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Unter allen Wipfeln ist ewige Ruh'

Hümmels Bürgermeister Rudolf Vitten und Revierförster Peter Wohlleben stehen mitten in einem künftigen Friedhof: Ein Waldstück der Gemeinde wird zum "Friedwald". Künftig können sich dort Verstorbene in der Urne bestatten lassen, die 50 Zentimenter tief unter einem Baum vergraben wird (rechts). Jeder Baum bekommt eine Kenn-Nummer, mit der Angehörige ihn wieder finden können.Fotos: Friedwald
Hümmels Bürgermeister Rudolf Vitten und Revierförster Peter Wohlleben stehen mitten in einem künftigen Friedhof: Ein Waldstück der Gemeinde wird zum "Friedwald". Künftig können sich dort Verstorbene in der Urne bestatten lassen, die 50 Zentimenter tief unter einem Baum vergraben wird (rechts). Jeder Baum bekommt eine Kenn-Nummer, mit der Angehörige ihn wieder finden können.Fotos: Friedwald
TRIER/HÜMMEL. Im Gemeindewald des Dorfes Hümmel (Kreis Ahrweiler) wird kommende Woche der erste "Friedwald" in Rheinland-Pfalz eröffnet. Die katholische Kirche hat nach wie vor Schwierigkeiten mit der dort angebotenen Urnenbestattung unter Bäumen, die evangelische Kirche hat ihren Frieden damit gemacht. Von unserem Redakteur <br>MICHAEL SCHMITZ

Just im Totenmonat November zwischen Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag und Totensonntag wird in der 600-Seelen-Gemeinde Hümmel am kommenden Donnerstag der erste Friedwald im Land eröffnet.Termin im Totenmonat "reiner Zufall"

Der Termin passt also - auch wenn er laut Axel Baudach "reiner Zufall" ist. Baudach ist Geschäftsführer der Friedwald GmbH, einer in Darmstadt ansässigen Firma, die das Konzept der Urnenbestattung im Wald nach einem Schweizer Modell seit einigen Jahren in Deutschland umzusetzen versucht (siehe Hintergrund). Das allerdings ist nicht immer einfach, denn gerade in katholischen Landstrichen stoßen die Friedwälder auf Schwierigkeiten, weil der Kirche die Naturbestattung suspekt erscheint. "An die Stelle der christlichen Hoffnung auf ewiges Leben bei Gott tritt die Rückkehr in den naturhaften Kreislauf des Stirb und Werde", kritisiert etwa der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst und spricht zudem von einer "Hinwendung zur Natur als quasi-göttlicher Instanz". Ähnlich sieht das auch das Bistum Trier, in dessen Zuständigkeit Hümmel liegt. Das Bistum stärkt deshalb auch dem örtlichen Pfarrer Gebhard Lück den Rücken. Der hat angekündigt, zwar weiterhin niemandem ein Sterbeamt zu verweigern, aber keinerlei kirchliche Amtshandlungen im Friedwald vorzunehmen.Die evangelische Kirche habe dagegen ihre Bedenken gegen die Friedwälder weitgehend aufgegeben, berichtet Friedwald-Chef Axel Baudach. Vertreter der evangelischen Kirche hätten sich das Friedwald-Konzept angesehen und tolerierten diese Bestattungsform mittlerweile. Im Odenwald gehört sogar ein evangelischer Pfarrer zu den Friedwald-Kunden. Baudach bedauert, dass sich bisher keine Vertreter der katholischen Konfession bei ihm gemeldet hätten, um eine Bestattung mitzuerleben. Daran, dass die Kirche Friedwald als heidnisches Brauchtum ansehe, gibt er sich allerdings sogar eine gewisse Mitschuld. "Wir haben am Anfang handwerkliche Fehler gemacht", sagt Baudach und meint die Eigenwerbung zum Beginn der Friedwald-Aktivitäten in Deutschland.Die nächsten Projekte: In der Pfalz und im Hunsrück

Vom Naturkreislauf und neuem Leben aus den Nährstoffen der Asche war damals die Rede - mittlerweile sind die Werbesprüche verschwunden. Friedwald habe nichts mit Esoterik zu tun und sei weltanschaulich neutral, sagt Baudach. Man gebe den Menschen lediglich die Möglichkeit einer anderen Bestattungsform. Und das werde auch von Christen geschätzt, sagt Baudach. Der überwiegende Teil der Interessenten an den Friedwald-Bäumen sei christlichen Glaubens, rund ein Drittel katholisch.Gefragt sind die Friedwälder zweifellos. Laut Baudach gab es in deutschen Friedwäldern schon über 300 Beisetzungen. Für den Friedwald Hümmel gebe es schon 60 Anfragen aus einem Umkreis von bis zu 150 Kilometern. Der Friedwald in der Eifel soll daher nicht der einzige im Land bleiben. Genaueres über die Ortschaften will Baudach noch nicht verraten, weil erst deren Gremien entscheiden sollen. Nur soviel sagt er: Wenn alles gut läuft, herrscht bald auch unter einigen Wipfeln von Pfälzer und Hunsrücker Wald die ewige Ruhe.