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Kritik an Eifel-Autobahn
Umweltschützer wettern mit langer Liste gegen den A1-Lückenschluss

FOTO: dpa / Thomas Frey
Verbände sehen die Trinkwasserversorgung in der Eifel und Naturschutzgebiete in Gefahr. Sie fordern vom rheinland-pfälzischen Verkehrsminister Volker Wissing, die Autobahnpläne aufzugeben – und drohen mit Klage. Von Florian Schlecht
Florian Schlecht

Die Gegner des A1-Lückenschlusses ließen es sich jüngst nicht nehmen, eine Anzeige im Amtsblatt der Verbandsgemeinde Daun zu schalten. „Nein zu A1“, hieß es da in großen Buchstaben. Der Bund für Umweltschutz und Natur (BUND) wollte dazu animieren, Einspruch gegen den Weiterbau der Eifel-Autobahn einzulegen. Nun ist die Chance, Einwände gegen das Planfeststellungsverfahren vorzubringen, vorbei (siehe Extra).

Umwelt- und Naturschützer zeigten sich am Montag überzeugt davon, der Landesregierung mit ihren Stellungnahmen kritischen Wind ins Gesicht zu blasen. Fast 200 Seiten legten sie beim Landesbetrieb Mobilität vor, der nun alle Einwände auswertet. Der Tenor ist klar: Die Verbände wehren sich gegen den Lückenschluss auf dem 10,5 Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen Kelberg (Vulkaneifelkreis) und dem nordrhein-westfälischen Adenau.

Egbert Bialk vom BUND-Landesvorstand forderte den rheinland-pfälzischen Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) auf, die A1-Pläne zu stoppen und wiederholte seine Klage-Drohung. Bialk bezeichnete den Lückenschluss als „hemmungslose Alphatierwut unserer regierenden Verkehrspolitiker“. Die Mängelliste der Verbände ist lang. Der Naturschutzbund (Nabu) sieht geltendes Recht verletzt, weil die geplante Trasse mitten durch ein Vogelschutzgebiet führe. In Gefahr sehen Umweltschützer die Trinkwasserversorgung von bis zu 40 000 Menschen in der Eifel. Der Grund: Chemikalien, Mikroplastik und Öl könnten in Bäche geschwemmt werden.

Kritiker zweifeln auch die Rechnungen an, wonach bei einem Lückenschluss täglich bis zu 30 000 Fahrzeuge auf der Strecke fahren soll. Der Marburger Verkehrsexperte Ralf Hoppe spricht von alten Annahmen. So sei das Verkehrsaufkommen zum Flughafen Hahn mit Passagierzahlen von jährlich mehr als 3,3 Millionen Menschen einkalkuliert worden. Angesichts des schleichenden Rückzugs von Ryanair sei das utopisch, lästern Lückenschluss-Gegner. Der Verkehrswissenschaftler Karl-Georg Schroll aus Wiltingen (Kreis Trier-Saarburg) spricht sich dafür aus, mehr Menschen für Zugfahrten zu umwerben. Er schlug vor, die Bahnstrecke von Köln nach Trier zu einer elektrifizierten, zweispurigen Direktverbindung auszubauen. Nach dem BUND sind auch alternative Straßenwege vom Land „nicht ausreichend oder fehlerhaft“ geprüft worden – wie ein Ausbau der Bundesstraße 51 oder der Landstraße 115 Richtung Hillesheim.

Kritiker vermissen ebenso ernsthafte Gedankenspiele über eine neue Trasse. Sie verweisen auf Nordrhein-Westfalen, das jüngst bei seinem Teilstück zwischen Lommersdorf und Adenau Naturschützern entgegenkam und eine neue Trasse entwarf, die 60 Millionen Euro teuer werden soll. Die Strecke könnte Pläne um Jahre zurückwerfen, macht aber einen Schlenker um den Lebensraum des Haselhuhns. An der Abneigung des nordrhein-westfälischen BUND gegen den Lückenschluss änderten die neuen Pläne aber nichts. Vertreter stellten gestern in Koblenz klar, nach wie vor keine Chance auf Zustimmung „zu gravierenden Eingriffen in die Landschaft“ zu sehen.

Doch auch durch die Ampelkoalition in Rheinland-Pfalz geht ein Keil in der A1-Frage: Die Grüne Jutta Blatzheim-Roegler (Bernkastel-Kues) sieht Naturschutz-Bedenken bestärkt und fordert vom Bund, über alternative Lösungen nachzudenken. Das Land klammert die Abgeordnete dabei aus. Dabei gehört dort FDP-Verkehrsminister Volker Wissing zu den Fans eines A1-Lückenschlusses. Daran ändert sich auch nichts. Der Vulkaneifeler FDP-Abgeordnete Marco Weber kritisiert vielmehr den BUND, der „seinen Hals nicht voll genug bekommt“ und gegen Interessen der vom Ausweichverkehr betroffenen Eifeler in Ortschaften arbeite. Für Weber ist klar: „Der A1-Lückenschluss muss kommen.“