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Neue Mülltrennung stößt in der Region auf Kritik

Müssen die Bürger der Region in Zukunft mehr Mülltonnen vor die Haustür stellen? Experten befürchten das. TV-Foto: Sarah-Lena Gombert
Müssen die Bürger der Region in Zukunft mehr Mülltonnen vor die Haustür stellen? Experten befürchten das. TV-Foto: Sarah-Lena Gombert
Trier. Eine neue Tonne für Wertstoffe, eine weitere für Biomüll. Der Vorschlag aus Berlin stößt in der Region nicht auf Gegenliebe. Der Zweckverband Regionale Abfallwirtschaft bezweifelt die Sinnhaftigkeit der aufwendigen Trennung. Von unserem Redaktionsmitglied Sarah-Lena Gombert

Bis 2015 soll bundesweit eine neue Wertstofftonne eingeführt werden, in die Bürger alles hineinwerfen können, was bislang in den gelben Sack wandert - also jegliche Verpackung, die nicht aus Papier ist. Zusätzlich sollen über diese neue Tonne auch alte Elektrogeräte entsorgt werden. Was das konkret für die Bürger bedeutet, steht noch nicht fest. Doch die für Abfallwirtschaft zuständigen Experten in der Region sind alles andere als begeistert vom Vorstoß des Bundeskabinetts.

"Die Trägerschaft der neuen Tonne ist noch nicht geklärt", sagt Reinhard Adrian, Werkleiter des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft des Vulkaneifelkreises. "Den Bürgern wird auf jeden Fall eine neue Tonne aufs Auge gedrückt", sagt Adrian. Das sei nicht nötig, weil Elektroschrott bereits jetzt kostenlos abgegeben werden könne (siehe Hintergrund).

Max Monzel, Geschäftsführer des Zweckverbands Regionale Abfallwirtschaft und des Zweckverbands Abfallwirtschaft im Raum Trier (ART) zeigt sich ebenfalls verwundert über den Vorstoß des Bundeskabinetts: "Wir haben alles Erdenkliche getan, um unsere Alternative in der Region durchzusetzen." Seiner Ansicht nach wird die Zuständigkeit für die neue Tonne bei privaten Unternehmen landen.

Abgesehen von der Zuständigkeit hat Monzel generell nur bedingt Verständnis für das neue Gesetz: "Diese Mülltrennung ist für unsere Region nicht erforderlich. Sie ist unnötig kompliziert." Damit spielt er auf das wissenschaftlich begleitete Pilot-Projekt in Mertesdorf an, wonach eine maschinelle Mülltrennung mindestens genauso gut funktioniert wie die manuelle. Das würde bedeuten: nur eine Tonne pro Haushalt, in die jeder Müll außer Papier hineinkommt (der TV berichtete mehrfach).

Monzel schätzt, dass in Zukunft zwei Tonnen mehr für jeden Haushalt bereitgehalten werden müssen: eine für Wertstoffe, die dann gleichzeitig die Gelben Säcke ablöst. In einer weiteren Tonne soll laut Bundeskabinett in Zukunft der Bio-Abfall entsorgt werden. "Das macht zusammen mit dem Restmüll und der Tonne für Papier und Pappe vier Mülltonnen pro Haushalt", sagt Monzel. "Wo sollen die alle hin? Und wie wird sichergestellt, dass sauber getrennt wird, auch in größeren Wohnanlagen?"

Heinz Onnertz ist Landrat des Vulkaneifelkreises und Vorstand des Zweckverbands Regionale Abfallwirtschaft. "Wenn das Vorhaben der Bundesregierung durchgesetzt wird, haben wir bald Tonnensalat." Das werde nicht einfach. Auch Onnertz sieht wenig Sinn in der neuen Regelung. Er gibt aber die Hoffnung noch nicht auf, dass es in dem neuen Gesetz eine "Gleichwertigkeitsklausel" geben kann, die eine maschinelle Sortierung in Mertesdorf anerkennt.