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Region
Tierschützer empört - Entflohener Stier wird in Bausendorf angeschossen

FOTO: TV / Klaus Kimmling
Bausendorf/Trier . Ein in Bausendorf getürmter Bulle hat schon Bahngleise blockiert und vier Schüsse überlebt. Wird das Tier nun weiter gesucht? Und stellt es für Menschen eine Gefahr dar? Von Florian Schlecht
Florian Schlecht

Der rheinland-pfälzische Tierschutzbund empört sich, weil ein entflohener Stier angeschossen durch die Region läuft. Der Vorsitzende Andreas Lindig kritisiert den Betreiber des Schlachthofes in Bausendorf (Kreis Bernkastel-Wittlich), aus dem der 700 Kilo schwere Bulle vor zwei Wochen getürmt ist. „Da sind offensichtlich Mängel vorhanden, die katastrophal sind: Das Tier ist extremem Stress ausgesetzt und für Menschen eine Gefahr, wenn es vor Autos auf die Straßen läuft oder Gleise blockiert“, sagt der Trierer.

Einen solchen Fall erlebte die Bundespolizei bereits in dieser Woche, als der Stier die Bahngleise zwischen Ürzig und Pünderich blockierte. 20 Züge verspäteten sich dabei um insgesamt 174 Minuten, weil die Strecke gesperrt war. Von der Bundespolizei gerufene Jäger konnten den Bullen wiederum nicht erlegen. Er konnte trotz vier Streifschüssen fliehen und wurde zuletzt gesehen, wie er im Kreis Bernkastel-Wittlich von Kinderbeuern in Richtung Kröv unterwegs war. Ob das Tier verletzt ist, ist nach TV-Informationen ungewiss.

Besteht eine Gefahr für Menschen, die dem Stier begegnen? Der Kreis warnt davor, dass das Tier aggressiv sein könnte. Tierschützer Lindig rät Passanten, sich dem Stier nicht zu nähern. „Frisst das Tier Gras oder beobachtet einen nur, können Fußgänger ruhig weitergehen, sollten aber die Polizei verständigen“, sagt er. Reagiere der Stier aggressiv und laufe auf Passanten zu, sollten diese nach Gebäuden oder Bäumen Ausschau halten, hinter denen sie sich verstecken könnten.

Der Schlachthof-Betreiber legte den Telefonhörer auf, als ihn der TV zu der Flucht des Tieres befragen wollte. Nach Angaben des Kreises liege es an ihm, den Stier einzufangen. Die Polizei müsse nur eingreifen, wenn Gefahr drohe wie bei der Blockade der Gleise. Ein Kreissprecher sagt, das Einfangen oder Betäuben des Stiers werde bevorzugt, wenn dies möglich sei. Müsse das Tier getötet werden, weil es eine zu große Bedrohung darstelle, brauche es eine Schusserlaubnis vom Kreis als Unterer Waffenbehörde.

Eine solche stellte die Kommune bereits aus, als der Stier die Gleise blockierte. Das Tier sei in Bewegung gewesen, Jäger hätten sich nicht wirklich nähern können, begründet ein Sprecher den Verzicht auf eine Betäubungsspritze, wie sie Tierschützer fordern. Der Eifeler CDU-Rebell und passionierte Jäger Michael Billen nennt es „unverständlich, dass Jäger viermal vorbeischießen. Das wäre mir nicht passiert.“ Die Polizei, so erläutert der Eifeler, sei wiederum kaum in der Lage, einen Stier zu erschießen, weil deren Munition zu schwach sei, um tierschutzgerecht zu töten. Ein Sprecher der Bundespolizei gibt zu: „Für uns war es ein Einsatz in Wildwest-Manier.“

Volksfreund-Leser kritisieren die Behörden. „Wie unfähig und unprofessionell, zudem noch Tierquälerei auf amtlichem Niveau“, schreibt ein Nutzer auf Facebook.