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Scheidungsgrund Hochzeit

TRIER. Bischof Reinhard Marx greift durch: Weil eine Trierer Lehrerin ihre Freundin "geheiratet" hat, darf sie keinen Religionsunterricht mehr geben. Alle Proteste der Schüler waren vergeblich. ARRAY(0x1115df488)

"Ein Bischof zum Anfassen" - wenn Reinhard Marx in der Öffentlichkeit auftaucht, läuft das Trierer Kirchenoberhaupt zur Hochform auf. Berührungsängste kennt der 49-Jährige nicht. Egal, ob er mit den Eintracht-Spielern im Bischofsgarten kickt oder mit vorbei kommenden Touristen vor dem Dom plaudert - Marx gibt sich stets bürgernah und volkstümlich. Geht es allerdings um theologische Dinge, versteht der Kirchenmann keinen Spaß. "Da ist niemand linientreuer als er", heißt es hinter vorgehaltener Hand im Generalvikariat.Schüler protestieren gegen Reaktion des Bistums

Was das im Einzelfall bedeutet, bekam unlängst die Trierer Gymnasiallehrerin Bianka Hering zu spüren. Weil sich die 33-Jährige offen zur ihrer Homosexualität bekennt, darf die Pädagogin künftig keinen Religionsunterricht mehr geben. Das Generalvikariat wird der Sport-, Kunst- und Religionslehrerin am staatlichen Trierer Hindenburg-Gymnasium (HGT) für das nächste Schuljahr die "Missio Canonica" (siehe Stichwort) entziehen. Das sei ihr bei einem Gespräch im Generalvikariat mitgeteilt worden, sagte Hering unserer Zeitung. Auslöser des Entzugs der Lehrbefugnis ist ein Brief, den die Pädagogin kurz vor den Osterferien an den Bischof geschrieben hat. Darin gesteht sie freimütig ein, ihre Freundin "geheiratet" zu haben. Dass von Reinhard Marx daraufhin kein Glückwunschschreiben kommen würde, war auch Bianka Hering klar: "Ich wusste, dass es eng wird." Viele Freunde hätten ihr deshalb von diesem Schritt abgeraten. "Aber für mich ist Transparenz etwas Selbstverständliches. Andernfalls wäre ich doch zur Lüge gezwungen worden", schildert die 33-Jährige ihre Beweggründe. Es kam, wie es kommen musste: Statt des gewünschten Gesprächs mit dem Bischof wurde Bianka Hering zu Herbert Hoffmann, dem Chef der Schulabteilung im Generalvikariat bestellt. Der teilte der Gymnasiallehrerin kurz und knapp mit, dass sie ab dem kommenden Schuljahr keinen Religionsunterricht mehr erteilen dürfe. Längst hatten derweil auch die Schülerinnen und Schüler des Hindenburg-Gymnasiums mitbekommen, "dass da irgend etwas im Busch ist". "Wir wussten ja", sagt Schülersprecherin Claudia Berg, "dass Frau Hering an Männern nicht interessiert ist." Als sie von mehreren Schülern angesprochen worden sei, habe sie "die Sache in der Oberstufe schließlich erzählt", sagt Hering - "so neutral wie möglich". Trotzdem beschlossen einige Pennäler auf Anhieb, sich beim Generalvikariat für ihre Reli-Lehrerin einzusetzen. Bei einer Unterschriftensammlung in der Oberstufe hätten innerhalb kurzer Zeit 155 Schüler unterschrieben, sagt Initiatorin Vera Theis. "Wir waren wirklich schockiert über die Reaktion des Bistums." Auch deshalb, weil der Religionsunterricht von Bianka Hering bei den Schülern ungewöhnlich beliebt ist. "Ihr Unterricht ist modern und glaubensnah", sagt Vera Theis, und Schülersprecherin Claudia Berg ergänzt: "Anspruchsvoll und unterhaltsam - ein super Unterricht."Kirche: Verstoß gegen Grundsätze

Das Trierer Generalvikariat zeigte sich von der Fürsprache unbeeindruckt und hält an seiner Entscheidung fest. Laut Bistumssprecher Hans Casel hat sich jeder Religionslehrer verpflichtet, "in Übereinstimmung mit der Lehre der Kirche zu unterrichten und katholische Grundsätze in der persönlichen Lebensführung zu beachten". Da eingetragene Lebenspartnerschaften von Homosexuellen dazu im Widerspruch stünden, könnten die Betroffenen keinen Religionsunterricht mehr erteilen. Mit Beginn der Sommerferien Ende Juli ist damit für Bianka Hering das Kapitel Religionsunterricht wohl ein für allemal beendet. Auf ihren Vollzeit-Job im Hindenburg-Gymnasium hat der Entzug der katholischen Lehrbefugnis allerdings keine Auswirkungen. Ab dem kommenden Schuljahr unterrichtet Bianka Hering neben Sport und Kunst nun eben Ethik. "Das Direktorium des Hindenburg-Gymnasiums hat mich sehr unterstützt", lobt die 33-jährige ihre Vorgesetzten. Offiziell will sich Schulleiter Bernhard Brehm nicht zu "der Sache" äußern. Begründung: "Interne Personalangelegenheit." Bremm gibt allerdings zu, durch den Ausfall Bianka Herings als Religionslehrerin "ein wenig in die Bredouille" zu geraten. "Wir brauchen jetzt personellen Ersatz für den Reli-Unterricht."