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So ein Mist! - Warum Unbekannte einen Stinkehaufen vor der FDP-Parteizentrale hinterlassen

Mainz. Volker Wissing steht bei vielen Milchbauern in der Kritik, weil der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister eine Begrenzung der Milchmenge ablehnt. Das stößt auf Widerstand. In der Koalition – und vor der Parteizentrale. Von Florian Schlecht

Vielen Milchbauern stinkt's. Volker Wissing stinkt's. Den 15 anderen Agrarministern in Deutschland stinkt's. Besonders aber stinkt es am Dienstag vor der Geschäftsstelle des FDP-Landesverbands in Mainz. Denn da haben Unbekannte in einer Nacht-und-Nebel-Aktion einen dicken Misthaufen abgelegt und sich danach aus dem Staub gemacht.

In dem Haufen, um den die Fliegen schwirren, stecken Plakate. Auf ihnen steht: "Volker Wissing, Ihre Politik ist Mist." Und: "Das ist das Ergebnis von 100 Tagen FDP-Agrarpolitik in Rheinland-Pfalz." Es ist ein Protest gegen den Wirtschaftsminister des Landes. Einer mit Duftnote. Denn Wissing hatte sich bei der Agrarministerkonferenz als Einziger dagegengestellt, die Milchmengen auf dem Markt zu reduzieren. Befürworter hoffen, so die Preiskrise in den Griff zu kriegen. Mist ist das Verhalten des Rheinland-Pfälzers, finden nun offenbar einige Kritiker.

Die stinkende Fuhre nimmt Wissing aber mit Humor. Er bittet zu einer Pressekonferenz, ein paar Meter vom Misthaufen entfernt. Dort, den Geruch in der Nase, verteidigt sich der Minister. "Ich habe verhindert, dass die Bauern mit einer Scheinlösung abgespeist werden, die Nullkommanull bringt." Die EU-Kommission habe gesagt, eine Reduzierung der Milchmenge sei nicht mit dem europäischen Recht vereinbar. Auch die Bundesregierung lehne die Maßnahme ab. Schade findet Wissing, den Blick auf den Misthaufen gerichtet, "dass Bauern dieser Strategie auf den Leim gegangen sind".

Doch auch die Ampelkoalition spricht bei dem Thema nicht mit einer Stimme. Grünen-Fraktionschef Bernhard Braun sagt: "Für uns ist es nicht nachvollziehbar, warum sich Rheinland-Pfalz und der Agrarminister nicht anschließen konnten." Wissing sagt, er habe andere Pläne, um den Milchbauern zu helfen. Sein Ziel sei es etwa, neue Märkte zu erschließen.

Eine Lösung weiß Wissing auch für den Misthaufen vor der Parteizentrale, dessentwegen die FDP die Polizei eingeschaltet hat. "Eine Firma räumt ihn weg, dann ist alles wieder schön sauber."