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Nachruf
Ein Kirchenmann ohne Allüren

Die Bolivianer nannten den hoch gewachsenen Leo Schwarz liebevoll „Padrecito“, kleiner Pfarrer.
Die Bolivianer nannten den hoch gewachsenen Leo Schwarz liebevoll „Padrecito“, kleiner Pfarrer. FOTO: TV / Ernst Mettlach
Trier. Der emeritierte Trierer Weihbischof Leo Schwarz ist tot. Sein Herz schlug besonders für die Armen und Unterdrückten im Partnerland Bolivien.

Er war ein Priester, der nicht nur über Arme und Unterdrückte predigte, sondern – selbst als emeritierter Weihbischof – unter ihnen lebte. Am Montagmorgen ist Leo Schwarz in Trier im Alter von 87 Jahren gestorben.

 „Ich bin ein Sohn des Landes, von zu Hause aus ein Kleinbauer“, antwortete Schwarz denen, die sich darüber wunderten, dass es den gebürtigen Winzersohn aus der Nähe von Bad Kreuznach im Jahr 2006 auch mit 75 Jahren noch einmal in ein kleines bolivianisches Dorf zog. Bolivien, das war Leo Schwarz’ „größte Lernerfahrung meines Lebens“, wie er es einmal selbst ausdrückte, „eine Liebesgeschichte, die früh begonnen hat“.

Eigentlich wollte Leo Schwarz im Anschluss an die Priesterweihe und seine Kaplanzeit in Cochem nach Afrika gehen. Doch nach einem Treffen mit dem aus dem Saarland stammenden und schon lange in Bolivien lebenden Kardinal Josef Maurer entschied sich Schwarz dafür, ins Partnerland seines Heimatbistums zu gehen.

Die acht Jahre als Seelsorger in der Erzdiözese Sucre prägten Leo Schwarz Zeit seines Lebens. „Die Armut in Bolivien ist himmelschreiend. Aber die Menschen leben trotz der Armut in großer Würde“, beschrieb er einmal seine Faszination für Land und Leute.

Dabei streifte der hoch gewachsene Schwarz Ende der 60er Jahre sogar ein Kapitel südamerikanischer Geschichte, als sich die Guerilleros um den Freiheitskämpfer Che Guevara ausgerechnet in der Nähe eines von dem Trierer Bistumspriester betreuten Dorfes aufhielten und Leo Schwarz einen Angriff befürchtete. Der Priester ging deshalb zu Verhandlungen mit den Guerilleros in den Dschungel. Die Rechnung ging auf: Che Guevara und seine Leute bekamen Lebensmittel sowie Medikamente und versicherten im Gegenzug, das Dorf zu verschonen. „Der Einzige, der den Dialog mit Che Guevara gesucht hat, war Leo Schwarz“, hieß es in einem 1967 erschienenen Zeitungsartikel über das ungewöhnliche Treffen.

Für den späteren Trierer Weihbischof hatte das Treffen mit dem Revolutionär ein Nachspiel. Leo Schwarz wurde nach dem Gespräch von Militärs festgenommen, nach kurzer Zeit aber wieder freigelassen. Das ganze Dorf hatte sich für den Priester eingesetzt.

Dem Kampf gegen die Armut und Ungerechtigkeit in der so genannten Dritten Welt widmete sich Leo Schwarz auch nach seiner Rückkehr – als Vize- und später Hauptgeschäftsführer des katholischen Hilfswerks Misereor. Er baute das Hilfswerk Renovabis mit auf, die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa, und war später lange Jahre Vorsitzender der Deutschen Kommission der kirchlichen Friedensorganisation Justitia et Pax.

Anfang 1982 eröffnete ihm der damalige Trierer Bischof Hermann Josef Spital, dass er Weihbischof werden solle. Schwarz’ erster Gedanke damals: „Was kann ich tun, um das zu verhindern?“ Er fügte sich natürlich. Weil er in der neuen Rolle nach eigenem Empfinden zu viel verdiente, spendete der bescheidene Priester das meiste davon. Leo Schwarz bekleidete das Amt fast ein Vierteljahrhundert lang, ehe er 2006 aus Altersgründen emeritiert wurde.

Fast 25 Jahre lang war Leo Schwarz bis dahin in den Pfarrgemeinden des ältesten deutschen Bistums unterwegs, spendete in dieser Zeit bei über 150 Visitationsreisen mehr als 80 000 jungen Menschen das Sakrament der Firmung. Die Begegnungen mit den Jugendlichen waren für den Priester stets auch eine Quelle der Inspiration. „Bis jetzt habe ich immer dazugelernt“, sagte Schwarz  vor seiner letzten Firmreise. „Die Lehrjahre hören nicht auf.“

Sein Nachfolger als Weihbischof wurde der heutige Trierer Bischof Stephan Ackermann. Leo Schwarz  freute sich damals auf das Wiedersehen mit Bolivien und seinen Bewohnern. Er kehre damit zurück „zu den Leuten, die mich gelehrt haben, was ich eigentlich in meinem Leben tun muss“, sagt der Kirchenmann ohne Allüren. „Dort weiß sowieso keiner, was ein Weihbischof ist.“

Seit dieser Zeit pendelte Leo Schwarz „zwischen den Welten“, wie er seine regelmäßigen Reisen zwischen Südamerika und Deutschland selbst einmal nannte. Im Frühjahr kehrte er das letzte Mal aus seinem geliebten Bolivien zurück. Zuletzt nahm der schwer erkrankte Leo Schwarz noch Anfang Oktober am Gottesdienst im Dom zur diesjährigen Bolivienwoche teil. Am Montagmorgen starb er in Trier.

Leo Schwarz wird im Kreuzgang des Trierer Doms beigesetzt. Wann, ist noch offen.

Leo Schwarz bei seinem ersten Aufenthalt in Bolivien in den 1960er Jahren. Ins nächste Dorf ging es meistens nur mit dem Esel.
Leo Schwarz bei seinem ersten Aufenthalt in Bolivien in den 1960er Jahren. Ins nächste Dorf ging es meistens nur mit dem Esel. FOTO: "h_st" <h_st@volksfreund.de>