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Klimawandel
Rheinland-Pfalz: Was im Klimaschutzbericht des Landes steht

Windräder drehen sich im Sommerwind.
Windräder drehen sich im Sommerwind. FOTO: dpa / Jens Büttner
Trier/Mainz. Der erste Klimaschutzbericht stellt Rheinland-Pfalz ein gutes Zeugnis aus. Und doch reichen die Bemühungen noch nicht aus. Von Florian Schlecht
Florian Schlecht

Einmal ist immer das erste Mal. Wie beim Klimaschutzbericht in Rheinland-Pfalz, der künftig alle vier Jahre erscheint und in dem das Land offenlegt, wie es um das eigene Klima bestellt ist. Erste Inhalte liegen dem TV exklusiv vor.

Wo steht Rheinland-Pfalz beim Klimaschutz?

Die Gesamtsumme aller klimaschädlichen Treibhausgasemissionen will das Land bis 2020 im Vergleich zum Jahr 1990 um mindestens 40 Prozent senken. Bei 37 Prozent liegt das Land bis zum Jahr 2015, aus dem die letzten Erhebungen stammen. Bis 2050 sollen sich die Emissionen um 100 Prozent verringern. „Das wird eine echte Herausforderung“, sagt Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne).

Wie konnte das Land die Emission schädlicher Stoffe reduzieren?

Dem Bericht zufolge hängt ein großer Teil damit zusammen, dass deutlich weniger Lachgas in die Atmosphäre dringt. Betriebe – gerade in der Chemie – stellten bereits in den 1990er Jahren ihre Produktion um. Mehr als halbieren konnte das Land Stromimporte, indem es erneuerbare Energien ausbaute. 600 000 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid habe Rheinland-Pfalz alleine von 2015 bis 2017 an Strom­importen eingespart. Damit sei das Land weniger abhängig von klimaschädlicher Kohle. Weniger Kohlendioxid-Ausstoß pro Jahr landet ebenso durch Haushalte (14,2 Millionen Tonnen) und Industrie (13,9 Millionen Tonnen) in der Umwelt. Die Emissionen gingen bei Haushalten in einem Vierteljahrhundert um 21 Prozent zurück. Eine Erklärung: Mehr Menschen rüsteten auf moderne Heizanlagen um, die weniger Energie verbrauchen.

Sinkt der Energieverbrauch überall?

Nein. Im Verkehr haben schädliche Ausstöße seit 1990 um 17 Prozent zugenommen, weil mehr Autos mehr Energie verbrauchen. Der Bericht empfiehlt, stärker auf umweltfreundlichen Verkehr zu setzen – wie mehr lokale und regionale Busse.

Ist der Klimawandel spürbar?

Der Klimabericht kommt zu dem Ergebnis, dass die jährliche Durchschnittstemperatur im Land seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 um 1,5 Grad gestiegen ist. Die zehn wärmsten Jahre seit Messbeginn gab es allesamt nach 1994. Es gibt auch mehr Regen als vor gut 140 Jahren, die Menge der Niederschläge erhöhte sich bis 2015 um etwa zehn Prozent. Deutlich mehr Regen fällt im Winter (31,4 Prozent) und Frühjahr (19,2 Prozent), im Sommer regnet es weniger (-4,3 Prozent). Den Klimawandel begründet der Bericht auch durch neue, nichtheimische Tier- und Pflanzenarten und eine zwei Wochen längere Vegetationszeit.

Was prophezeit der Bericht?

In Rheinland-Pfalz soll sich der Klimawandel verschärfen. In einem „Weiter-wie-bisher-Szenario“ erwartet der Bericht bis zum Ende des Jahrhunderts einen durchschnittlichen Temperaturanstieg von mehr als fünf Grad im Jahresschnitt. Selbst bei aktivem Klimaschutz würde die Temperatur um mindestens 1,4 Grad steigen.

Wie will das Land das Klima weiter schützen?

Wärme wird meist noch aus Kohle, Öl und Gas gewonnen. Nach einer Studie, die das Land für die Region Trier erstellt hat, könnte aber der Anteil der erneuerbaren Energien bis 2050 deutlich steigen und der Wärmebedarf von 8600 Gigawattstunden auf 5500 sinken. Dafür müssen sich aber Orte, Einwohner und Betriebe strecken. Die Energieagentur Trier soll Kommunen künftig noch stärker beraten, wenn sie Nahwärmenetze bauen oder ganze Ortsteile energetisch sanieren wollen. Höfken setzt auch weiter auf einen „sozial verträglichen, umweltgerechten Ausbau von erneuerbaren Energien“. Den Bund kritisiert sie dafür, bei Ausschreibungen von Windanlagen den Norden zu bevorzugen.