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Katholische Kirche
Millionendefizit im Bistum Trier trotz Rekord bei Kirchensteuern

Die frühere Trierer Pfarrkirche St. Paulus ist im vergangenen Jahr profaniert worden. Andere Gotteshäuser werden folgen.
Die frühere Trierer Pfarrkirche St. Paulus ist im vergangenen Jahr profaniert worden. Andere Gotteshäuser werden folgen. FOTO: roland morgen (rm.)
Trier. Bischof Ackermann muss weiter sparen. Die Frage ist nur, wen es dieses Mal treffen wird.

Ungeachtet mehrerer Sparrunden muss das  Bistum Trier weiter auf die Kostenbremse treten, um seine Ausgaben zu senken. Welche Einrichtungen oder Angebote davon konkret betroffen sein können, soll bis Jahresende feststehen. Das kündigte Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg bei der Vorstellung des diesjährigen Haushaltsplans an. Danach wird Deutschlands ältestes Bistum auch 2018 wieder mit einem millionenschweren Defizit abschließen. Finanzchefin Kirsten Straus rechnet mit einer Deckungslücke in Höhe von knapp 29 Millionen Euro – nach minus 20 Millionen Euro im Vorjahr und minus zehn Millionen Euro im Jahr davor. Nur durch einen neuerlichen Griff in die noch gut gefüllten Rücklagen kann die finanzielle Lücke geschlossen werden.  

Der Generalvikar, Verwaltungschef des Bistums, kündigte an, „dass man sich alle Angebote und Leistungen noch einmal anschauen“ müsse. Nachdem es nun schon mehrere Jahre in Folge ein Defizit gebe, sei ein Konzept zur Haushaltssicherung nötig. Dies habe auch der Kirchensteuerrat gefordert. Über mögliche Inhalte äußerte sich die rechte Hand von Bischof Stephan Ackermann nicht. „Wir sind noch nicht in der Phase, wo wir damit an die Öffentlichkeit gehen könnten“, sagte von Plettenberg bei seiner ersten öffentlichen Vorstellung des Haushalts. Im vergangenen Jahr hatte das Bistum erstmals seit Jahren darauf verzichtet.

Auf die Frage unserer Zeitung, ob auch Schulen in Trägerschaft des Bistums oder katholische Kindergärten betroffen sein könnten, meinte der Generalvikar, es sei noch nichts beschlossen, aber „wir werden vieles durchrechnen und denken über alles nach“.

Hintergrund des stark steigenden Defizits sind nach Angaben von Finanzchefin Straus die Pensions- und Beihilferückstellungen für die Geistlichen und Beschäftigten. Schuld daran sei vor allem das niedrige Zinsniveau. Hauptausgabeposten sind weiter die Personalkosten. Sie liegen in diesem Jahr bei 169 Millionen Euro. Die geplanten Baukostenzuschüsse für Kirchen liegen bei 13 Millionen Euro, für Kindertagesstätten sind Zuschüsse in Höhe von 5,6 Millionen Euro geplant, deutlich mehr als im Regelbudget vorgesehen. Größter Einnahmeposten ist mit 322 Millionen Euro weiter die Kirchensteuer. Der Umfang steigt, obwohl es im Bistum Trier immer weniger Katholiken gibt (siehe Extra). Der Grund: die gute Konjunktur und Beschäftigungsquote.

Derweil läuft bei der Umstrukturierung der Pfarreien offenbar alles nach Plan. Bis Januar 2020 sollen die 35 neuen Großpfarreien unter Dach und Fach sein. Man wolle aber auch in Zukunft „möglichst nahe an den Menschen und ihren Themen sein“, kündigte der Generalvikar an.

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