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Kommentar
Einfach naiv oder eiskalt berechnend?

FOTO: klaus Kimmling / TV
Die AfD in den sozialen Netzwerken ist ein Kapitel für sich. Auch in Rheinland-Pfalz.

Ein Rückblick auf die letzten Monate: Im Dezember twitterte AfD-Landeschef Uwe Junge nach dem tödlichen Angriff eines Flüchtlings an Kandeler Mädchen, der Tag werde kommen, „an dem wir alle Ignoranten, Unterstützer, Beschwichtiger, Befürworter und Aktivisten der Willkommenskultur im Namen der unschuldigen Opfer zur Rechenschaft ziehen werden“. Später beschwichtigte Junge, er habe keine aktive Bedrohung gemeint. Im März kursierte auf Twitter ein Foto von einer Demo, auf dem der AfD-Landtagsabgeordnete Damian Lohr vor einem Block der als völkisch-rechtsextrem geltenden Identitären lief. Die AfD sagte, auf einer Demo seien solche Zusammenkünfte möglich. Nun tauchen Profile von Uwe Junge und Jens Ahnemüller in einer Facebook-Gruppe auf, in der Nutzer rechtsextreme Inhalte schreiben. Zwar ist es nicht von der Hand zu weisen, dass es schwierig ist, Facebook-Profile immer im Blick zu halten. Dennoch gelten für Abgeordnete strengere Maßstäbe: Sie stehen im öffentlichen Rampenlicht und setzen mit ihrem Verhalten Signale – ob bewusst oder unbewusst spielt da keine Rolle. Die AfD, die sich oft auf Missverständnisse und Unwissen beruft, muss Lehren ziehen aus den jüngsten Ereignissen. Es liegt alleine an der Partei, den Beweis anzutreten, ob sie sich einfach naiv verhalten hat – oder eiskalt berechnend.

 
f.schlecht@volksfreund.de