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Verbände
Späte Nachwehen einer vorzeitigen Vertragsverlängerung

 Gereon Haumann steht seit 2009 an der Spitze des Dehoga-Landesverbands. 
Gereon Haumann steht seit 2009 an der Spitze des Dehoga-Landesverbands.  FOTO: HELMUT_GASSEN
Trier. Präsident Gereon Haumann hat den Gastroverband Dehoga auf Trab gebracht. Jetzt werden aber zunehmend auch kritische Stimmen laut. Von Rolf Seydewitz

Wenn einmal monatlich das neue Mitgliedermagazin des rheinland-pfälzischen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga im Briefkasten liegt, beginnt in nicht wenigen Betrieben die Zählerei: Wie oft mag Dehoga-Präsident Gereon Haumann in dem um die 36 Seiten starken Gastgewerbereport denn wohl dieses Mal abgebildet sein? Im Schnitt seien es um die 25 Haumann-Fotos pro Ausgabe, heißt es, aber es gebe auch schon mal Ausreißer nach oben. Der Traben-Trarbacher Hotelier Matthias Ganter hat einen dieser Ausreißer ausgemacht – die September-Ausgabe. 48 Fotos mit dem Konterfei Gereon Haumanns hat Ganter in der Ausgabe gezählt und dafür auch eine Erklärung parat: Im Monat zuvor wurde am Dehoga-Stammsitz Bad Kreuznach die neue Geschäftsstelle eingeweiht. Und zu den Feierlichkeiten kam jede Menge Prominenz, mit der sich der auf den Bildern stets fröhlich dreinschauende Präsident nur allzu gerne ablichten ließ.

Dabei gab es im Vorfeld der mit einem Sommerfest verbundenen Einweihungsfeierlichkeiten ein paar Misstöne, die Gereon Haumann und einigen Mitstreitern gar nicht gefallen haben dürften. Einige Dehoga-Mitgliedsbetriebe hatten nämlich gegen die für den Vormittag geplante vorzeitige Verlängerung von Haumanns Vertrag protestiert und eine Verlegung der Entscheidung gefordert. Doch auf dem Delegiertentag stimmte schließlich eine satte Mehrheit von 88 Prozent dafür, den ohnehin noch drei Jahre laufenden Vertrag Haumanns vorzeitig um weitere acht Jahre bis 2029 zu verlängern. Dann wäre der heute 53 Jahre alte Gastro-Funktionär 64 und stünde damit kurz vor der Rente.

Man wolle den seit 2009 erfolgreich an der rheinland-pfälzischen Dehoga-Spitze agierenden Präsidenten langfristig an den Verband binden, lautete seinerzeit die Begründung für die vorzeitige Vertragsverlängerung, die nun – vier Monate später – plötzlich wieder in der Diskussion ist. Grund ist die Klage von 20 Dehoga-Mitgliedsbetrieben gegen den damaligen Beschluss. Dieser sei nicht satzungsgemäß gewesen – und somit ungültig, heißt es sinngemäß in der Klageschrift, die unserer Zeitung vorliegt.

In der beim Landgericht Bad Kreuznach eingereichten 18-seitigen Klage wird unter anderem auf die Aufwandsentschädigung für Gereon Haumann verwiesen, die 256 326 Euro jährlich betragen soll. Durch den Beschluss, den Präsidenten elf Jahre an den Hotel- und Gaststättenverband zu binden, würde „insbesondere neuen Delegierten das Stimmrecht geraubt, über solche, finanziell weitreichenden Beschlüsse abzustimmen“, argumentieren die Kläger.

Nach Angaben des Traben-Trarbacher Hoteliers Matthias Ganter soll der Präsident sogar noch mehr Geld einnehmen – als Geschäftsführer der Dehoga Zentrum GmbH und als Mehrheitsgesellschafter der Creuznacher Betriebsberatungsgesellschaft cbg.

In einer Stellungnahme des Dehoga-Präsidiums wird darauf verwiesen, dass die Aufwandsentschädigung in der Vergütungsordnung festgelegt sei. Die Verordnung wiederum sei „in einem transparenten Verfahren durch den Landesdelegiertentag“ beschlossen worden und „für jedes Mitglied nachvollziehbar“. Konkrete Zahlen werden nicht genannt. Haumann selbst bat um Verständnis, dass er sich wegen der laufenden rechtlichen Auseinandersetzung nicht selbst äußern wolle, und verwies auf die Rechtsanwälte des Dehoga.

Gereon Haumann ist gebürtiger Kölner, den es über sein BWL-Studium an der Trierer Uni und die Geschäftsführung des Horather Familien-Hotels Hochwald in die Region verschlug. Seit 2009 steht er an der Spitze des rheinland-pfälzischen Gaststättenverbands. Der vierfache Vater machte sich zunächst vor allem dadurch einen Namen, dass er die beiden bis dato bestehenden Dehoga-Regionalverbände vereinigte und aus dem „unstrukturierten, einflusslosen Laden einen schlagkräftigen, gut organisierten Verband“ machte, wie ihm selbst seine Kritiker bescheinigen.

Vor fünf Jahren machte Haumann, der auch in der Landes-CDU als Vorstandsmitglied und Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung aktiv ist, Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass er den Verband künftig nicht mehr ehrenamtlich, sondern als bezahlter Vollzeitpräsident leiten werde. Rheinland-Pfalz sei damit der einzige Dehoga-Landesverband mit einem Vollzeitpräsidenten, kommentierte Haumann seinerzeit  selbst die Entscheidung. Damals wurde übrigens die in der Satzung festgelegte Amtszeit des Präsidenten von vier auf acht Jahre hochgesetzt.

Nachdem Haumann hauptamtlicher Präsident geworden war, gab er die Geschäftsführung des – inzwischen geschlossenen – Horather Hotels auf und übernahm mit dem Hotel am Park in Bad Münster am Stein ein kleines Hotel Garni im Kreis Bad Kreuznach.

Laut Dehoga-Satzung kann nur derjenige ins Präsidium gewählt werden, der selbstständig ein Gastgewerbe führt oder dessen Geschäftsführer ist. Ist das nicht mehr der Fall, muss der Betreffende zum Ende der Legislaturperiode aus dem Gremium ausscheiden. Dadurch soll gewährleistet sein, dass Dehoga-Präsidiumsmitglieder vom Fach sind und somit auch wissen, wo die Hoteliers und Gastronomen mitunter der Schuh drückt.

Gereon Haumann sagt von sich, dass er für seine Branche brenne, sich immer und überall für die Belange der Gastronomie einsetze. Mangelndes Engagement wirft dem 53-Jährigen denn auch niemand seiner Kritiker vor. Eher im Gegenteil. „Es darf nicht alles in der Hand eines Einzelnen liegen“, sagt der Trierer Hotelier Markus Schröder. Er ist auch Vorsitzender des örtlichen Dehoga-Kreisverbands und einer der Kläger gegen die vorzeitige Vertragsverlängerung Haumanns. Schröder will, dass die Macht im Landesverband auf mehrere Schultern verteilt und Kontrollen verbessert werden. Ähnlich argumentiert auch der Bernkastel-Kueser Hotelier Ralf Horstmann, der – wie Gereon Haumann – ein gebürtiger Kölner ist. „Dieses Verhalten entspricht nicht guten demokratischen Gepflogenheiten“, antwortet Horstmann auf die Frage, warum er sich der Klage angeschlossen habe.

Dehoga-Präsident Gereon Haumann dürften die Vorwürfe der Kritiker vorerst nicht weiter aus der Ruhe bringen. Am Dienstagabend sprach ihm das neunköpfige Präsidium nach Verbandsangaben einstimmig das Vertrauen aus und dankte ihm für die Bereitschaft, bis 2029 weiter als Präsident zur Verfügung zu stehen.

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