| 17:14 Uhr

Wirtschaft
Neue Touristen? Im Land fehlen moderne Hotels

Beleuchtet präsentiert sich das Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck in Koblenz. Der Zusammenfluss von Rhein und Mosel lockt jedes Jahr Zehntausende Touristen an. (Archivbild)
Beleuchtet präsentiert sich das Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck in Koblenz. Der Zusammenfluss von Rhein und Mosel lockt jedes Jahr Zehntausende Touristen an. (Archivbild) FOTO: Sebastian Zimmermann / dpa
Trier/Mainz. Rheinland-Pfalz schneidet bei Besucherzahlen im Vergleich zu anderen Bundesländern schlecht ab. Von Florian Schlecht
Florian Schlecht

Die Porta Nigra in Trier fotografieren, auf dem Saar-Hunsrück-Steig wandern, in erloschenen Vulkanen (Maaren) in der Eifel schwimmen: Geht es um den Tourismus, schreibt die Region bei den Besucherzahlen seit Jahren Rekorde. Auch 2017 sind voraussichtlich mehr Touristen als je zuvor nach Rheinland-Pfalz geströmt, rund 8,7 Millionen Gäste übernachteten  von Januar bis Oktober im Land, 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr, teilt das Statistische Landesamt mit. Trotzdem schrillen bei Politikern, Gastronomen und Vermarktern die Alarmglocken, wenn sie über den Tourismus im Land sprechen.

Denn geht es nach dem Wachstum bei Besuchern und Übernachtungen, liegt Rheinland-Pfalz im deutschlandweiten Vergleich mit Thüringen auf dem letzten Platz.  „Im Vergleich ist die Entwicklung enttäuschend“, sagt  die rheinland-pfälzische Wirtschaftsstaatssekretärin Daniela Schmitt (FDP). Im Sommer will das Ministerium die Tourismusstrategie vorstellen, die den Weg bis 2025 vorgeben soll. An neuen Strategien arbeitet darüber hinaus eine Enquete-Kommission im Landtag, zu der Vertreter von allen parlamentarischen Parteien, Tourismus, Wirtschaft und Kommunen gehören. Schmitt sagt, das Land befinde sich in einer „deutlichen Analyse, bei der es keine Denkverbote geben darf“.

Bereits jetzt deutet sich als Schwerpunkt an, bessere Bedingungen bei der Übergabe von Hotel- und Gastronomiebetrieben zu schaffen. Dort drängt es nach Gereon Haumann, Landesvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), besonders. Bei 8000 von landesweit 13 500 Betrieben stehe in den kommenden fünf Jahren die Übergabe an, weil Betreiber in Rente gehen, sagt er. Oft suchen die Besitzer vergeblich nach Nachfolgern: Der Dehoga-Chef prophezeit, das Land könne bis zu 6000 Betriebe verlieren, wenn es das Ruder nicht herumreiße. „Wenn Besucher tagelang wandern, ohne irgendwo einkehren zu können, macht ihnen das auf Dauer keinen Spaß“, sagt er. Das habe fatale Folgen für den Tourismus. Haumann fordert, neuen Betriebsinhabern mehr Zeit zu lassen, gesetzliche Bestimmungen umzusetzen. Für den Doppelhaushalt 2019/20 schlägt er einen Topf von jährlich zehn Millionen Euro vor, durch den die Regierung Investitionen im Gewerbe je zur Hälfte fördern könne. Auch Ellen Demuth (CDU), Vorsitzende der Enquete-Kommission, hält finanzielle Hilfe für angebracht: „Viele Betriebe leiden unter Investitionsstau, den sie alleine nicht beheben können. Doch ohne Betriebe wächst der Tourismus nicht.“

Laut der Industrie- und Handelskammer Trier ging die Zahl der Betriebe in der Region von 2005 bis 2016 von 990 auf 858 zurück. Tourismus-Experten von Mosel, Eifel und Hunsrück hoffen auf frische Impulse im Land. Die Enquete-Kommission regt auch eine gemeinsame Rheinland-Pfalz-Marke und Fortschritte bei der Digitalisierung an. Landesweit hängen 150 000 Arbeitsplätze am Tourismus, die Wertschöpfung in Rheinland-Pfalz liegt jährlich bei mehr als 7,2 Milliarden Euro, an der Mosel bei mehr als 1,1 Milliarden Euro.