| 15:51 Uhr

Trier
Trotz Staufrust auf Autobahnen keine 24-Stunden-Baustellen

Auf der A 1 nervt Autofahrer, die aus Richtung Mehring (Kreis Trier-Saarburg) kommen und nach Trier fahren, seit Monaten eine große Baustelle.
Auf der A 1 nervt Autofahrer, die aus Richtung Mehring (Kreis Trier-Saarburg) kommen und nach Trier fahren, seit Monaten eine große Baustelle. FOTO: Klaus Kimmling
Trier. Das Land sieht keine Notwendigkeit, rund um die Uhr arbeiten zu lassen. Der ADAC kritisiert die mangelnde Abstimmung. Bauarbeiter werden von Autofahrern beschimpft und beworfen. Von Bernd Wientjes

Viele Autofahrer, die über die A 64 nach Luxemburg fahren, sind seit Wochen genervt. Vor der Sauertalbrücke staut sich morgens der Verkehr. Auf einem Kilometer wird dort eine neue Fahrbahndecke aufgebracht. „Stau, Stau, Stau. Aber warum eigentlich? Fortschritte bei den Arbeiten auf der Sauertalbrücke kann man auch mit viel Fantasie wirklich nicht erkennen“, schrieb zum Beispiel ein Pendler gestern im sozialen Netzwerk Facebook.

Viele Staugeplagte fordern, dass  nicht nur auf der A 64, sondern generell bei Großbaustellen auf Autobahnen im Schichtbetrieb rund um die Uhr gearbeitet wird, wie das an einigen Baustellen etwa in Luxemburg gemacht wird.

Nordrhein-Westfalen, dessen Autobahnnetz um ein Vielfaches größer ist als das 877 Kilometer lange in Rheinland-Pfalz, hat beschlossen, dass auf Autobahnen schneller gebaut werden soll. Teilweise sollen sich Baumaßnahmen um 23 Wochen verkürzen. Unter anderem soll auf mehr Autobahnen rund um die Uhr gearbeitet werden. Das Bundesverkehrsministerium fordert für hochbelastete Strecken einen 24-Stunden-Baubetrieb, weil dadurch die „volkswirtschaftlichen Auswirkungen“ von Staus reduziert werden könnten. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des saarländischen FDP-Bundestagsabgeordneten Oliver Luksic hervor.

In Rheinland-Pfalz verzichtet man weitestgehend auf 24-Stunden-Arbeiten auf Autobahnen. Nur bei kleineren Instandsetzungsarbeiten oder bei notwendigen Vollsperrungen für eine Nacht oder ein Wochenende werde rund um die Uhr gearbeitet, heißt es aus dem Verkehrsministerium. Bei der Forderung nach einem 24-Stunden-Betrieb von Baustellen müsse berücksichtigt werden, dass die rheinland-pfälzische Baubranche mittelständisch geprägt sei, sagt eine Ministeriumssprecherin. Viele Firmen hätten nicht die Kapazitäten für einen regelmäßigen Nachtbetrieb. Allerdings werde bei der Vorgabe für die Bauzeit verlangt, dass an Werktagen (auch samstags) im Zweischicht-Betrieb gearbeitet werde. Dadurch habe der für die Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen zuständige Landesbetrieb Mobilität (LBM) die Bauzeiten auf Autobahnen um 30 Prozent reduzieren können.

Allerdings werde es immer schwieriger Firmen zu finden, sagt die Sprecherin des Verkehrsministeriums. Auf Ausschreibungen für „personalintensive, technisch aufwendige Maßnahmen“ wie den Ausbau von Ortsdurchfahrten würden immer weniger Unternehmen ein Angebot abgeben. Das könnte auch damit zusammenhängen, dass das Arbeiten auf viel befahrenen Straßen nicht nur wegen der vorbeifahrenden Fahrzeuge eine Herausforderung ist, sondern vor allem wegen der zunehmenden Beschimpfungen, denen sich die Arbeiter ausgesetzt sehen.

„Bauarbeiter und Vertreter der Bauverwaltung stehen dort unter Dauerbeschuss“, sagt die Sprecherin des LBM, Birgit Küppers. Sobald Verkehrsteilnehmer im Stau stünden, rasteten viele offenbar aus: „Die Scheibe wird herunter gedreht und die Arbeiter werden massiv beschimpft; man lässt seinem Ärger freien Lauf. Auch Gegenstände wie eine leere Bierflasche kamen schon geflogen. Die Kinderstube ist verwaist“, ärgert sich Küppers.

Herbert Fuss vom ADAC Mittelrhein in Koblenz kann verstehen, dass sich Autofahrer ärgern, wenn sie regelmäßig vor Autobahnbaustellen im Stau stehen, vor allem wenn sie dann beim Vorbeifahren keinen oder nur wenige Arbeiter sehen. Beschimpfungen oder Angriffe gingen aber gar nicht, sagt Fuss. Ohnehin sei der LBM sehr bemüht, große Baustellen schnellstmöglich abzuwickeln.

Nachtarbeiten sieht Fuss kritisch, vor allem, weil die Gefahr für die Arbeiter dann viel größer sei als am Tag. Allerdings mangelt es seiner Ansicht nach an der Abstimmung zwischen einzelnen Baumaßnahmen. Nicht selten komme es vor, dass Autofahrer auf der empfohlenen Umfahrung einer Baustelle im Stau stünden, weil auf der Ausweichstrecke ebenfalls gebaut werde.