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Sendeschluss für Trierer Fernsehpfarrer Wahl

Trier. Der Trierer Fernsehpfarrer Stephan Wahl (51) scheidet nach zwölf Jahren aus der Riege der „Wort-zum-Sonntag“-Sprecher aus. Über die Gründe von Wahls Abschied wurde zunächst nichts bekannt. Rolf Seydewitz

Der Mediendirektor des Trierer Bischofs gehört zu den profiliertesten deutschen Fernsehgesichtern der katholischen Kirche. Vielen Zuschauern dürfte Stephan Wahl sogar noch bekannter vorkommen, als dessen Chef Stephan Ackermann. Der Grund: Seit rund zwölf Jahren erscheint das Konterfei des 51-jährigen Priesters regelmäßig samstagabends im "Wort zum Sonntag" auf.

Hannoveraner Pfarrer spricht ab Oktober

Damit allerdings ist nun Schluss. Wie die ARD am Mittwoch mitteilte, scheidet der dienstälteste katholische Verkünder aus der achtköpfigen Sprecherriege aus. Am 1. Oktober werde der Hannoveraner Pfarrer Wolfgang Beck (37) sein erstes "Wort zum Sonntag" sprechen.

Ob Stephan Wahl bis dahin noch einmal auf den Bildschirmen erscheint, wurde nicht bekannt gegeben. Der Trierer Mediendirektor hat derzeit Urlaub und war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Dafür mühte sich Bischof-Sprecher Stephan Kronenburg, Spekulationen über die Hintergründe des Wahl-Abschieds erst gar nicht aufkommen zu lassen.

Kritik am Pflicht-Zölibat

"Es hat jedenfalls nichts mit den Zölibats-Äußerungen zu tun", sagte Kronenburg gegenüber volksfreund.de. Mit seiner deutlichen Kritik am Pflicht-Zölibat der katholischen Kirche hatte Stephan Wahl in seinem "Wort zum Sonntag" Ende Februar für Aufsehen gesorgt.

In der gleichen Sendung sprach sich der mit dem Ehrentitel Monsignore ausgezeichnete Fernsehpfarrer auch für mehr Toleranz gegenüber Wiederverheirateten und Schwulen aus. Es war Wahls vorletzter Auftritt als "Wort zum Sonntag"-Sprecher.

Maßstäbe für die religiöse Rede im Fernsehen

Eine Woche später erschien der Trierer noch einmal auf dem Bildschirm; einen geplanten weiteren Auftritt vor dem Eurovision Song Contest Mitte Mai musste der 51-Jährige aus Krankheitsgründen absagen. "Mit seinem Wirken als "Wort zum Sonntag"-Sprecher hat er für die religiöse Rede im Fernsehen Maßstäbe gesetzt", meinte gestern David Hober, der bei der Bischofskonferenz zuständig ist für die Rundfunkarbeit.

Und der ARD-Koordinator Kirche, Bernhard Nellessen, ergänzte: Wahl habe das Wort zum Sonntag geprägt, immer wieder auch unbequeme Themen aufgegriffen und seine Botschaft eindringlich auf den Punkt gebracht.

Das "Wort zum Sonntag" wurde 1954 zum ersten Mal ausgestrahlt und gehört damit zu den ältesten Sendungen im deutschen Fernsehen. Seitdem haben sich rund 300 Pfarrer, Priester und Theologen vor der Kamera zu christlichen Fragen, die häufig einen aktuellen Bezug haben, geäußert. Die Sendung läuft traditionell samstagabends nach den Tagesthemen im Ersten. sey