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Trotz Millionenverlusten: Flughafen Hahn sponsert Hunsrücker Handballverein mit 500.000 Euro

Der Tower des Flughafens Frankfurt Hahn. Foto: Thomas Frey/Archiv
Der Tower des Flughafens Frankfurt Hahn. Foto: Thomas Frey/Archiv
Hahn/Mainz. Der hoch defizitäre Flughafen Hahn tritt offenbar nach wie vor als großzügiger Sponsor auf. Nach Informationen der Rhein-Zeitung erhält ein Hunsrücker Handballverein pro Jahr 43.500 Euro plus Mehrwertsteuer. Von unserem Mitarbeiter Dietmar Brück

Von 2004 an soll die Flughafen Frankfurt Hahn GmbH (FFHG), die hoch verschuldet ist und jährliche Defizite im zweistelligen Millionenbereich einfährt, insgesamt rund 500 000 Euro an die HSG Irmenach-Kleinich-Horbruch gegeben haben.

Die Verantwortlichen des Vereinshaben die Existenz des Sponsoringvertrags bestätigt. Vorsitzender des HSG-Fördervereins ist Alexander Licht, der Vize-Vorsitzende der CDU-Fraktion im Landtag.

Der Christdemokrat hat immer wieder ein Zukunftskonzept zu dem Hunsrück-Flughafen eingefordert und die Landesregierung kritisiert, zu wenig zur Rettung des Airports zu tun.

Bis zur Stunde blieb der Sponsorenvertrag unangetastet, obwohl die Finanzlage des Flughafens mehr als prekär ist. Das Land musste in einer Rettungsaktion Millionen Euro als Darlehen zuschießen, und die Hahn-Geschäftsführung wurde ausgetauscht, um einen Sanierungskurs einzuleiten. Von all dem blieben die HSG-Zuwendungen offenbar unberührt. Die vierteljährlichen Tranchen wurden auch 2013 überwiesen.

Licht räumte offen ein, dass er an den Vereinbarungen zu dem Sponsorenvertrag beteiligt war, indem er unter anderem den Kontakt zu dem damaligen Hahn-Geschäftsführer Jörg Schumacher herstellte. Die Flughafengesellschaft wollte exemplarisch einen regionalen Verein unterstützen, um den Hunsrückern dafür zu danken, dass sie die Lärmbelastung mittragen. Das Einzugsgebiet der Hunsrückspielgemeinschaft liegt in der Einflugschneise. Nach Angaben von Licht sowie dem HSG-Geschäftsführer Bernd Kirst fließen die Hahn-Gelder vor allem in die Jugendarbeit. Zudem unterhalten die Handballer damit eine eigene Halle und drei Vereinsbusse. Die HSG hat 1000 Mitglieder und einen Jahresetat von 120.000 Euro.

Der Sponsorenvertrag zwischen FFHG und Förderverein datiert vom September 2003. Gelder flossen ab Mai 2004. Der Vertrag verlängert sich jeweils um ein Jahr, wenn nicht drei Monate vor Ablauf der Verlängerung Widerspruch eingelegt wird. Es handelt sich also um keinen schwer kündbaren Langfristvertrag. Für seine Hilfe erhält der Hahn Trikotwerbung, Bandenwerbung, Anzeigenwerbung im Terminlistenheftchen sowie im Stadionheft. Zudem weist ein Schild in der Halle auf die FFHG hin.

Die Vertragsbeziehung ist laut Verein transparent. Vorstand Bernd Kirst: "Da wurde nirgendwo gemauschelt." Förderverein-Vorsitzender Licht zeigte sich offen, angesichts der Lage am Hahn über Kürzungen der Zuwendungen zu reden. "Das wäre mehr als akzeptabel", sagte er. Bislang sei aber niemand auf ihn zugekommen.
EXTRA


Flughafen in Not: Der Hahn gehört zu den größten Regionalflughäfen in Deutschland, ist aber hoch verschuldet und fährt rote Zahlen ein. Um ihn vor der Insolvenz zu bewahren, wurde bereits ein Nachtragshaushalt verabschiedet. Dieser enthält ein Darlehen des Landes von 82,9 Millionen Euro. Das Passagier- und Frachtgeschäft ist rückläufig. 2012 flogen 2,8 Millionen Fluggäste vom Hahn (2011: 2,9 Millionen). Der Frachtflug erreichte 2012 nur noch eine Tonnage von 207.000 (2011: 286.000) Tonnen. Gesellschafter sind Rheinland-Pfalz (82,5 Prozent) und Hessen (17,5 Prozent). DB