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SMS-Fahndung: Wie die Polizei übers Handy Verdächtige findet

 Polizei (Symbolfoto)
Polizei (Symbolfoto) FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Mit einer ebenso ungewöhnlichen wie unbekannten Methode ortet die rheinland-pfälzische Polizei gesuchte Kriminelle: Sie verschickt Kurznachrichten an das Handy von Verdächtigen, ohne dass die Empfänger dies merken. Rolf Seydewitz

Trier. SMS - Short Message Service, so heißen die beliebten Kurzmitteilungen, die Handy nutzer sich untereinander schicken. Was viele bislang nicht wussten: Zu den eifrig sten SMS-Versendern gehören die deutschen Sicherheitsbehörden. Eine knappe halbe Million sogenannte stille SMS verschicken jedes Jahr Zoll, Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz; deutlich mehr sogar noch die Polizeibehörden aller Bundesländer.
Allein die rheinland-pfälzische Polizei verschickte in den vergangenen zehn Monaten rund 126 000 stille SMS. Dies bestätigte ein Sprecher des Mainzer Innenministeriums dem Volksfreund.
Hintergrund: Die Kurznachrichten sind geeignet, um Gesuchte zu orten. Das können vermisste Personen sein, die sich in einer lebensbedrohlichen Situation befinden, oder aber auch Verdächtige, denen die Polizei auf die Schliche kommen will.
Die stille SMS wird auf dem Mobiltelefon des Empfängers nicht angezeigt. Allerdings nimmt das Handy Kontakt mit der nächsten Funkzelle auf. Dadurch können die Ermittler den Standort des Handybesitzers zumindest ungefähr lokalisieren.
Um ein Bewegungsprofil des Gesuchten zu bekommen, werden in kurzen Zeitabständen viele Kurzmitteilungen verschickt - "manchmal bis zu 100", sagt ein Ermittler. Um die im Fachjargon Ortungsimpulse genannten SMS versenden zu können, muss zuvor ein Richter die Telefonüberwachung absegnen. "Das ist keine Standardmaßnahme", sagt ein Trierer Ermittler, "sie kommt nur bei schweren Straftaten, etwa Drogenkriminalität, zum Einsatz."
Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Justizministeriums gab es 2010 im Bereich der Trie rer Staatsanwaltschaft 58 strafrechtliche Ermittlungsverfahren, bei denen die Überwachung von einem oder mehreren Telefonen angeordnet wurde.