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Industrie
Mehr Geld und mehr Freizeit

FOTO: Caroline Seidel / dpa
Trier. Arbeitgeber und Gewerkschaften sind sich einig: Der Tarifabschluss in der Metallindustrie könnte ein Vorbild für andere Branchen sein.

Mehr Geld und mehr Freizeit für die Beschäftigten in der Metall­industrie in Baden-Württemberg. Der Tarifabschluss für die dort rund 900 000 Beschäftigten in der Branche hat Signalwirkung auch für die Metaller in Rheinland-Pfalz und für die Arbeitnehmer in anderen Zweigen. Neben einer Lohnerhöhung um 4,3 Prozent ab April erhalten die Beschäftigten eine Einmalzahlung von 100 Euro und ab Juli kommenden Jahres gibt es ein Mal im Jahr ein sogenanntes tarifliches Zusatzgeld von 27,54 Prozent des Monatsgehalts plus 400 Euro. Wer Zeit für die Pflege von Angehörigen oder kranken Kindern benötigt, kann auf das Zusatzgeld verzichten und stattdessen acht freie Tage wählen. Zudem haben alle Beschäftigten das Recht, ihre Arbeitszeit für bis zu zwei Jahre ohne Lohnausgleich von 35 auf 28 Stunden zu reduzieren. Im Gegenzug erhalten die Unternehmen die Möglichkeit, die fehlende Arbeitszeit der Teilzeitkräfte durch eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit der Vollzeitbeschäftigten auf 40 Stunden pro Woche auszugleichen. Ob der Tarifvertrag auch für die rund 10 000 Beschäftigten der Metall- und Elektrobranche in der Region gilt, entscheidet sich am Freitag. Dann verhandeln die Arbeitgeber und die Gewerkschaft,  ob der Abschluss für Baden-Württemberg auch für Rheinland-Pfalz gilt.

Vieles deutet jedoch darauf hin. Er begrüße die gefundene Lösung, sagte Thorsten Bröcker vom rheinland-pfälzischen Metallarbeitgeberverband vem. Der Tarifabschluss stehe für „ein neues, flexibles Arbeitszeitsystem für das 21. Jahrhundert“. Zwar bedeuteten die Lohnerhöhungen „eine spürbare Kostenbelastung“ für die Unternehmen. „Aber“, so Bröcker, „sie spiegeln die im Schnitt gute wirtschaftliche Lage unserer Branche wider.“ Auch Gerhard F. Braun, Präsident der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz,  begrüßt, dass der Tarifvertrag „den Anforderungen an moderne Arbeitszeitgestaltung“ gerecht werde. Firmen hätten es nun einfacher, die Arbeitszeit zu erhöhen. „Gleichzeitig können Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit individueller gestalten.“

Der IG-Metall-Chef in der Region Trier, Christan Z. Schmitz, sagt dem TV: „Wir erwarten, dass das Ergebnis 1:1 bei uns in der Region umgesetzt wird.“

Der Koblenzer Sozialwissenschaftler Stefan Sell hält den Rechtsanspruch auf eine vorübergehende Teilzeitbeschäftigung für ein Vorbild für andere Branchen. Davon gehe ein „gesellschaftliches Signal“ aus „für die Ausübung gesellschaftlich überaus relevanter Tätigkeiten wie der Erziehung kleiner Kinder oder der Pflege von Angehörigen. Allerdings sei es der Gewerkschaft nicht gelungen, alle ihre Forderung beim teilweisen Lohnausgleich durchzusetzen.

Die Arbeitszeit sei für viele Beschäftigte heute genauso wichtig wie der Lohn, sagt James Marsh, Regionalgeschäftsführer des Gewerkschaftsbundes (DGB) in Trier. „Die Beschäftigten bekommen immer mehr Druck. Sie wollen mehr Zeit für Familie oder Pflege von Angehörigen haben.“ Der Metall-Tarifabschluss habe daher für die Gewerkschaften einen Signalcharakter. „Auch in anderen Tarifbereichen wird die Gestaltung der Arbeitszeit eine besondere Rolle spielen“, sagt Marsh.