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Räumungsaktion im Hambacher Forst nach Todesfall vorerst ausgesetzt
RWE-Aufsichtsrat verteidigt Rodungen

Aktivisten klettern im Hambacher Forst unter Baumhäusern. Während der großen Räumungsaktion im rheinischen Braunkohlerevier Hambacher Forst ist ein Journalist aus einem Baumhaus abgestürzt und hat tödliche Verletzungen erlitten.
Aktivisten klettern im Hambacher Forst unter Baumhäusern. Während der großen Räumungsaktion im rheinischen Braunkohlerevier Hambacher Forst ist ein Journalist aus einem Baumhaus abgestürzt und hat tödliche Verletzungen erlitten. FOTO: dpa / Oliver Berg
Trier/Kerpen . Hambacher Forst: CDU-Politiker Günther Schartz hält Zeitpuffer für aufgebraucht. Von Rolf Seydewitz

Nach dem tödlichen Sturz eines Journalisten während der Räumungsaktion im Hambacher Forst hat die nordrhein-westfälische Landesregierung die Räumung bis auf weiteres ausgesetzt. „Ich finde, es ist richtig, dass man jetzt unterbricht, weil wir können nicht einfach weitermachen“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). „Da ist ein Mensch gestorben.“ Reul appellierte aber zugleich an die Waldbesetzer, die Baumhäuser freiwillig zu verlassen. Die Hütten müssten geräumt werden, weil sie gefährlich seien.

Der RWE-Aufsichtsrat und Trier-Saarburger Landrat Günther Schartz bezeichnete die Besetzungen als nicht akzeptabel. Die Rodungen seien notwendig, um die Stromerzeugung in den vom Hambacher Tagebau belieferten Kraftwerken aufrechtzuerhalten, sagte Schartz vor dem tragischen Unfall des Journalisten unserer Zeitung. Die entsprechenden Planungen seien seit vielen Jahren bekannt, RWE habe im vergangenen Jahr freiwillig auf die Rodung verzichtet. „Nun ist jeder Zeitpuffer aufgebraucht“, so der CDU-Politiker.

Die Polizeiaktion, bei der die Baumhäuser geräumt und abgerissen werden, hatte vergangene Woche begonnen. Inzwischen ist ein Großteil der 51 Baumhäuser geräumt. Der Wald gilt als Symbol des Widerstands gegen die Braunkohle und die damit verbundene Klimabelastung. In bis zu 25 Metern Höhe haben die Aktivisten ihre Baumhäuser gebaut. Sie halten den Hambacher Wald so seit sechs Jahren besetzt.

Scharfe Kritik äußerte Aufsichtsrat Günther Schartz an Protestgruppen, die im Internet zu einem Boykott von RWE-Produkten aufgerufen haben. Dafür habe er kein Verständnis, sagte Schartz unserer Zeitung. Als Industrieland sei Deutschland auf eine bezahlbare und sichere Stromversorgung angewiesen. Dabei sei unstrittig, dass das Energiesystem umgebaut werden müsse. RWE habe darauf längst reagiert und richtet das Unternehmen klar auf den Ausbau der Erneuerbaren einerseits und den Erhalt von Versorgungssicherheit anderseits aus, so Aufsichtsrat Schartz.