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Bildung
SPD plant Recht auf Ganztagsplatz an Grundschulen

FOTO: Frank Rumpenhorst / dpa
Trier/Mainz . Kritiker warnen vor hohen Kosten. Außerdem gebe es nicht genug Betreuungspersonal.
Florian Schlecht

Arbeiten Mama und Papa den ganzen Tag, brauchen ihre Kinder oft auch noch Betreuung nach der letzten Schulstunde. Wie in der Ganztagsschule, die nachmittags Unterricht, Arbeitsgemeinschaften und Spiele anbietet. Nun bahnt sich an, dass Eltern im Notfall bald gar auf einen Ganztagsplatz für ihre Kleinsten klagen dürfen.

Der Grund: Die große Koalition im Bund hat in ihrem Regierungsvertrag das Ziel erklärt, dass Grundschüler bis zum Jahr 2025 einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung bekommen sollen. Auch die rheinland-pfälzische SPD-Fraktion spricht sich für einen solchen Rechtsanspruch aus und liebäugelt mit diesem schon als Thema für die Landtagswahl 2021.

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Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) sagt auf TV-Anfrage, ein solcher Rechtsanspruch im Land sei durch die bestehende Versorgung „faktisch bereits eingelöst“. Die 49-Jährige verweist auf ein dichtes Netz an Ganztagsschulen, das Kindern einen Platz am Wohnort oder in zumutbarer Entfernung ermögliche.

Kritiker warnen dagegen: „Bei den Kindertagesstätten hat ein Rechtsanspruch gezeigt, dass es danach einen Ansturm von Eltern gibt und immer noch nicht alle erforderlichen Plätze geschaffen sind“, sagt Oliver Pick vom Verband Bildung und Erziehung  (VBE). Das Recht auf Ganztagsbetreuung erfordere auch deutlich mehr Lehrer. Das Problem schildert der Bitburger: „Gerade bei Grundschullehrern haben wir einen extremen Fachkräftemangel.“ Aloysius Söhngen vom rheinland-pfälzischen Städte- und Gemeindebund nimmt Bund und Land in die Pflicht, ihre eigenen Anforderungen zu bezahlen. „Es darf nicht sein, dass Kommunen die Hauptlast tragen. Wir können das nicht“, sagt der Prümer. Auch Regionalelternsprecher Reiner Schladweiler erwartet hohe Ausgaben, weil es besseres Personal und flexiblere Betreuungszeiten brauche.

Die Bertelsmann-Stiftung hat errechnet, was es kosten würde, um bis zum Jahr 2025 80 Prozent der Schüler zu erreichen: 3,3 Millionen Ganztagsplätze müssten geschaffen werden, es brauche 31 400 zusätzliche Lehrkräfte und 15 Milliarden Euro für Infrastruktur. Allerdings bezieht sich die Studie auf alle Schulformen, nicht nur auf die Grundschule.

Wie teuer ein Rechtsanspruch für diese in Rheinland-Pfalz wäre, darüber liegen dem Land keine Schätzungen vor. Gelassen bleibt die Stadt Trier, wo es derzeit genügend Plätze für die Kinder gibt. Zur Verfügung stehende Ganztagsplätze würden derzeit von rund 39 Prozent der Grundschüler genutzt, sagt Stadtsprecher Michael Schmitz. CDU und AfD warnen davor, dass die Ganztagsschulen zu stark mit Feuerwehren, Sportvereinen und Chören konkurrieren.

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