne Spiele der Trierer Basketballer. Und wenn etwa der amerikanische Superbowl übertragen wurde, haute er sich ganze Nächte um die Ohren.

Aber seine ganz große Liebe galt der Kultur und da insbesondere der Oper. Aus Italien erreichte uns gestern ein Kondolenzschreiben des Trierer Theaterintendanten Gerhard Weber:,,Die Theaterbühne und der Tod sind wie siamesische Zwillinge, umso größer ist die Erschütterung, wenn der reale Tod ein Wiederauferstehen unmöglich macht, wenn der, der die Kunst liebte, nicht mehr bei der nächsten Premiere unter uns sein wird. Dieter Lintz war nicht nur ein Kunstverliebter, sondern ein Enthusiast, der als Kritiker weder mit Lob noch mit Tadel sparte, aber stets dafür eintrat, dass die Existenzberechtigung von Theater und Kunst nicht infrage gestellt werden darf. Er wird im Trierer Kulturleben eine kaum zu schließende Lücke hinterlassen und dem Theater Trier fehlen."

Fehlen wird Dieter Lintz auch dem Karneval. Beim ,,Heuschreck" war er eine Institution. Erst im vergangenen Jahr erhielt er von der Prinzenzunft der Stadt Trier den Franz-Weissebach-Preis. In diesem Bonvivant und Trierer Original hatte Lintz seine Figur gefunden. Scharfzüngig und für jemand, der zwar keinem Streit aus dem Weg ging, aber auch darin immer das Verbindliche suchte, ungewöhnlich beißend, kommentierte er von der Fastnachtsbühne aus die Kommunalpolitik. In einer Laudatio würdigte ADD-Präsidentin Dagmar Barzen Lintz als den Reich-Ranicki der regionalen Theater- und Kulturszene, der auch der Lokalpolitik den Spiegel vorhalte. Lintz reagierte auf seine Weise - geehrt und doch ein bisschen verlegen: ,,Ich selbst habe schon auf viele Menschen eine Laudatio gehalten. Aber bei keiner habe ich so übertrieben wie Sie, Frau Barzen."

Lintz, der Allround-Gebildete, der immer ein rotes Büchlein mit sich trug, um darin das Schöne zu notieren, war trotz seiner öffentlichen Präsenz einer, der es so gar nicht mochte, wenn viel Aufhebens um ihn gemacht wurde. Da konnte er regelrecht schüchtern reagieren. Er war ein Mann ohne Allüren: bescheiden, engagiert und zutiefst einfühlsam.

Dieter Lintz sollte am Sonntagmorgen zu einer Leserreise nach Bregenz aufbrechen. Es kam nicht mehr dazu. Er hinterlässt seine Eltern, seine Frau und zwei Töchter.

Sein Vermächtnis, sagt seine Frau, sei ein Liedtext des belgischen Chansonniers Jacques Brel aus ,,Le Moribond": … Adieu, ich sterbe jetzt. Ich will Gelächter. Ich will Tanz. Ich will Vergnügen wie verrückt. Ich will Gelächter. Ich will Tanz ..." Das ist schwer für alle, die ihn gekannt haben. Wir sind erschüttert. Wir sind traurig.
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