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Trier
Panzerknacker machen immer öfter Beute in Rheinland-Pfalz

FOTO: Mario Hübner (mh)
Trier . Die Zahl der Geldautomatenaufbrüche steigt rasant. Dabei gehen die Verbrecher längst nicht mehr nur gewaltsam vor, sondern manchmal äußerst filigran. Und die Spurenlage ist dünn. Von Rolf Seydewitz

Die Zahl der Geldautomatenaufbrüche in Rheinland-Pfalz steigt dramatisch. Nach aktuellen Zahlen des Mainzer Landeskriminalamts gab es im ersten Halbjahr allein 17 Geldautomatensprengungen. Im gesamten Vorjahr waren es 23. Hinzu kommen noch weitere Fälle, in denen Geldautomaten etwa durch Aufsätze manipuliert oder mit Schadsoftware attackiert wurden.

Die neueste Masche der Panzerknacker: Geldautomaten werden – ohne erkennbare Spuren zu hinterlassen – geöffnet und anschließend leer geräumt. Gleich zwei Mal an einem Tag schlugen Diebe auf diese Weise Ende Juni in Mainz und im pfälzischen Lustadt zu. Die Beute: jeweils über 100 000 Euro. Über Details zum Vorgehen der Gangster will sich die Polizei  „aus ermittlungstaktischen Gründen“ nicht äußern, sagte eine Sprecherin des Landeskriminalamts auf Anfrage unserer Zeitung. Allerdings heißt es, dass die Panzerknacker Insiderkenntnisse gehabt haben müssen. Sie sollen womöglich Nachschlüssel besitzen und den Zahlencode der Automaten kennen.

Dagegen gehen die Geldautomatensprenger deutlich weniger filigran vor. Meist leiten sie über ein kleines Loch ein Gasgemisch in den Automaten, das danach gezündet wird. Weil von dem lauten Knall – wie Anfang März in Konz – häufig Zeugen auf das Verbrechen aufmerksam werden, muss anschließend alles ganz schnell gehen. Rasch schnappen sich die Panzerknacker die Geldkassetten und suchen dann das Weite. Vor Ort hinterlassen sie eine Spur der Verwüstung. Zum Beispiel in Üxheim in der Vulkaneifel, wo im April vergangenen Jahres ein Geldautomat gesprengt wurde. Später hieß es, der Schaden in der Filiale der Bank sei höher gewesen als die eigentliche Beute von immerhin 50 000 Euro.

Für die meisten Sprengungen in der Region werden Banden aus dem nordafrikanischen Raum verantwortlich gemacht, deren Mitglieder überwiegend in den Niederlanden leben sollen. Im vergangenen  Jahr gelang nordrhein-westfälischen Fahndern ein entscheidender Schlag gegen die wegen ihres Hangs zu schnellen Autos auch Audi-Bande genannte Gruppierung, als fünf Tatverdächtige festgenommen wurden. Nach Erkenntnissen der Ermittler soll die Bande gut 200 Mitglieder haben. Experten des Bundeskriminalamts führen die in Rheinland-Pfalz oder auch Hessen steigenden Zahlen darauf zurück, dass in Nordrhein-Westfalen der Fahndungsdruck durch zentrale Ermittlungskommissionen und eine bessere Zusammenarbeit mit der niederländischen Polizei zugenommen habe. Seit Anfang des Jahres gibt es eine solche zentrale Ermittlungskommission auch in Rheinland-Pfalz. Sie ist beim Mainzer Polizeipräsidium angesiedelt.

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) erwartet von Banken, mehr in die Sicherheit zu investieren. Der rheinland-pfälzische Sparkassenverband und der Genossenschaftsverband der Region sagen, es werde immer die Gefährdungslage vor Ort geprüft.

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