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Medizinische Versorgung
Rezept gegen Ärztemangel? - Landarzt-Quote soll Versorgung von Patienten sichern

FOTO: dpa / Oliver Berg
Trier/Bitburg/Mainz. Medizinstudenten können sich künftig verpflichten, in der Fläche zu arbeiten. Dafür brauchen sie kein Top-Abitur. Ihnen droht aber eine Geldstrafe, wenn sie den Vertrag brechen. Von Florian Schlecht
Florian Schlecht

Experten kritisieren den Plan der rheinland-pfälzischen Ampelkoalition, künftig über eine Landarztquote mehr Mediziner für unterversorgte Regionen gewinnen zu wollen – wie für den Raum Trier. Nach Angaben der Landesregierung soll spätestens ab dem Wintersemester 2020/21 jeder zehnte Studienplatz in der Medizin an junge Menschen vergeben werden, die sich verpflichten, nach Ablauf ihres Studiums mindestens zehn Jahre als Hausarzt in einer Region zu arbeiten, der es an Ärzten fehlt. Bewerber müssen dabei nicht unbedingt ein Abitur von 1,0 haben.

Burkhard Zwerenz, Landeschef des Hausärzteverbandes, sieht in der Quote „nur einen kleinen Beitrag, der am Problem nichts ändern wird“. Schon im Jahr 2022 sollen im Land mehr als 1600 Hausärzte fehlen. „Bis die Studenten, die sich als Landärzte verpflichten, wirklich in einer Praxis arbeiten, schreiben wir das Jahr 2030. Wenn bis dahin nichts passiert, sind längst die Lichter aus“, warnt Zwerenz. Der Prümer appelliert dafür, das System neu zu denken: Er hinterfragt, ob Patienten für kurze Krankschreibungen tatsächlich ihren Hausarzt aufsuchen müssten. Bagatellerkrankungen wie fieberfreie Erkältungen könnten genauso gut ausgebildete Arztassistenten behandeln, meint Zwerenz.

Günther Matheis, Chef der Landesärztekammer, warnt davor, den Blick nur einseitig auf fehlende Hausärzte zu richten. „Im Land braucht es in wenigen Jahren auch Tausende Fachmediziner – wie Hals-Nasen-Ohren-Ärzte oder Gynäkologen.“ Das Problem sei noch nicht im politschen Bewusstsein angekommen. Und die Landräte in der Region bauen eher auf medizinische Versorgungszentren wie in Daun, die Ärzte anstellen, sie von Bürokratie entlasten und ihnen flexible Arbeitszeiten ermöglichen. Gregor Eibes, Landrat von Bernkastel-Wittlich, befürwortet ein Versorgungszentrum für Morbach und will solche Einrichtungen über den Kreis ausweiten. In Bitburg soll am 1. November die erste Ärztegenossenschaft im Land starten.

Die Kassenärztliche Vereinigung warnt vor der Landarztquote. Abitturienten wüssten zu Beginn des Studiums noch nicht, welche Fachrichtung ihnen später liege. Auch eine Partnerschaft könne angehende Landärzte umdenken lassen. Wer den Vertrag mit dem Land bricht, dem soll eine Strafe von bis zu 250 000 Euro drohen. Die bundesweite Vertretung der Medizinstudenten warnt vor Ungerechtigkeit: Reiche Studenten könnten sich aus dem Vertrag rauskaufen, ärmere nicht.

Hintergrund: Versprechen brechen kostet 250 000 Euro

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