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Tourismus-Arbeitsgruppe des Landtags: Hinter den Kulissen gibt es bereits Knatsch!

Trier/Mainz. Die Fraktionen im Land feilen gemeinsam an Plänen für den Tourismus. Die Ausschussvorsitzende der CDU steht nun in der Kritik. Florian Schlecht

Mal reitet Nina Klinkel auf einem Pferd durch die Vulkaneifel, an einem anderen Tag fährt sie mit einem Segway durch Trier. Die SPD-Landtagsabgeordnete tourte im Sommer durch ganz Rheinland-Pfalz. "Bock auf Heimat" war der Internetblog, den die 33-Jährige mit Berichten und Bildern füllte.

"Bock auf Heimat": Das könnte auch das Motto einer Enquete-Kommission im Landtag sein, einer Arbeitsgruppe aus allen fünf Fraktionen, kommunalen Vertretern und Experten aus der Wirtschaft, die an neuen Wegen für den Tourismus feilt. Könnte. Denn schon nach zwei Sitzungen sprechen Beobachter von "atmosphärischen Spannungen". Manche Teilnehmer von SPD und CDU sollen sich persönlich nicht grün sein, heißt es. Und, so lautet eine weitere Kritik: Dem Gremium fehle eine Antriebsfeder an der Spitze.

Der Trierer SPD-Landtagsabgeordnete Sven Teuber, der in der Kommission sitzt, kritisiert für den nach seiner Sicht fehlenden Schwung die Vorsitzende Ellen Demuth. Die 35-jährige CDU-Landtagsabgeordnete ist Vorsitzende der Kommission. Teuber sagt in ihre Richtung: "Ich möchte nicht nur ein nettes Lächeln auf Bildern sehen, sondern wünsche mir Organisation und vor allem Inhalte, um das Land voranzubringen." Das fehle bislang. Teuber weist darauf hin, dass er seine Worte nicht als CDU-Kritik verstanden wissen wolle. Die Zusammenarbeit mit dem Vulkaneifeler Gordon Schnieder lobe er beispielsweise. Auch der FDP-Abgeordnete Steven Wink deutet an, es laufe nicht alles rund in der Kommission. Er fordert: "Nach Startschwierigkeiten muss eine gewisse Stringenz folgen."

Die brüskierte Demuth sagt dem TV: "An mich als Vorsitzende ist von den Regierungsfraktionen bisher keine Kritik herangetragen worden." Bislang sei die Arbeit innerhalb der Gruppe eine "Faktensammlung" gewesen. Demuth verweist auf die nächste Sitzung im September, wenn Arbeitspläne verteilt werden sollen. Für Mitte 2018 kündigt sie einen Zwischenbericht für die Öffentlichkeit an. Um das zu schaffen, müsse endlich Zug rein, fordert Teuber.

Der Tourismusentwicklung in Rheinland-Pfalz nimmt sich die Politik trotz steigender Gästezahlen an. Ein Grund, so sagt Demuth: Das Land liege bundesweit beim Wachstum der Branche im unteren Drittel. Heißt: Andere Länder verbuchen jährlich einen noch größeren Zuwachs an Touristen.

Wie soll sich das ändern? Die Parteien bringen dabei ganz eigene Vorschläge ein, wo es beim Tourismus im Land noch hapert. Demuth sieht zum Beispiel Chancen, den Geschäftstourismus anzukurbeln. An vielen Tagungsorten herrsche ein enormer Investitionsstau, sagt sie. Aus der SPD schlägt Nina Klinkel eine Rheinland-Pfalz-Dachmarke vor, wie es Schleswig-Holstein mit dem Slogan vom "echten Norden" erfolgreich vormache. Es brauche gemeinsame Strategien, kein Kirchturmdenken, findet sie. Teuber sieht einen Bedarf darin, kulturelle Schätze stärker ins Bewusstsein der Menschen zu rufen.

FDP-Mann Wink sagt, er habe sich in der Schweiz beraten lassen, was dort klappe. Durch die Digitalisierung müsse es im Land viel mehr Möglichkeiten geben, sich über den Internetanbieter Google überall Wandertouren planen zu lassen. Zugleich brauche es eine gezielte Aus- und Weiterbildung von Fachkräften, die im Gewerbe etwa Wanderhütten übernehmen könnten, in denen Touristen rasten. Deren Besitzer, manchmal kurz vor der Rente, finden oft keine Nachfolger, meint Wink. Die Grüne Jutta Blatzheim-Roegler (Bernkastel-Kues) regt an, zum Karl-Marx-Jahr in Trier stärker darüber nachzudenken, inwieweit das Umland von Touristen profitieren könne.

AfD-Politiker Martin Louis Schmidt mahnt an, dass in manchen Regionen die Vielzahl an Windrädern ästhetisch abschreckend sei.

Viele Ansätze, viel Arbeit. Teuber sagt: "Ich bin gespannt, wann es richtig losgeht."URLAUBSLAND RHEINLAND-PFALZ

(sey) Rheinland-Pfalz wird als Urlaubsziel immer attraktiver: Im vergangenen Jahr kamen über 9,6 Millionen Gäste, 1,5 Millionen mehr als zehn Jahre zuvor. Etwa jeder fünfte Besucher reist aus dem Ausland an, besonders häufig aus den Niederlanden und Belgien. Vergleichsweise viele Touristen kommen auch aus Frankreich, England, Österreich und der Schweiz.
Nach einer aktuellen Umfrage der Deutschen Zentrale für Tourismus gehört das Moseltal unter ausländischen Touristen zu den zehn beliebtesten Ausflugszielen in Deutschland.
Während die Zahl der Gäste und Übernachtungen kontinuierlich gestiegen ist, ging die Zahl der Beherbungsbetriebe unter dem Strich deutlich zurück. Es gibt 36 Prozent weniger Gasthöfe als vor elf Jahren, 30 Prozent weniger Erholungs- und Ferienheime und 14 Prozent weniger Hotels. Dafür gibt es mehr Ferienzentren, Campingplätze und Pensionen. Gebucht wird gerade bei Kurzzeitreisen oft kurzfristig und übers Internet.
"Betriebe, die nicht über diverse Portale direkt buchbar sind, werden es schwer haben", sagt Eifel-Tourismus-Vize-Chef Wolfgang Reh. Wie bedeutend der Tourismus für eine Region ist, erkennen Fachleute an der Tourismusintensität. Der Wert beschreibt das Zahlenverhältnis von Gästen zu Einwohnern.
In der Region Trier beträgt die Tourismusintensität 12.983 und ist damit zweieinhalb Mal so groß wie der Landeswert mit 5441.