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Umwelt
Umweltdelikte sehen heute anders aus

Die illegale Müllentsorgung gibt es zwar immer noch, Problemmüll wird allerdings seltener in den Wald gekippt als früher.
Die illegale Müllentsorgung gibt es zwar immer noch, Problemmüll wird allerdings seltener in den Wald gekippt als früher. FOTO: picture alliance / dpa / Patrick Pleul
Trier. Weniger gefährlich als vor 20 Jahren sind sie allerdings nicht. Ein unterschätztes Risiko geht von Abfällen aus, die illegal entsorgt werden.

Natürlich gibt es die klassischen Fälle noch: Fische, die mit dem Bauch nach oben in einem verseuchten Bach treiben, weil ein Betrieb sein Abwasser illegal abgelassen hat. Autowracks, Chemi­kalienfässer oder Waschmaschinen, die im Wald entsorgt wurden. Heizöltanks, die von vermeintlich seriösen Unternehmen am Straßenrand zurückgelassen werden, nachdem sie Bürgern Geld für die Entsorgung aus der Tasche gezogen haben. Die Trierer Kriminalpolizei hat regelmäßig mit solchen Umweltvergehen zu tun.

In den 80er und 90er Jahren seien es allerdings deutlich mehr solcher Fälle gewesen, sagt Bernhard Fuchs, Leiter des Dezernats für Umweltkriminalität beim Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz. Er hat in den fast 30 Jahren, die er sich bereits mit dem Thema befasst, erlebt, wie vieles sich grundlegend veränderte.

„Umweltkriminalität findet heute meist im Verborgenen statt“, sagt er. Illegale Abfallentsorgung ist zwar das Hauptproblem geblieben. Nur sieht die heute ganz anders aus als früher. Statt Problemmüll in den Wald zu kippen, wird dieser in großem Maßstab mit unbelasteten Abfällen vermischt, falsch deklariert oder ins Ausland verschoben. Den Tätern auf die Spur zu kommen, ist extrem schwierig, da dies reichlich Fachwissen und nicht selten chemische Analysen voraussetzt.

Asbest mit seinen feinen Fasern gehört zu den gefährlichsten Stoffen. Schon wer geringe Mengen einatmet, kann Lungenkrankheiten erleiden oder viele Jahre später an Krebs erkranken. Daher gibt es sehr strenge Vorschriften, wie mit Asbest umzugehen ist. Vorschriften, die häufig missachtet werden. Das fängt im Kleinen an. „Es gibt immer wieder Fälle“, sagt einer der drei Experten vom zuständigen Trierer Dezernat. Mal deckt jemand seinen Holzstapel mit Asbestplatten ab. Schon das sei verboten. Mal werden die Polizisten auf Baustellen gerufen, weil Handwerker keine Schutzkleidung tragen, weil sie Asbest mit dem Vorschlaghammer zertrümmern und dabei die gefährlichen Fasern freisetzen oder weil beim Abspritzen eines Asbestdachs das Nachbargrundstück kontaminiert wurde.

Deutlich mehr kriminelle Energie haben Fachfirmen, die Bauherren viel Geld für die Entsorgung von gefährlichen Abfällen abknöpfen und diese dann illegal beseitigen. Das kann Asbest sein, der nicht nur in Dachziegeln und Fassadenverkleidungen vorkommt, sondern auch in alten Spachtelmassen, Klebern und Putzen. Es können aber auch künstliche Mineralfasern, teerhaltige Klebstoffe, gefährliche Öle, belasteter Erdaushub oder  mit Chemikalien behandelte Hölzer sein.

„Uns machen die Firmen Kopfzerbrechen, die eine Zulassung und Sachkunde haben, aber sich trotzdem nicht an die Auflagen halten“, sagt Fuchs. Experten wie er beobachten mit Sorge eine zunehmende Professionalisierung der Abfallkriminalität.

Das größte Problem sei die Verschiebung und Falschdeklaration. Und das Vermischen der gefährlichen Stoffe mit ungefährlichen. „Es gibt kaum noch unbelastete Abfälle in Reinform“, sagt der Experte. Und so besteht die Gefahr, dass die gesundheitsschädlichen Materialien mit Bauschutt zerschreddert und im Straßenbau oder sonstwo wieder verwertet werden, so dass die Schadstoffe in großen Mengen in die Luft oder ins Grundwasser gelangen. „Je mehr gefährliche Abfälle in den Recycling-Kreislauf kommen, umso eher finden wir sie in unserem Alltag wieder“, sagt Fuchs.

Als wirksamste Methode, die Täter zu ertappen, haben sich Abfalltransportkontrollen herausgestellt, die es in Rheinland-Pfalz bereits seit vielen Jahren gibt und die auch ohne konkreten Anlass möglich sind. Solange der Abfall auf Halden oder in Containern liege, könne ein Betrieb darüber im Prinzip alles erzählen. Es sei schwierig, da einen Anpack zu finden. „Aber in dem Moment, wenn jemand ihn auf einen LKW lädt, da muss er sich festlegen und definieren: Welche Menge und welcher Abfall ist es und wie soll der entsorgt werden“, sagt Fuchs. Angaben, die sich bei den Kontrollen überprüfen lassen, an denen Fachleute mit speziellen Messgeräten beteiligt sind.

Das Charmante daran: Solche Kontrollen geben nicht nur Aufschluss über kriminelle Ladungen, sondern womöglich auch über kriminelle Geschäftsbeziehungen. Auch zahlreiche illegale Elektroschrott-Exporte nach Afrika konnten laut LKA so verhindert werden.

Dennoch ist es schwierig, Umweltverbrechern auf die Spur zu kommen. Zumal das speziell geschulte Personal der Polizei begrenzt ist und wie die drei Trierer Experten noch viele weitere Aufgabenfelder hat. So sind die Ermittler im Alltag auf Anzeigen angewiesen. Doch bekommt die Öffentlichkeit meist gar nicht mit, welche neue Dimension die Abfallkriminalität erreicht hat. „Es gibt ein riesiges Dunkelfeld“, sagt Fuchs.

Einen Öltank im Wald, den sieht man. Krebserregenden Staub und Schadstoffe im Grundwasser hingegen nicht. Die Entwicklung macht dem Fahnder Sorgen.